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Marhaba – Willkommen!

Er spricht arabisch! Er spricht arabisch!“ Wenige Worte genügen und schon ist Hauptfeldwebel Eshraf Siydo bei seiner Arbeit von Menschen umringt. Er ist einer von acht Soldaten, die als „Helfende Hände“ eine Außenstelle der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Trier unterstützen. Ihre Aufgabe ist die Überprüfung und Registrierung der täglich ankommenden Flüchtlinge. Eine gewaltige Herausforderung.

Ein Soldat im Gespräch mit zwei Männern.

Hauptfeldwebel Eshraf Siydos Hilfe ist gefragt. (Quelle: LKdo RP/Meiszies)Größere Abbildung anzeigen

Den ganz normalen Alltag“, so der 26-jährige Hauptfeldwebel, „den gibt es hier nicht. Jeder Tag ist anders und weit entfernt vom Routinedienst. Das fängt schon mit den Arbeitszeiten an.“ Elf, zwölf Stunden sind für Eshraf Siydo und seine Kameraden keine Seltenheit, manchmal werden es sogar noch einige mehr. Der Flüchtlingsstrom kennt keine Uhrzeiten, die Menschen kommen auch mitten in der Nacht. Zurzeit befinden sich etwa 1.700 Männer, Frauen und Kinder in der Trierer Außenstelle der AfA, neunzig Prozent davon sind Syrer. Für diese Menschen ist Hauptfeldwebel Siydo vom Führungsunterstützungsbataillon 281 in Gerolstein ein wahrer Glückfall.

Migrationshintergrund erleichtert die Hilfe

Ein Mann schüttelt einem Soldaten die Hand.

Für jede Unterstützung dankbar. (Quelle: LKdo RP/Meiszies)Größere Abbildung anzeigen

Geboren wurde der 26-Jährige in Gerolstein. Seine Eltern kommen aus Palästina, sie flohen Ende der achtziger Jahre nach Deutschland. Aufnahme fanden sie damals im Camp Ingelheim. Eine prägende Vergangenheit und für Eshraf Siydo mit ein Beweggrund, sich im Rahmen der angefragten Unterstützungsleistung freiwillig zur Flüchtlingshilfe zu melden. Nicht nur, dass er fließend arabisch spricht, aufgrund seines Migrationshintergrundes bringt Hauptfeldwebel Siydo zudem eine andere Sensibilität für die Problematik der Asylsuchenden mit. Ein großer Vorteil. Sein Zugang - gerade zur den arabisch sprechenden Flüchtlingen – ist unmittelbarer und oft auch unbefangener. Die Menschen um ihn herum wissen und schätzen das. In der Aufnahmestelle ist ihm kaum ein Schritt möglich, ohne von einer Traube Hilfesuchender umringt zu sein. Ihre Fragen sind vielfältig: ob Bettenzuteilung, gesundheitliche Probleme, unvollständige Daten oder einfach nur die Uhrzeit, die Menschen sind dankbar, dass jemand ihre Sprache spricht, ihnen zuhört und auch hilft. Professionelle Dolmetscher gibt es in der Einrichtung nicht.

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Bewegende Schicksale

Ein Soldat am Schreibtisch.

Die tägliche Arbeit: Klären von Identitäten. (Quelle: LKdo RP/Meiszies)Größere Abbildung anzeigen

Seit dem 28. September ist Eshraf Siydo als Soldat der Streitkräftebasis gemeinsam mit vier weiteren Kameraden in Trier. Vom Stammpersonal der AfA wurden sie erst einmal geschult. Vergangene Woche kamen dann drei weitere Soldaten dazu. Ihr Kernauftrag besteht darin, Flüchtlinge in den Außenstellen der AfA Trier zu registrieren. Die Abfrage persönlicher Daten, wie Name, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, Sprache und Religion, sind Teil dieses Prozesses. Eine tägliche Herkulesaufgabe, gepflastert mit vielen Schicksalen. Flüchtlinge erzählen „wie es so ist auf einem Boot“ oder was man für einen Schlepper bezahlen muss. „Wenn ich dann mal mit der Sprache an meine Grenzen komme“, so Siydo, „dann geht es eben mit Händen und Füßen weiter.“ Die genauen Umstände und Verhältnisse zu klären, ist auch für ihn - trotz seiner Sprachkenntnisse - oftmals schwierig. „Eines der größten Probleme besteht darin, die verwandtschaftlichen Beziehungen herauszufinden, damit Familien gemeinsam registriert und nicht voneinander getrennt werden.

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Was wirklich wichtig ist

Ein Soldat steht in einem Unterkunftszelt für Flüchtlinge.

Wenigstens ein bisschen Privatsphäre. (Quelle: LKdo RP)Größere Abbildung anzeigen

Sich von den vielen Schicksalen abzugrenzen, fällt Hauptfeldwebel Siydo und seinen Kameraden schwer: „Die familiären Situationen belasten einen schon, gerade die Problematik der minderjährigen Kinder, die ohne Eltern kommen und möglicherweise in der Datenflut des Computers verschwinden und später vielleicht nur noch schwierig aufzufinden sind. Man nimmt vieles mit nach Hause, abschalten fällt schwer.“ Trotzdem würde er sich jederzeit wieder freiwillig für diese Aufgabe melden. „Hier habe ich gemerkt, wie gut wir es eigentlich haben, selbstverständliche Dinge wie eine Dusche und Heizung erscheinen einem plötzlich in völlig anderen Licht.“ Auch in punkto gegenseitigem Respekt und Geduld könne man viel lernen. Als Soldat habe er bislang nur positive Rückmeldungen erhalten, sei es von den Flüchtlingen oder den zivilen Mitarbeitern.

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Hand in Hand mit den zivilen Einrichtungen

Ein Kind mit seinen Eltern beim Essen im Park.

Diese Familie blieb zusammen. (Quelle: LKdo RP/Meiszies)Größere Abbildung anzeigen

Caritas, Rotes Kreuz, Security Firmen sowie verschiedene Landesbehörden arbeiten in Trier Hand in Hand. „Ohne Hauptfeldwebel Siydo und seine Kameraden wäre hier alles etwas unstrukturierter“, betont Jürgen Patschula vom Landesamt für Finanzen, der sich gemeinsam mit dem Hauptfeldwebel ein Büro in der Aufnahmestelle teilt. Das Erfassungssystem, das Eshraf Siydo erarbeitet habe, sorge einfach für mehr Effizienz. Einen genauen Lagebericht übermittelt Eshraf Siydo täglich an das Lagezentrum des Landeskommandos Rheinland-Pfalz in Mainz. Von hier aus wird die gesamte Flüchtlingshilfe der Bundeswehr im Bundesland koordiniert. Seine Zukunft sieht der Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr. Berufssoldat zu werden, ist sein Ziel. Seine Zeit in Trier hat er verlängert, bis zum 31. Dezember wird er voraussichtlich bleiben. „Hier kann man was tun, man kann helfen bei dieser humanitären Katastrophe und das verleiht Zufriedenheit.“ Und wie zur Bestätigung kommt jubelnd ein syrischer Junge zum Hauptfeldwebel und ruft freudig einige arabische Sätze: „Mein Vater ist da, mein Vater ist da“ übersetzt Eshraf Siydo, zwei Augenpaare strahlen – kurze Momente voller Glück und Hoffnung.

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Stand vom: 01.07.16 | Autor: 


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