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Wir machen mobil: Ein neuer „Tonner“ für die Truppe

Ein neues Fahrzeug kommt in die Bundeswehr. Bevor es das bekannte Y-Kennzeichen erhält, sind viele Prüfungen notwendig. Eine Aufgabe für die amtlich anerkannten Sachverständigen des Zentrums Kraftfahrwesen der Bundeswehr. Sie machen die Truppe mobil.

Lastwagen in einer Werkhalle, angeschlossen an Kabeln und Schläuchen
Prüfprogramm: Das UTF soll schnell in die Truppe. (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Die KAT 1 haben fast ausgedient. Nach 40 Jahren im Dienst, verlassen die 5-, 7- und 10-Tonner genannten MAN die Truppe. Die markanten Lastwagen prägten das Bild der Bundeswehr nach außen mit. Ihre Geländegängigkeit und die technische Ausstattung waren zur Zeit der Einführung richtungsweisend und fortschrittlich. Doch inzwischen genügt der von den Besatzungen „Tonner“ oder „GL“ genannte Lastkraftwagen den Anforderungen moderner Logistik und zahlreicher Auslandseinsätze nicht mehr.

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Hohe Anforderungen

Soldat schreibt Notizen im Führerhaus eines LKW
Amtlich anerkannte Sachverständige begutachten sämtliche Details. (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Längst erfüllen sie die aktuellen Vorgaben der Straßenverkehrszulassungsordnung nur noch bedingt. Denn auch dieser unterliegen Fahrzeuge der Bundeswehr in einem nicht geringen Maße, da sie ja auch im öffentlichen Verkehr bewegt werden. Abgasnormen und Tonnagen sind da nur zwei Beispiele, die sich in den vergangenen 40 Jahren geändert haben. Das Einsatzspektrum für ein militärisches Fahrzeug reicht vom Einsatz auf der Autobahn in Deutschland bis hin zu extremem Gelände in Afrika oder am Hindukusch. Das Fahrzeug soll extremen klimatischen Bedingungen wie Hitze und Kälte trotzen können. Hinzu kommen die besonderen militärischen Anforderungen an den Schutz der Besatzung vor Minen, Sprengfallen und Beschuss.

So entsteht ein regelrechter Katalog an Forderungen für die jeweiligen Hersteller. Im aktuellen Fall setzte sich die Firma Rheinmetall gegen die Mitbewerber durch und präsentierte das Ungeschützte Transportfahrzeug (UTF). Optisch etwas an den MULTI erinnernd, steht der neue LKW kurz vor der Einführung in die Truppe. Jeweils vier 5- und 15-Tonner durchlaufen derzeit die Prüfungsphase durch die amtlich anerkannten Sachverständigen der Bundeswehr. In diesen beiden Versionen soll das UTF ab Ende 2018 und im Laufe des kommenden Jahres in die Truppe gelangen. Geplant sind 558 Stück, weitere werden folgen. Zwei Varianten – Drei- und Vierachser – reichen, um die geforderten militärischen Nutzlastklassen abzudecken.

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AaS – der amtlich anerkannte Sachverständige

Ein Lastwagen wird vermessen
Passt alles? Entspricht der neue LKW den Vorschriften und Vorgaben? (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Ob alles am UTF passt, prüft Oberstleutnant Gerald Högner. Der Offizier ist amtlich anerkannter Sachverständiger für den Kraftfahrzeugverkehr der Bundeswehr, kurz aaS. Zu seinen Aufgaben gehört das Erstellen von Gutachten zur Erteilung von Betriebserlaubnissen für Fahrzeuge oder Bauartgenehmigungen für Fahrzeugteile nach den gesetzlichen Vorgaben. Im Falle des neuen UTF begutachtet und bewertet er, ob dieses Fahrzeug von und bei der Bundeswehr in den Verkehr gebracht werden kann. Diese Aufgabe erfüllt er als Angehöriger des Zentrums für Kraftfahrwesen der Bundeswehr (ZKfWBw), welches das militärische Pendant zum Kraftfahrtbundesamt bildet.

