Die Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr - Deutschlands einzige militärische Hundeschule
Ulmen/Koblenz, 17.05.2005.
Durch die vielseitigen neuen Aufgaben der Bundeswehr, insbesondere im Auslandseinsatz, ist der Bedarf an Spezialhunden deutlich gestiegen. Mit Erkenntnissen aus langjähriger praktischer Erfahrung sowie aus theoretischer Forschung werden diese hoch sensiblen Tiere in der Schule für Diensthundewesen ausgebildet. Dabei reicht ihr Einsatzspektrum nach Beendigung der Ausbildung von der Gefahrenabwehr durch die Erschnüffelung von Sprengstoffen und anderen Kampfmitteln bis hin zum Retten von Verwundeten aus unwegsamen Gelände.

Die Ausbildung
Intensives Training ist die wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Mensch und Tier. In den ersten Lebenswochen wird der Welpe für seine Aufgabe „geprägt“ und eine enge Bindung zum Hundeführer aufgebaut, der sich von seinem Schützling auch nach Feierabend nicht trennt. In der sogenannten Modulausbildung wird an die vierzehnwöchige Grundausbildung direkt die Spezialisierung angeschlossen. Diese dauert bis zu 21 Wochen und gewährleistet, dass der Hund in verhältnismäßig kurzer Zeit optimal auf seine zukünftige Aufgabe vorbereitet wird. Wesentliche Fortschritte in der angewandten Verhaltenskunde haben darüber hinaus die Möglichkeit eröffnet, gelehrige Tiere durch ein geschicktes Ausnutzen ihres Spiel- und Beutetriebs zu Höchstleistungen zu motivieren.

Jedoch nicht alle vierbeinigen Kandidaten sind den hohen Anforderungen gewachsen. Erst nach einer gründlichen Prüfung der Gesundheit und des Charakters ist das Tier einsatzbereit. Dabei werden die spezifischen Eigenschaften der verschiedenen Rassen berücksichtigt. Während belgische und deutsche Schäferhunde vielseitig verwendbar sind, tun sich Vertreter der Labrador-Rasse durch ihr ruhiges und ausgeglichenes Wesen besonders beim Aufspüren von Minen hervor. Um den strengen Auswahlkriterien gerecht zu werden und gleichzeitig einer zunehmenden Nachfrage zu begegnen, hat die Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr im Herbst 2003 mit einer eigenen Zucht begonnen. Ferner entstand im ehemaligen Munitionsdepot Ulmen in der Nähe von Cochem an der Mosel eine einzigartige Trainingsanlage, welche durch den Aufbau verschiedener Übungsszenarien, wie einer Gleisanlage, Kfz-Halle oder einem unübersichtlichen Kanalisationssystem, die idealen Ausbildungsbedingungen bietet.

Nicht mehr wegzudenken
Gemäß der Diensthundeprüfungsordnung der Bundeswehr (DPOBw) werden die Leistung der Tiere und ihrer Ausbilder jedes Jahr wieder überprüft. Dabei müssen Gehorsam, Bindung und Vertrauen der Hunde an den Menschen überzeugend demonstriert werden. Die hohe Qualität der Ausbildung hat sich in den inzwischen weit über 1000 Einsätzen der Spürhundeteams im In- und Ausland bewährt. Dabei haben die Diensthunde ihre wertvollen Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis gestellt und sicherlich werden die fleißigen Vierbeiner auch in Zukunft nicht mehr aus der Arbeit der Bundeswehr wegzudenken sein.

Die Grundlagen der Ausbildung
Seit Anfang der 80er Jahre konnte die Ausbildung von Spezialhundeteams durch wesentliche Fortschritte der angewandten Verhaltenskunde deutlich verbessert werden. Zum Beispiel kann die Motivation geeigneter Spürhunde durch geschickte Ausnutzung des Spiel- und Beutetriebes weitaus besser gewährleistet werden, als dies früher durch Nutzung des Ernährungstriebes – Bestätigung durch kleine Futtergaben – möglich war.

Teamwork Mensch und Hund
So kann in der Regel heute mehrere Stunden mit einem Spürhundeteam gearbeitet werden. Die Ausnutzung der Prägungsphase des Welpen insbesondere zwischen der dritten und zwölften Lebenswoche hat dazu geführt, dass sie unumkehrbar auf ihr späteres Verhalten in bestimmten Situationen "geprägt" werden. Wenn dieser Zeitraum geschickt ausgenutzt wird, so ist das Aufspüren von Sprengstoff unter verschiedensten Umweltbedingungen für den Hund eine selbstverständliche Angelegenheit und somit eher ein Spiel als eine Arbeitsbelastung. Früher wurde der Spürhund zur aktiven Anzeige des Fundortes durch Scharren oder Bellen gebracht. Heute geht es wesentlich um die sichere "passive" Anzeige. Das bedeutet, dass der Spürhund sich ruhig vor den Fundort hinsetzt, ohne diesen vorher zu berühren.

Die Schule für Diensthundewesen im Rückblick
Die Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr in Ulmen widmet sich seit Jahren erfolgreich der Ausbildung von vierbeinigen Spezialisten. Sie werden als Kampfmittel- und Personenspürhunde eingesetzt und unterstützen die Soldaten im Einsatz. Sie stellt die zentrale Ausbildungseinrichtung für Diensthunde und Diensthundeführer in der Bundeswehr dar, wo es eine Vielzahl von Bedarfträgern gibt.

Die Ausbildung der Kampfmittelspürhunde in der Bundeswehr geht auf eine Initiative aus dem Jahr 1996 zurück. Es setzte sich zu dieser Zeit die Erkenntnis durch, dass der traditionell ausgebildete Wachbegleithund den Anforderungen eines neuen Einsatzspektrums der Bundeswehr so nicht mehr erfüllte. Mit Beginn der Auslandseinsätze wuchs über Nacht der Bedarf an Diensthunden an.

Ausbildung erweitert
So wurde die Ausbildung des Wachbegleithundes durch die Ausbildung zum Sicherungs-, Sprengstoff- und Rauschgiftspürhund ergänzt. Die Erprobung dieser neu ausgebildeten Diensthunde ließ nicht lange auf sich warten und bereits ein Jahr später erfolgten die ersten Auslandseinsätze. 1999 gab es eine noch weitergehende Ergänzung der Ausbildung der Diensthunde, die den militärischen Anforderungen Rechnung tragen sollte, Minen anzuzeigen, die dann von Fachpersonal entschärft werden können.

Von Koblenz nach Ulmen
Im gleichen Jahr fiel die Entscheidung, vier Züge der Fallschirmjägertruppe mit Diensthunden auszustatten. 2000 war das Jahr des Einsatzes der Sicherungs- und Spezialhunde im Kosovo und auch der Beginn für die Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr für die Ausbildung der Kampfmittel- und Personenspürhunde. Dieser Aufwuchs an Aufgaben ist auch der Grund für den Umzug der Schule von Koblenz nach Ulmen. Im ehemaligen Munitionsdepot Ulmen kann die vorhandene Infrastruktur optimal genutzt werden. So wurden beispielsweise die Munitionsbunker in ein Ausbildungszentrum für Spezialhunde umgebaut.












