Gut informiert im Einsatz
Euskirchen, 16.08.2006.
Einsätze in Krisengebieten, Katastrophenhilfe am anderen Ende der Welt – militärische Operationen kommen heute nicht mehr ohne ein umfassendes Lagebild aus, das auch eine Reihe von Geofaktoren mit einschließt. Geoinformationen – ein weites Feld, Landkarten mit Übersichten, Gebieten, Straßen und Flüssen, Fliegerkarten, landeskundliche Unterlagen, topografische Daten, Wetter-Charts, Raster- oder Matrixdaten. Je fundierter die Soldaten informiert sind, je detaillierter und aussagekräftiger ihre Karten sind, umso besser können sie ihren Auftrag im Einsatz erfüllen.
Der Geoinformationsdienst der Bundeswehr (GeoInfoDBw) trägt zu den Grundlagen des Auslandseinsatzes der deutschen Streitkräfte bei. Unterschiedliche Fachdisziplinen wirken in diesem Dienst zusammen. Die Experten arbeiten auf den Gebieten Biologie, Fernerkundung, Geografie, Kartografie, Klimatologie, Meteorologie und Ökologie, um nur ein paar zu nennen. Fachlich steuert die Arbeit das Amt für Geoinformationswesen, das der Streitkräftebasis angehört und zu den Versuchs- und Forschungseinrichtungen des Bundes zählt. Es ist auf 13 Standorte verteilt, die Hauptstandorte sind Euskirchen, Traben-Trarbach und Fürstenfeldbruck.
Runde Gesamtschau
Mit der Expertise aus all diesen Fachbereichen entsteht eine Gesamtschau der für Einsätze relevanten Umwelteinflüsse und ihrer Wirkung in Raum und Zeit. Der Dienst erkennt und beurteilt entscheidende Daten und bereitet sie für die Nutzer im In- und Ausland auf. An den Dienst kann sich jede Dienststelle in der Bundeswehr wenden, natürlich haben manche Kommandos, Organisationseinheiten oder Dienststellen Vorrang bei der Bearbeitung ihrer Anfragen.
Die umfangreiche Erfahrung resultiert nicht zuletzt aus den zahlreichen Informationsbeziehungen, die das Amt mit militärischen Dienststellen, ausländischen Partnern, aber auch zivilen Behörden sowie wissenschaftlichen Institutionen und Unternehmen im In- und Ausland unterhält. Ziel dabei ist, die Einsatzunterstützung so effizient wie möglich zu gestalten und in allen Phasen militärischen Handelns die notwendige Geo-Expertise bereitzustellen.
Hohe Qualität in kurzer Zeit
"Auch zu Partnerdiensten in NATO und EU stehen wir in Verbindung, um auf bereits bestehende Produkte zurückzugreifen"
, sagt der im Bereich GeoInfo-Bedarf tätige Stabshauptmann Horst Scheffler. "Häufig gibt es keine aktuellen Unterlagen, so dass wir selbst etwas produzieren müssen – ausschlaggebend ist neben dem Zeitfaktor immer die Qualität, und die ist in den vergangenen Jahren stets gestiegen, so dass mittlerweile auch die Ansprüche hoch sind."
Im Geoinformationswesen sind rund 700 militärische und 1200 zivile Mitarbeiter tätig. 320 Dienstposten sind mit Heeres- und 320 mit Luftwaffenpersonal besetzt, 125 mit Marine- und etwa 20 mit Fachpersonal aus den Bereichen Rüstung und Informationstechnologie. Den Löwenanteil stellt die Streitkräftebasis mit 1130 Mitarbeitern.
Einsatzkräfte des GeoInfoDBw unterstützen unmittelbar vor Ort in den Auslandsmissionen der Bundeswehr mit ihren Fähigkeiten: in der Vermessung, meteorologischen Datengewinnung und Beratung, in der topografischen, geologischen und landeskundlichen Erkundung sowie der Versorgung mit Karten und Daten. Speziell hierfür ist ein Teilbereich für Einsatzaufgaben geschaffen worden mit Soldaten, die alle innerhalb von wenigen Tagen ins Ausland aufbrechen können - modular und aufgabenorientiert zusammengestellt. In fast allen Einsatzkontingenten der Bundeswehr sind sie vertreten.
Breite Datenbasis
Zur mittelbaren GeoInfo-Unterstützung gehören die zentralen Fähigkeiten, die notwendig sind, alle GeoInfo-Produkte (dazu zählen neben analogen Karten auch digitale Daten und Beratungsprodukte) zu erstellen sowie zu aktualisieren, die Bundeswehr im Auslandseinsatz und im Grundbetrieb zu versorgen und Daten auch online bereit zu stellen. Die Datenbasis im Intranet wächst zunehmend auf. Interessiert sich in diesen Tagen beispielsweise jemand für den Kongo, bekommt er mit der online erhältlichen "Aktuellen Geo-Information Demokratische Republik Kongo" auf fünf Seiten eine zusammengefasste Landeskunde dieses zentralafrikanischen Landes.
Politische Informationen zu dieser Nation wie die Staatsform, Landessprachen, internationale Beziehungen, Religionen im Land, ethnische Konflikte, Bevölkerungsverteilung, wichtige Vertragsdaten internationaler Abkommen sind dort ebenso angegeben wie Lage, Größe und Grenzen des 57,5 Millionen Einwohner zählenden Landes. Auch Oberflächenformen, Gewässer, Landnutzung, Klima, Bevölkerung und Besiedlung, Wirtschaft und Verkehr sind dort einzelne Kapitel gewidmet. Eine Übersichtskarte rundet die Sammlung ab.
Direkter Draht
Die Fähigkeiten der mittel- und unmittelbaren Unterstützung sind die Voraussetzung dafür, dass die Einsatzländer direkt versorgt werden können. Ohne präzise und aktuelle Geoinformationen können moderne Führungs- und Waffensysteme nicht mit voller Wirkung angewendet werden.
Der GeoInfoDBw stellt für die entsprechenden Systeme die notwendigen Daten zur Verfügung, damit diese eingearbeitet werden können. Dazu zählen unter anderem der Radar-Satellit SAR-Lupe, der Eurofighter und der Tornado, das Transportflugzeug A 400 M, der Kampfhubschrauber Tiger, die Korvette K-130, die Fregatte F-124 oder das Projekt "Infanterist der Zukunft".