Eine Prüfsituation in Nahaufnahme
Ein Team aus verschiedenen Dienststellen checkt die Ausrüstung des UTF. (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Högner war schon früh in die Planung und Entwicklung des UTF eingebunden und brachte seine Expertise als Ingenieur und als einsatzerfahrener Offizier in das Projekt ein: „Ziel ist es, den Besatzungen das bestmögliche Fahrzeug an die Hand zu geben“, erklärt er. Dazu gehört auch die modernste Ausstattung der LKWs, beispielsweise mit einem Antiblockiersystem, das auch im Gelände zuverlässig funktioniert, oder einem vollautomatischen Getriebe an einem aktuellen Triebwerk. „Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer der Bundeswehr sollen weitestgehend von komplexen Bedienungen befreit werden, um sich auf ihre Hauptaufgabe – das Fahren – zu konzentrieren.“

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Schnittstelle zu den Bedarfsträgern

Soldat justiert eine Achswaage
AaS sind herausragende Spezialisten. (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Circa 180 aaS gibt es in der Bundeswehr, verteilt auf die gesamte Republik. Von diesen sind neun in der Begutachtung von Fahrzeugen eingesetzt. Diese müssen nicht nur technisch fit sein. Für ihren Auftrag müssen sie über umfassende Rechts- und Vorschriftenkenntnisse im Bereich der Verkehrsvorschriften, dem Bau, dem Betrieb und der Zulassung von Fahrzeugen, bis hin zu den besonderen militärischen Bestimmungen verfügen. Selbst Versicherungsfragen zu klären und noch vieles mehr gehört zum Anforderungsprofil der technischen Spezialisten. „Von unschätzbarem Wert für meine Arbeit ist aber die praktische Erfahrung“, sagt Oberstleutnant Högner, der sich als „Schnittstelle“ zwischen den Herstellern und Beschaffern von Fahrzeugen und der Truppe versteht. „Nur mit Erfahrung lässt sich der Bedarf unserer Soldaten und deren Anforderungen an einen Lastkraftwagen zuverlässig beurteilen." Letztendlich sind es auch die aaS, welche den Ausbildungseinrichtungen bei der Konzeption und Durchführung von Lehrgängen bis hin zur Prüfung zur Hand gehen.

Lastwagen in einer Werkhalle wird beladen
Wie schwer wird er? Einrüsten mit allem, was im Einsatz dabei ist. (Quelle: PIZ SKB/Alpers )Größere Abbildung anzeigen

Das UTF wurde in vergleichsweise kurzer Zeit auf den Weg gebracht. Anderthalb Jahre dauerte es vom ersten Erprobungsmuster bis zur abschließenden technischen Überprüfung. Schon bald kann die Serienproduktion starten und dem sogenannten Rollout steht nichts mehr im Wege. Zuvor werden noch bestimmte Verfahren dokumentiert und getestet. In den Hallen des Herstellers Rheinmetall simulieren Soldaten unter Högners Aufsicht sämtliche Beladungszustände. Drei Besatzungsmitglieder führen Ausrüstung, Munition, Waffen, Verpflegung und Wasser mit. Es macht auch einen Unterschied, ob das Fahrzeug vollgetankt mit allen Ölen und Schmierstoffen versehen an den Start geht oder nur halbvoll losfährt.

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Es geht voran

Zivil gilt das Leergewicht eines Lastwagens als Wert für die Zulassungspapiere, die militärische Leermasse wird dagegen mit der Zusatzausrüstung des Kraftfahrers und den militärischen Rüstsätzen ermittelt. Nur eine der Ausnahmen, die die Bundeswehr entgegen der zivilen Vorschriften durchsetzen muss. Im Falle des UTF ist das Fahrerhaus austauschbar gegen eines mit Minenschutz, was das Gewicht zusätzlich in die Höhe treibt. Nicht zuletzt muss ein UTF auch noch in die Transportflugzeuge der Bundeswehr und verbündeter Streitkräfte passen, wie beispielsweise den A 400 M. „Bewaffnet“ mit Messgeräten und Dokumenten treibt Högner die Einführung des UTF voran.

Lastwagen in einer Werkhalle, angeschlossen an Kabeln und Schläuchen
Viele Menschen ziehen an einem Strang für die künftigen Besatzungen. (Quelle: PIZ SKB/Alpers )Größere Abbildung anzeigen

Wenige Tage später ist Umdenken angesagt, dann geht es mit einem der anderen, zahlreichen Projekte weiter. Eine Ausnahmegenehmigung zu den aktuellen Abgasnormen für die Schwerlasttransporter der Bundeswehr muss beschafft werden. „Langweilig wird es nie“, sagt Högner, „schließlich müssen wir die Truppe mobilmachen!“

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Stand vom: 15.08.18 | Autor: 


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