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Brigadegeneral Schönfeld: „Die Reserve ist auf gutem Wege“

Brigadegeneral Schönfeld: „Die Reserve ist auf gutem Wege“ Seit Mitte vergangenen Jahres befasst sich eine Steuergruppe mit der Optimierung der Reserve in der Streitkräftebasis (SKB). Brigadegeneral Jobst Schönfeld ist Beauftragter für Reservistenangelegenheiten und stellvertretender Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr in Berlin. Er führt im Auftrag des stellvertretenden Inspekteurs der Streitkräftebasis, Generalleutnant Peter Bohrer, die Steuergruppe „Reserve in der Streitkräftebasis“.

General Schönfeld sitzt in entspannter Haltung an einem Tisch und ist im Gespräch.
Brigadegeneral Jobst Schönfeld: "Wir wollen den Reservistendienst noch attraktiver machen" (Quelle: KdoTA/Akbar)Größere Abbildung anzeigen

Herr General Schönfeld, was ist das Ziel dieser Steuergruppe und welches sind die wichtigsten Handlungsfelder?

Mit der Steuergruppe „Reserve in der SKB“ verfolgen wir vorrangig zwei Ziele: wir wollen zunächst die Attraktivität der Reserve im Bereich der Streitkräftebasis steigern, und wir wollen darüber hinaus natürlich auch die Fähigkeiten der Reserve verbessern. Beide Ziele haben mit den Aussagen im neuen Weißbuch zur Bedeutung der Reserve einen zusätzlichen Schub bekommen.

Unsere Aktivitäten konzentrieren sich auf vier für uns zentrale Handlungsfelder: auf den Bereich Personal, Organisation und Ausbildung, auf den Bereich Strukturen und Zukunftsfähigkeit, auf die Lehrgangsgestaltung für die Reserve und nicht zuletzt auf sanitätsdienstliche Aspekte der Reserve.

Für jeden dieser vier Bereiche haben wir jeweils eine Arbeitsgruppe gebildet, in denen insgesamt mehr als 60 Vertreter aus der Streitkräftebasis einschließlich Vertreter des zentralen Sanitätsdienstes und des Bundesamtes für Personalmanagement mitarbeiten. Zukünftig wollen wir darüber hinaus weitere interessierte Organisationsbereiche der Bundeswehr zur Mitarbeit einladen und den Verband der Reservisten, da er vor ganz ähnlichen Herausforderungen steht.

Wie ist die Reserve in der Bundeswehr derzeit strukturiert? Wer sind „die Reservisten“?

Zunächst: Ob im Einsatz, bei Hochwasserkatastrophen oder in der Flüchtlingshilfe, um nur wenige Beispiele zu nennen, unsere Reservisten sind unverzichtbar für die Auftragserfüllung der Bundeswehr.

Wenn wir heute über Reserve sprechen, geht es um drei Säulen: die Allgemeine Reserve, die Territoriale Reserve und die Truppenreserve. Die Allgemeine Reserve, also die Gesamtheit aller nicht beorderten Reservisten, rückt zunehmend in unseren Fokus.

Hier geht es für uns darum, die Zusammenarbeit unserer 15 Landeskommandos mit den Landesgruppen des Reservistenverbandes zu verstärken. Wir wollen so das Potenzial von mehr als einer Million nicht beorderter Reservisten besser mit der Territorialen Reserve verzahnen.

General Schönfeld sitzt in entspannter Haltung an einem Tisch und ist im Gespräch
General Schönfeld will Soldaten schon vor ihrem Ausscheiden aus dem Dienst noch gezielter ansprechen (Quelle: KdoTA/Akbar)Größere Abbildung anzeigen

Wie wollen Sie die unbeorderten Reservisten konkret erreichen?

Der Reservist ist integraler Bestandteil der Streitkräfte, egal ob beordert oder unbeordert. Auch der nicht beorderte Reservist soll die Möglichkeit haben, beispielsweise bei Hilfeleistungen in Katastrophenlagen mit anzupacken und uns zu verstärken.

Damit wächst die Bedeutung der Bezirks- und Kreisverbindungskommandos (BVK/KVK) und der etablierten Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien (RSU-Kompanien) als Anlaufstelle für Unbeorderte.

Sie alle sind im territorialen Netzwerk die Ansprechpartner in der Fläche für die engagierten und interessierten Reservisten und finden ihre Heimat in den Landeskommandos, geführt durch das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr.

Mit welchen konkreten Mitteln und Maßnahmen soll die Attraktivität des Reservistendienstes kurz- und langfristig erhöht werden?

Es gibt ein ganzes Bündel an Maßnahmen, um die Attraktivität der Reserve zu steigern. Wir können in der Steuergruppe bereits jetzt auf sogenannte QuickWins verweisen.

