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Soldaten in den mobilen Registrierungsteams: einfühlsam, flexibel, pragmatisch

Hauptfeldwebel Andreas Mecke ist seit dem 20. September 2015 über zweihundert Kilometer von seinem Heimatstandort in Unterfranken entfernt. Seitdem geht er in der Oberpfalz täglich einer gänzlich fachfremden Tätigkeit nach: Der 39-jährige Pionier aus der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim hat in Regensburg fünf mobile Registrierungsteams zu je zwei Soldaten aufgebaut, die im Regierungsbezirk Oberpfalz dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bei der Registrierung von Asyl suchenden Menschen aus aller Welt unter die Arme greifen. Das Landeskommando Bayern koordiniert im Freistaat als integraler Bestandteil der Streitkräftebasis sämtliche Unterstützungsleistungen der Bundeswehr im Rahmen der Flüchtlingshilfe.

Mann spricht mit Flüchtlingen

Hauptfeldwebel Andreas Mecke beim Erstkontakt mit Flüchtlingen (Quelle: LKdo BY/Becker)Größere Abbildung anzeigen

Allein in Regensburg gibt es vier Notunterkünfte, die Mecke mit seinem Team ansteuert, wenn Flüchtlinge registriert werden müssen. Darüber hinaus fahren die Soldaten auch nach Windischeschenbach, nach Cham oder Wiesau, um für Menschen den ersten Schritt ihres Asylantrags zu realisieren. Bis zu 50 Anträgen schafft ein Team pro Tag: Fingerabdrücke nehmen, Namen aufschreiben, Fotos machen … „Es gibt viele Flüchtlinge, die sich davor fürchten“, erklärt Mecke, „unsere Aufgabe ist es, ihnen die Angst beim Erstellen des Vorantrags auf Asyl zu nehmen.“ Das sei aufgrund der Sprachbarriere nicht immer einfach. Doch mit Sprachmittlern, Einfühlsamkeit und Geduld haben er und seine Mitarbeiter die Probleme schnell in den Griff bekommen, erklärt er.

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Schnell lernen, worauf es ankommt

Die Organisation und Administration am Anfang war nicht einfach“, sagt der Hauptfeldwebel, „es gab wenig Vorgaben, deswegen war es für uns wichtig, schnell zu lernen, worauf es ankommt.“ Learning by doing, lautete die Devise nach einem Tag Einarbeitung in Nürnberg. Als Soldat ist er es gewohnt, mit neuen Lagen umzugehen. Auch hier hat er sich in kürzester Zeit bewährt: Für die erfolgreiche Arbeit stehen die hohen Registrierungszahlen. Und auch die Resonanz der Mitarbeiter der Stadt, wie zum Beispiel in Regensburg. Bei seiner Arbeit in einer zur Notunterkunft umgebauten Turnhalle kommt plötzlich eine Betreuerin der Stadt, die sich um Flüchtlinge kümmert, und bringt für alle Mitarbeiter der Bundeswehr Schokolade: „Ich bin traurig, dass ihr geht, ihr habt euch hier so gut mit uns eingelebt.“ Nächste Woche ist der dreimonatige Bundeswehr-Einsatz der Teams in der Oberpfalz beendet.

Mann legt Finger eines anderen Mannes auf Apparat zur Registrierung.

Abnahme von Fingerabdrücken. (Quelle: LKdo BY/Becker)Größere Abbildung anzeigen

Gefordert als Mensch und Macher

Andreas Mecke gehen die Schicksale der Menschen nahe. „Viele sind traumatisiert, man merkt, sie haben lange, zehrende Fluchtwege hinter sich, einige haben Wunden von Bombenanschlägen.“ Doch man dürfe das nicht so nah an sich heranlassen, erklärt er. Es sei wichtig, sensibel zu sein und die Betroffenheit gleichzeitig nicht zu stark werden zu lassen. „Sonst ist die Professionalität in der Arbeit gefährdet.“ Neben dem einfühlsamen Umgang mit Menschen aus aller Welt, derzeit vor allem aus Syrien, dem Iran und Irak, muss er täglich seine Soldaten führen und eigeninitiativ mit Kommunen die relevantesten Einsatzorte für sich und die Teams in Erfahrung abklären. „Wir bekommen keine Anrufe, wo wann am meisten Flüchtlinge ankommen, sondern müssen uns selber darum kümmern, in welchen Städten in der Oberpfalz die Asylsuchenden auflaufen.

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Dienst ohne Uniform

Die 30 Teams in Bayern tragen ebenso wie ihre Kameraden in den insgesamt 130 mobilen Registrierungsteams in ganz Deutschland keine Uniform. Sie sind eingebunden in ein ziviles Umfeld in Schulen oder Turnhallen, während die zwei großen Wartezentren in Bayern wie ein Feldlager an Kasernen angelehnt sind. Dort sind die dem BAMF unterstellten Soldaten in Uniform tätig. In Bayern betreibt die Bundeswehr diese zwei Zentren, daher wird der ganzheitliche Ansatz verfolgt, auch die Registrierung in Uniform vorzunehmen. Die Soldaten sind in die Gemeinschaft der zivilen Betreuer der Städte und der Johanniter integriert, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

Mehrere Leute basteln an Drähten für Registrierungsgeräte

Gefragte Fähigkeiten von IT über Administration bis zu Organisation (Quelle: LKdo BY/Becker)Größere Abbildung anzeigen

Erfahrung für´s Leben

Als Soldaten sind die Menschen gewohnt, sich rasch in neue Situationen einzuleben und entsprechend zu handeln, mit den vor Ort eingesetzten Kameraden die bestmöglichen Lösungen zu finden. Für die vom BAMF geforderte Unterstützung hat er Verständnis: „Die Arbeit muss gemacht werden, weil das Amt viel zu wenige Mitarbeiter hat – wir helfen da gerne aus.“ Mecke zieht ein positives Fazit: „Die Stimmung hier war sehr gut, für uns Soldaten ist das mit Sicherheit eine ganz besondere Erfahrung.

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Stand vom: 01.07.16 | Autor: 


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