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Hilfe für die Seele - neue Wege zum Schutz vor posttraumatischer Belastungsstörung

Köln - Wahn, 02.02.2009.
Er hat keinen Dienstgrad und kein Gesicht. Trotzdem könnte er in naher Zukunft der bekannteste Kamerad der Einsatzsoldaten der Bundeswehr werden. Sein Name: CHARLY.

CHARLY ist digital. Ein multimediales Computer-Programm, aber keines mit reinem Spaßfaktor – sondern mit Tiefgang. CHARLY soll bei der Vorbeugung von posttraumatischen Belastungsstörungen, kurz PTBS, helfen.

Die Idee ist so einfach wie die Umsetzung schwierig. Denn: wie trainiert man seine eigenen Fähigkeiten, um in künftigen Einsatzszenarien vom Stress nicht aufgefressen zu werden? Wie gelingt es einem Betroffenen, auch nach einem schwierigen Einsatz die Anspannung los zu werden um wieder schnell auf das Normalmaß zurück zu kommen?

CHARLY steht für „Chaos Driven Situations Management Retrieval System“ und ist ein multimediales Lernprogramm, das im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung von der Firma ESG und Partnern entwickelt und am Zentrum für Kampfmittelbeseitigung erstmalig getestet wurde.

Das Computerprogramm steht kurz vor seiner Einführung. Es wurde jetzt mit ersten Evaluationsergebnissen in einer Präsentation einem größeren Interessentenkreis vorgestellt.
(Lesen Sie hier dazu mehr!)

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Funktionsweise des Trainingskonzepts

Mit CHARLY erlernen die Trainingsteilnehmer den Aufbau individueller Fähigkeiten durch Verknüpfen von Wissen über die posttraumatische Belastungsstörung und praktischer Hilfen für das Selbstmanagement. Der Präventionsansatz wird mittels multimedialer Inhalte und interaktiver Lernkonzepte umgesetzt. Dabei erfahren die Trainingsteilnehmer die Zusammenhänge zwischen den erlebten traumatischen Ereignissen und ihren eigenen Stressreaktionen. Sie erkennen die typischen Symptome und Auswirkungen sowohl bei sich selbst als auch bei Kameraden und trainieren aktive Methoden zur Persönlichkeitsstärkung und zur Stressbewältigung.

Der Zusammenhang zwischen Trauma wird erklärt
Zusammenhänge veranschaulichen. (Quelle: ESG Elektroniksystem- und Logistik- GmbH )Größere Abbildung anzeigen

Gleich mehrere moderne Lernmethoden machen CHARLY zu einem leistungsfähigen Trainingssystem:

Durch die Zusammenarbeit mit Psychologen wird der aktuelle Stand der Forschung zur Posttraumatischen Belastungsstörung gut verständlich dargestellt.

Munitionsfund in einem Container
Einsatzszenario Munitionsfund. (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

CHARLY bedient sich individueller und auf die Zielgruppen zugeschnittener Einsatzszenarien. So finden sich die Trainingsgruppen in den ihnen geläufigen Umgebungen und trainieren in ihren typischen Einsatzaufgaben. Die multimediale Umsetzung sorgt dabei für die notwendige Dramaturgie.

In einem Videofilm erläutert eine Sprecherin Inhalte
Der virtuelle Coach. (Quelle: ESG Elektroniksystem- und Logistik- GmbH )Größere Abbildung anzeigen

  • Ein integrierter Video-Coach begleitet den Trainingsteilnehmer während seiner Arbeit mit dem Programm und moderiert die dargestellten Inhalte. So gelingt es, den Teilnehmer durch die direkte Ansprache über einen längeren Zeitraum zu motivieren und seine Konzentration aufrecht zu erhalten.

Mit einer Animation wird ein Gespräch mit einem Kameraden simuliert
Simulation eines Gespräches. (Quelle: ESG Elektroniksystem- und Logistik- GmbH )Größere Abbildung anzeigen

CHARLY nutzt die gesamte Bandbreite moderner multimedialer Möglichkeiten. Mit Videos, Spielen zur Stresssimulation, animierten Comics und Interaktionen mit dem Programm bleibt das Training lebendig und der Lernerfolg wird dauerhaft gesichert.

Die interaktive Software ist aber nicht das einzige Instrument. Das Softwaretraining mit CHARLY ist in einen viertägigen Trainingsansatz eingebettet: das so genannte „Blended-Training-Konzept“. Dabei wechseln sich Workshops, moderiertes Training, Nachbesprechung und Selbstlernphasen mit freien Trainingsstunden ab. Ein abschließender Seminartag dient dazu, das Gelernte für den Einsatz nutzbar zu machen und dabei mit den trainierten Methoden sicher und zuverlässig umzugehen.

In einer Art „Einsatzkoffer“ stellen sich die Nutzer die im Einsatz benötigten Materialien zusammen.

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Messung des Hautwiderstands mit zwei Fingersensoren
Biofeedback. (Quelle: ESG Elektroniksystem- und Logistik- GmbH )Größere Abbildung anzeigen

Das Softwareprogramm CHARLY

Der Programmaufbau der Software umfasst mehrere Trainingsmodule. Zudem verfügt das Programm über eine Bio-Feedback-Schnittstelle. Mit Hilfe von zwei einfachen Fingersensoren wird der Hautwiderstand des Teilnehmers in unterschiedlichen Stresssituationen gemessen. Ähnlich einem „Lügendetektor“ ermittelt aber nicht den Wahrheitsgehalt von Antworten. Für CHARLY ist der Hautwiderstand in unterschiedlichen Anspannungs- und Konzentrationssituationen wichtig. In der Ruhephase ist der Widerstand deutlich geringer, als in der Konzentration oder bei Stress. Dieses bewusst zu machen, zu visualisieren und, durch geeignetes Training beeinflussen zu lernen, ist Aufgabe der Bio-Feedback-Schnittstelle.

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Die Simulation vermittelt große Realität und motiviert die Teilnehmer
Gute Befragungsergebnisse. (Quelle: ESG Elektroniksystem- und Logistik- GmbH )Größere Abbildung anzeigen

Erste Testergebnisse stimmen zuversichtlich

Die ersten Tests mit Soldaten des Zentrums für Kampfmittelbeseitigung sind vielversprechend. Es gelang, das Wissen und die Sensibilität für das schwierige Thema deutlich zu erhöhen und die Fähigkeiten zur Stressbewältigung erheblich zu steigern.

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Realitätsnahe Darstellung ist ein unbedingtes Muss

Die realitätsnahe Ausgestaltung der Trainingssoftware ist eine unverzichtbare Voraussetzung, um bei den Trainingsteilnehmern die notwendige Akzeptanz zu bekommen. Auch zukünftig werden Soldaten der Streitkräftebasis die Weiterentwicklung von CHARLY nachhaltig unterstützen.
PTBS ist eine anerkannte Krankheit, die jeden treffen kann. Ein klarer Auftrag für CHARLY.

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