So wird es zukünftig eine zentrale Mail-Adresse für Reservistenangelegenheiten auf Verbandsebene geben, was die Kommunikation für Reservisten deutlich erleichtern und verbessern wird.

Die wehrmedizinischen Begutachtung von Reservisten wird ab sofort vereinfacht. Hier gibt es seit Januar die differenzierte Betrachtung und die Möglichkeit, mittels eines Fragebogens die ärztliche Untersuchung zu erleichtern. Durch die Unter-scheidung zwischen “mit beziehungsweise ohne körperliche Belastung“ gelingt eine bedarfsgerechte Heranziehung im Sinne des Reservisten und des Bedarfsträgers.

Der Abbau von verwaltungstechnischen Hemmnissen und die Vereinfachung der Heranziehung sind erklärte mittelfristige Ziele, die die Attraktivität der Reserve steigert und der aktiven Truppe einen schnelleren und bedarfsgerechten Umgang mit der Reserve ermöglicht.

General Schönfeld im Gespräch, im Hintergrund sitzt ein weiterer Soldat
Neue Zielgruppe für die Reserve: auch Ungediente sollen gezielt angesprochen werden (Quelle: KdoTA/Kehrberg)Größere Abbildung anzeigen

Wie und auf welchem Wege können mehr Reservistendienst Leistende gewonnen werden?

In Bezug auf die Personalgewinnung für die Reserve gilt es, intensiver potenzielle Kandidaten zu identifizieren und für die Bundeswehr zu gewinnen. Hierzu zählt insbesondere auch die Zielgruppe der ausscheidenden Zeit- und Berufssoldaten.

Bereits während der aktiven Dienstzeit der Soldaten muss eine stärkere Sensibilisierung für das Thema Reserve erfolgen, um die ausscheidenden Kameradinnen und Kameraden für die Reserve zu gewinnen.
Die Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem Reservistenverband habe ich eingangs erwähnt. Es gilt, aus dem Bereich der allgemeinen Reserve vermehrt Reservisten für eine Beorderung zu gewinnen. Wir untersuchen zurzeit eine ganze Reihe von innovativen Maßnahmen.

Das reicht von Konzepten für Werbekampagnen bis hin zu Kooperationen mit der Wirtschaft. Eine engere und direkte Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern unserer Reservisten und das Anerkennen von Qualifikationen, die durch den freiwilligen Dienst als Reservist auch für den Arbeitgeber entstehen können, gilt es weiterzuentwickeln.

Die engere Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern ist die eine Seite, gibt es darüber hinaus Ansatzpunkte?

Selbstverständlich ist es notwendig, auch gänzlich neue Wege in der Personalgewinnung zu gehen. Deshalb steht zukünftig auch eine neue Zielgruppe im Fokus: der ungediente Bürger. Ihn wollen wir gewinnen, ausbilden und als Reservist einsetzen.

Bei dieser wichtigen Aufgabe spielen wiederum unsere RSU-Kompanien eine zentrale Rolle. Sie haben einen hohen Bedarf an engagierten Reservisten und bieten ein breites Betätigungsfeld. Ihre bisher gesammelten Erfahrungen in Ausbildung und Übungen befähigen sie in besonderer Weise zur Ausbildung Ungedienter.

Doch damit nicht genug. Geboten werden auch ausgezeichnete Aufstiegsmöglichkeiten zum Unteroffizier und Feldwebel Territoriale Reserve. Kompakte, modulare Lehrgänge berücksichtigen die begrenzte zivilberuflich begründete Verfügbarkeit. Sie sind der Einstieg in den Aufstieg im Territorialen Netzwerk und möglicherweise darüber hinaus.

Ich kann alle interessierten Reservisten nur ermutigen, die Bewerbung für eine Lehrgangsteilnahme beim zuständigen Beorderungstruppenteil abzugeben.

Wie sehen die nächsten Schritte der Steuergruppe aus? Wann wird die Arbeit abgeschlossen sein und welche Herausforderungen stehen noch an?

Es gilt nun, am Ball zu bleiben und alle identifizierten Handlungsfelder in eine konkrete Umsetzung zu überführen. Gleichzeitig kommen weitere Handlungsfelder hinzu, die wir in die jeweilige Arbeitsgruppe einsteuern.

Die Arbeit ist bewusst nicht mit einem zeitlichen Endpunkt versehen. Man kann es auch als einen kontinuierlichen Prozess betrachten.

Ziel ist es, die Attraktivität des Reservistendienstes zu steigern und die Fähigkeiten der Reserve insgesamt auszubauen. Wir sind auf einem guten Weg.


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Stand vom: 15.12.17 | Autor: 


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