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Neuer Basislehrgang für angehende Stabsoffiziere leistet „Pionierarbeit“

Er ist seit 2004 ein großer Schritt für Berufsoffiziere auf dem Weg in ihre erste Stabsoffizierverwendung innerhalb der Bundeswehr gewesen: der Stabsoffizierlehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. In zwei Jahren Planungsarbeit hat die Führungsakademie den Lehrgang vollständig überarbeitet und Anfang des Jahres den „BLS“ mit dem ersten Jahrgang Offiziere neu gestartet.

Ein Soldat gestikuliert mit den Händen

Mehr aktive Mitarbeit wird gefordert – und didaktisch gefördert. (Quelle: Bundeswehr/Junge)Größere Abbildung anzeigen

Für die jungen Führungskräfte auf der Schwelle vom Hauptmann oder Kapitänleutnant zum Major oder Korvettenkapitän hängt ihr weiterer Werdegang ganz entscheidend vom Abschneiden im aktuellen Lehrgang ab, der seit Kurzem einen neuen Namen trägt. Doch es ist weit mehr als eine schlichte Umbenennung, es gibt ein völlig neu konzipiertes Ausbildungsprofil. Ein neues didaktisch-methodisches Konzept ist entstanden, mit neuen Inhalten und darauf zugeschnittene Prüfungen. „Als vor rund zwei Jahren die Entscheidung im Ministerium fiel, den Lehrgang grundlegend zu überarbeiten, war das für alle Beteiligten eine große Herausforderung“, beschreibt Oberst i.G. Jörg Steenbock, Lehrgruppenleiter an der Führungsakademie.

Aktive Mitarbeit als Leitmotiv

Ein Soldat an einer Pinnwand

Weiterentwicklung individueller Führungskompetenzen. (Quelle: Bundeswehr/Junge)Größere Abbildung anzeigen

Auch wenn die Arbeiten zum neuen Lehrgang im Schwerpunkt im Bereich Direktor Lehre getätigt wurden, war nahezu die gesamte Akademie in diesem Prozess eingebunden. Denn es galt, einen Lehrgang umzugestalten, der nach vielen Anpassungen in der Vergangenheit durchaus optimiert beziehungsweise „eingefahren“ war und trotz hoher Arbeitsbelastung für die Lehrgangsteilnehmer allseits Anerkennung fand. Dennoch drehten die Verantwortlichen an vielen Stellschrauben. Anforderungen aus der Truppe, aber auch Erfahrungsberichte der Lehrgangsteilnehmer sowie die fachlichen Expertisen der Dozenten und Tutoren, der Ausbilder und des Stammpersonals sind in den Gestaltungsprozess eingeflossen. Das neue didaktisch-methodische Konzept rückt das „Handeln“ ins Zentrum der Betrachtung. Die Lernenden sollen sich Kompetenzen, sprich Wissen und Fähigkeiten, mit mehr Eigenverantwortung und Initiative als zuvor erschließen. Das heißt, dass die aktive Mitarbeit der angehenden Stabsoffiziere noch stärker gefordert wird. Um dieses zu ermöglichen, wurde die Anzahl der Prüfungen reduziert, das bisher intensive Programm zeitlich angepasst und der Lehrgang um fast zwei Wochen verlängert

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Moderne Managementmethoden und zeitgemäße Führung

Zwei Soldaten hören einem Vortrag zu

Neue Formen der Leistungsbewertung. (Quelle: Bundeswehr/Junge)Größere Abbildung anzeigen

Methoden und Inhalte wie Prozessmanagement und Veränderungsmanagement, die an die Schulung ziviler Führungskräfte erinnert, finden einen stärkeren Anteil in der Vorbereitung auf effiziente Stabsarbeit. Das Ziel des Umbaus sei ein Lehrgang, der den geänderten Rahmenbedingungen und gewachsenen Anforderungen an einen Stabsoffizier gerecht wird. „Wir möchten dem individuellen Weiterbildungsbedarf unserer Führungskräfte gerecht werden“, stellt Oberstleutnant Wolfgang Janker, Tutor im Lehrgang und Dozent im Fachbereich „Führung und Management, Planung und Recht“ heraus. Das Thema Attraktivitätsverbesserung solle jeder Vorgesetzte auf seine persönliche Agenda setzen. „Es liegt in der Hand einer jeden Führungskraft, das Personal der Bundeswehr zu führen, zu motivieren und auch zu überzeugen, sich langfristig zu binden“, unterstreicht Oberstleutnant Janker. Auch wegen des Wettbewerbs mit dem zivilen Markt um gutes Personal sei es deshalb notwendig, militärischen Führungskräften neben modernstem Führungswerkzeug konkrete Empfehlungen für das eigene Führungshandeln in die Hand zu legen. „Letztlich unterstützen wir bereits führungserfahrene Offiziere bei der Selbstreflexion und der Weiterentwicklung ihrer individuellen Führungskompetenzen. Die Bereitschaft hierzu haben unsere Lehrgangsteilnehmer überzeugend nachgewiesen.“ Ein Vorgehen der Bundeswehr, das auch über die Grenzen Deutschlands hinaus Anerkennung fände.

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Auf dem Prüfstand

Ein Soldat vor einer Schautafel

Die Teilnehmer tragen per Evaluierung zur Verbesserung bei. (Quelle: Bundeswehr/Junge)Größere Abbildung anzeigen

Im neu geschaffenen Lehrgang werden die Teilnehmer - wie schon im vorherigen Lehrgang - schriftlich und mündlich geprüft. „Mir ist durchaus bewusst, dass eine Prüfung für die Lehrgangsteilnehmer an der einen oder anderen Stelle zu einer hohen zeitlichen und psychischen Belastung führt. Andererseits kommt genau diese Belastung auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch in zukünftigen Verwendungen zu. Für diejenigen, die die Karriereleiter hoch hinauf möchten – vielleicht bis zum General oder Admiral –, werden in Zukunft enorm anspruchsvolle Herausforderungen anstehen“, betont Tutor Oberstleutnant Janker. Dennoch ist die Weiterentwicklung des Lehrgangs ein dynamischer Prozess und auch der Verzicht auf Prüfungen ist Gegenstand geplanter Veränderungen. Lehrgangsteilnehmer unter Stress zu erleben, zu bewerten und zu beurteilen sei zwingend notwendig, müsse aber nicht zwangsläufig in Form von Prüfungen geschehen, erklärt Janker: „Ich kann mir gut vorstellen in den verschiedenen Themenfeldern des Lehrganges Aufgaben und Vorträge von den Lehrgangsteilnehmern abzuverlangen und diese dann auszuwerten. Die Tutoren und Dozenten sind dazu vor dem Hintergrund ihrer umfassenden Erfahrungen bestens geeignet.

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Auswertung und Optimierung

Eine Auswertung des ersten Lehrgangs „neuer Art“ und inwieweit sich die Entzerrung der Prüfungen und die Umgestaltung der Lehre auf die zeitliche Belastung der Lehrgangsteilnehmer während des Lehrgangs auswirkt, wird an der Führungsakademie am Ende der Ausbildung erfolgen. Auch die Lehrgangsteilnehmer werden Gelegenheit dazu bekommen, wertvolles Feedback zu geben und damit quasi „Pionierarbeit“ für die weitere Ausgestaltung des BLS leisten.

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Stand vom: 01.07.16 | Autor: 


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