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Oberstleutnant Michael Euler: „Der schönste Beruf der Welt“ Bandleader der Big Band der Bundeswehr

Warendorf, 28.06.2006.
Seit fast 35 Jahren besteht die Big Band der Bundeswehr. Oberstleutnant Michael Euler (41) ist der vierte Bandleader. Noch immer ist die Band ein "Aushängeschild" für die Bundeswehr, wie das Segelschulschiff "Gorch Fock", ein Sympathieträger.

Fragt man nach der Gründung der Band, muss man weit zurückgehen. 1970, Helmut Schmidt war damals Verteidigungsminister, wollte neuen Schwung in den Bereich der Militärmusik bringen. Der Musikfreund Schmidt, der selbst Orgel und Klavier spielt, beauftragte damals Günter Noris, das 21. Musikkorps der Bundeswehr aufzustellen. 1971 ging der damalige Jazzpianist und musikalische Leiter Günter Noris mit 23 Soldaten in "Trainingslager" – und heraus kam die Big Band der Bundeswehr.

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Bekannt geworden durch die Olympischen Spiele

Mit der Eröffnungsfeier der XX. Olympischen Spielen 1972 in München wurde die Big Band der Bundeswehr weltberühmt. Der unnachahmliche Sound trug dazu bei, von der heiteren Eröffnungsfeier in München zu sprechen.

Nach Günter Noris folgte im Oktober 1983 Major Heinz Schiffer. Ab April 1991 schwang Hauptmann Robert Kuckertz den Taktstock und seit Oktober 2001 prägt Oberstleutnant Michael Euler den Sound der Big Band. Obwohl jeder Bandleader seine eigenen Nuancen in die Big Band einbracht hat, blieb über Jahrzehnte ein Ziel erhalten: Ein swingendes Orchester, das einen ganz eigenen Sound hat und oft in diplomatischer Mission die Bundesrepublik und nach der Wiedervereinigung Deutschland vertreten hat.

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Die Bühne ist von roten Scheinwerfern erleuchtet, im Vordergrung Oberstleutnant Euler, im Hintergrund sieht man auf einer Leinwand die Sängerin Bwalya.Lupe
Tolle Lichteffekte, Videoleinwände: so präsentiert sich die … (Quelle: Gerd Kebschull)

Euler startete seine Karriere am Klavier

Michael Euler wurde 1964 in Troisdorf geboren, spielte früh Klavier, besuchte die Rheinische Musikschule in Köln und startete seine musikalische Karriere 1983 als Klavierbegleiter im Ausbildungsmusikkorps in Hilden (bei Düsseldorf). Ein Jahr später schon das Kapellmeisterstudium an der Robert-Schumann-Musikhochschule in Düsseldorf.

Nach dem Kapellmeisterexamen folgte die erste Verwendung als zweiter Musikoffizier im Heeresmusikkorps 300 in Koblenz. Weitere Stationen waren Leiter des Kammerorchesters, stellvertretender Chef vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr sowie Leiter des Gebirgsmusikkorps 8 bevor er 2001 die Leitung der Big Band der Bundeswehr übernahm.

Gibt es eine Steigerung, wenn man einmal die Big Band der Bundeswehr geleitet hat? „Nein, dass ist irgendwie schon ein Höhepunkt. Die Big Band ist das letzte große Showorchester europaweit“, sagt Euler, „natürlich ist es ein Höhepunkt mit diesen professionellen Musikern und diesem Bühnenteam zu arbeiten.“

Er würde gern mal wieder international agieren und schwärmt von einer Tournee durch die baltischen Staaten. „Wir waren in den letzten Jahren nicht im Ausland“, bedauert der Bandleader, „das ist leider etwas weniger geworden.“ Auf der Auslandreise waren sie ein großer Sympathieträger. „Wir werden mit großen Augen bestaunt“, freut sich Euler, „und wir haben gespürt, die Menschen sind stolz, das wir für sie spielen.“

Für den Chef der Big Band ist es wichtig zu vermitteln, dass die Musiker Spaß haben auf der Bühne. Nur so kann man den Funken zum Überspringen bringen. „Unser Job ist es, den Menschen Freude zu bereiten“, bringt Euler es auf den Punkt, „wir haben den schönsten Beruf der Welt.“

Oberstleutnant Michael Euler läßt seinen Künstlern auch musikalische Freiräume. Eine Bach-Interpretation will eigentlich so gar nicht in das Repertoire einer Big-Band passen. Aber so, wie die vier Solisten das Stück spielen, es interpretieren und das Thema dann an das Orchester geben, um es dann wieder auf den Ursprung zurück zu führen, das ist ein musikalisches Kunstwerk, ein Ohrenschmaus. „Das kann nicht jeder“, sagt ein Zuhörer beim Konzert in Warendorf.

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Soldaten bauen die Kulisse und technische Ausrüstung auf der Bühne auf.Lupe
Die Techniker beim Aufbau des Equipments (Quelle: Gerd Kebschull)

Die Big Band bei den Bw-Olympix

Auftritte vor jugendlichen Zuhörern wie auf den Bw-Olympix, sind etwas besonderes? „Vor so vielen Jugendlichen zu spielen, ist eine große Herausforderung“, erklärt Euler, „wir müssen die Leute an unsere Musik heranführen. Aber wir wissen, jedes Musikstück ist für sich ein Highlight.“ Michael Euer muss los. Der schlanke Musiker in seiner schneeweißen Marineuniform freut sich auf diesen Auftritt. Gleich springt er auf die Bühne, non-stopp werden etwa 18 Stücke gespielt. Das ist auch eine körperliche Herausforderung. Denn der Bandleader dirigiert nicht nur, sondern peitscht mit seinem Klatschen das Publikum an, tanzt auf der Bühne – ist ständig in Bewegung. „Ladies and Gentlemen, die Big Band der Bundeswehr unter der Leitung von Oberstleutnant Michael Euler...“, wird der Bandleader angekündigt. Endlich geht es los. Euler braucht keinen Taktstock. Mit den Händen, dem ganzen Körper setzt er die Akzente. Nach wenigen Minuten bilden sich die ersten Schweißperlen auf der Stirn. Euler gibt den Takt auch an das Publikum weiter. Die Kids sitzen auf dem Fußboden der Sporthalle. Aber nicht mehr lange, dann springen sie auf, klatschen, tanzen und schon bald wiegen sich 3000 Arme im Takt der Big Band der Bundeswehr. Wieder einmal geschafft. Eigentlich wie immer. Aber jedes Mal ist es etwas Besonderes. Halt der „schönste Beruf der Welt.“

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Stand vom: 23.11.2006 | Autor:

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