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„Manche halten mich für einen Lebenskünstler“

Heidelberg: Es regnet. In der Patrick-Henry-Siedlung (PHV), einer ehemaligen US-Liegenschaft, spazieren einige Flüchtlinge Richtung Registrierungsstelle. Aus dem Gebäude direkt neben der Wache kommt ein groß gewachsener Mann mit kurzen, grau melierten Haaren gelaufen. Oberstleutnant Ralf Scheffel hat wache Augen und eine kräftige Stimme – ein Fallschirmjäger, wie man sich ihn vorstellt. Wenn er seine Runde durch die Anlage dreht, grüßen ihn nicht nur die Soldaten, sondern auch die zivilen Angestellten der Security-Firma mit Ehrfurcht. Als Leiter des Kreisverbindungskommandos (KVK) Heidelberg hat er die vergangenen fünf Monate den Betreiber des Flüchtlingsregistrierungszentrums tatkräftig unterstützt. Die ersten Strukturen stammen aus der Feder des freiberuflichen Unternehmensberaters.

Ein Portrait eines Soldaten

Engagiert im Dienste der Sache. (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Dr. Scheffel ist Reservist und nebenberuflich Dozent an der Dualen Hochschule in Mannheim. Hier hat er Fragen der Flüchtlingshilfe auch mit seinen Studenten diskutiert. Als Logistiker und Fachmann für Standortfragen und Raumplanung besitzt er eine ausgezeichnete Expertise. Vergangene Woche hat Oberstleutnant Scheffel seinen Dienstposten übergeben, um einen neuen Dienstposten in Ulm zu übernehmen. Im Gespräch mit Hauptmann Tim Schmidt zieht er ein erstes Resümee.

Zwei Soldaten unterhalten sich mit zwei Krankenschwestern, die an einem Tisch hinter einem PC sitzen.

Oberstleutnant Scheffel erkundigt sich bei der Röntgenstation nach dem aktuellen Gerätebestand. (Quelle: LKdo BW/Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

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Herr Oberstleutnant, Sie sind hauptberuflich Dozent und Unternehmensberater, wie finden Sie da noch die Zeit, um eine so lange Unterstützungsleistung durchzuführen?

Ich war gerade in einer Phase, in der ich ein großes Projekt beendet hatte. Insofern war der Zeitpunkt der Anfrage günstig. Meine Arbeit als Dozent konnte ich so einrichten, dass ich sie auch während meiner Reservistendienstleistung weiterführen konnte. Wenn ich jetzt zurück in meinen Beruf als Unternehmensberater komme, wartet schon das nächste Projekt auf mich.
Ein Flipchart mit einer Grafik der Organisationsstruktur des Registrierungszentrums.

Dr. Scheffels Werk: Zusammen mit seinen Soldaten hat er die Grundstrukturen der Prozesse im PHV implementiert. (Quelle: LKdo BW/Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

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Was begeistert Sie an der Bundeswehr und ihrer Tätigkeit als Reservist?

Ich wäre durchaus gern Berufssoldat geworden. Bei allen Fachfragen, die wir hier im PHV oder unserem KVK diskutieren, ist für mich die Kameradschaft besonders wichtig. Darüber hinaus ist es die Abwechslung, die ich genieße. Als Reservist habe ich die Möglichkeit, immer neue Eindrücke zu erhalten. Ich war mit der Truppe im Ausland und übernehme nun im Kommando Operative Führung in Ulm neue Aufgaben sowie einen Dienstposten. Manche sagen, ich sei so etwas wie ein Lebenskünstler. Was mich treibt ist der Erfolg. Es reizt mich zu sehen, was man auch als verhältnismäßig kleines Kreisverbindungskommando erreichen kann. Wir haben deutliche Erfolge verzeichnet. Das liegt nicht zuletzt am hohen Akademikeranteil meines KVK und der hohen Motivation der Soldaten. Alle notwendigen Prozesse hier im PHV wurden durch uns implementiert.
Zwei Flüchtlinge sitzen an einem Schalter, an dem ein Soldat an einem PC sitzt.

In der Registrierungsstraße werden die Angaben der Flüchtlinge aufgenommen und anhand mitgeführter Papiere überprüft. (Quelle: LKdo BW/Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

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Wie haben Sie sich auf Ihre Aufgabe vorbereitet?

Grundsätzlich ist unsere Leistung hier in Heidelberg gelernt. Für uns ist es genau das, was Zivil-Militärische-Zusammenarbeit ausmacht. Die Einsatzfreude ist da, wenn man uns machen lässt. Wir wollten von Anfang an etwas bewegen. Dabei geht es mir auch gar nicht darum, mich persönlich zu profilieren, sondern eine Einrichtung ökonomisch sinnvoll und effektiv zu betreiben. Ich habe sogar meine Studenten einbinden können und mit ihnen an der Hochschule Möglichkeiten und Modelle diskutiert. Das macht natürlich auch Spaß.
Ein Soldat hilft bei der Abgabe von Fingerabdrücken.

In einem weiteren Schritt werden die Flüchtlinge nachrichtendienstlich erfasst und geben ihre Fingerabdrücke ab. (Quelle: LKdo BW/Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

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Der Grundbetrieb ist seit längerem sichergestellt, ein Versuchsmodell Zentrale Flüchtlingsregistrierung gestartet. Wie sollte es Ihrer Meinung nach nun weitergehen?

Für die Flüchtlingshilfe im PHV halte ich es für sinnvoll, die zentrale Flüchtlingsregistrierungsstelle zu etablieren. Unsere Möglichkeiten hier sind bundesweit führend und sollten daher weiter genutzt und noch ausgebaut werden. Wir können Flüchtlinge nicht nur in maximal 48 Stunden vollständig registrieren und einen Asylantrag bescheiden, sondern könnten unsere Kapazitäten auch so erweitern, dass wir bis zu 40.000 Flüchtlinge unterbringen können. Hierdurch ließen sich Strukturen schaffen, die andere Bereiche deutlich entlasten würden. Standorte könnten geschlossen werden. Darüber hinaus erhielten die Kommunen mehr Zeit, sich auf die Unterbringung der Flüchtlinge mit positivem Asylantrag vorzubereiten. Mittelfristig sollte die Frage der Durchhaltefähigkeit aller eingebundenen Akteure geklärt werden. Hier hat die Bundeswehr deutlich gezeigt, was sie leisten kann.

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Stand vom: 01.07.16 | Autor: 


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