Cash for Work – Mit der Angst im Nacken Träume verwirklichen
Chahar Darreh, Afghanistan, 01.02.2010.
Die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt. Dunst umgibt die „Höhe 431“, als rund zwei Dutzend afghanische Arbeiter aus einem nahegelegenen Dorf eintreffen. Die Meisten freuen sich über den einträglichen Job bei der ISAF – doch bei manchem ist auch Unbehagen spürbar.

Noch im vergangenen Monat wurde hier, etwa sieben Kilometer westlich des Feldlagers Kunduz, gekämpft. Charah Darreh ist jener Unruhedistrikt, in dem es immer wieder zu Gefechten zwischen Aufständischen und den afghanischen Sicherheitskräften sowie der Bundeswehr kommt.
Ein Mindestmaß an staatlicher Ordnung zu etablieren – das ist das Ziel der afghanischen Sicherheitsbehörden und von ISAF. Die Bevölkerung soll eine spürbare Verbesserung erfahren, von der Last der terroristischen Bedrohung durch die Taliban befreit werden. Die Menschen glauben zwar mehrheitlich nicht mehr an einen Sieg der Taliban, hat es den Eindruck, aber sie glauben eben auch noch nicht völlig an den Erfolg der anderen Seite.

Für eine bessere Infrastruktur
Seit Wochen sind auf der „Höhe 431“ auch deutsche Soldaten auf einem Außenposten eingesetzt. Feldbett, Gaskocher und behelfsmäßiger Wetterschutz. Die Männer sehnen die ersten Sonnenstrahlen des Tages herbei. Heute soll die Stellung im Bereich der „Höhe 431“ unter der Leitung von CIMIC (Zivil-Militärische Zusammenarbeit) mit Hilfe der einheimischen Arbeiter ausgebaut werden.
Auf der Baustelle herrscht gute Stimmung. Die afghanischen Arbeiter gehen mit Schwung an die schwere körperliche Arbeit. Kapitänleutnant Reiner M. vom CIMIC-Team erläutert: „Das Projekt ist für die afghanischen Bauern, die hier als Tagelöhner arbeiten, in verschiedener Hinsicht von Vorteil: Sie sorgen durch ihre Arbeit für ein sicheres Umfeld, indem sie die Infrastruktur für die Bundeswehr und die örtliche Polizei verbessern. Zudem kann man zehn US-Dollar am Tag verdienen.“

Wünsche erfüllen
Insgesamt 60 Bauarbeiter werden an vier Bautagen von diesem Projekt profitieren. Aus Angst vor Übergriffen durch die Taliban wollen die afghanischen Männer zunächst kein Interview geben. Doch dann redet ein mutiger Mann:
„Mein Name ist Mohammad [Name durch die Redaktion geändert],
ich bin 36 Jahre alt und komme aus einem Dorf in der Nähe. In unserem Dorf leben 25 Familien, dass sind etwa 300 Einwohner. Den Lebensunterhalt für meine Frau, die zwei Söhne im Alter von zwei Monaten und sieben Jahren sowie drei Töchter im Alter von vier, neun und elf Jahren verdiene ich wie alle meine Vorfahren und alle anderen aus unserem Dorf, als Bauer. Wir hatten 2009 eine gute Ernte, so dass die Versorgung meiner Familie ausreichend war. Es bestand aber keine Möglichkeit, irgendwelche Anschaffungen zu tätigen oder gar besondere Wünsche zu erfüllen.
Die Nachricht über das „Cash for Work“-Projekt nahe unserem Dorf erhielt ich durch CIMIC. Nach langer Zeit haben sie uns auf Grund der verbesserten Sicherheitslage wieder besucht. Fast alle Einwohner sind sehr glücklich, dass wir für ISAF arbeiten können, um uns so einige der Wünsche erfüllen zu können, die sonst unerreichbar wären.
Meine Familie wollte sich vor dem letzten Opferfest neu einkleiden, doch unsere finanzielle Lage lies es einfach nicht zu. Solche und ähnliche Wünsche, meiner und der anderen Familien unseres Dorfes, können nun erfüllt werden.
Dennoch muss ich deutlich sagen, dass sich alle die hier für ISAF arbeiten einer großen Gefahr aussetzen. Falls die Taliban erfahren sollten, dass wir hier gearbeitet haben, werden sie uns sicher dafür bestrafen. Das ist auch der Grund dafür, warum einige aus unserem Dorf nicht bereit waren, an dem Projekt teilzunehmen. Wir hoffen, dass sich die Sicherheitslage weiter verbessert und wir viele weitere Projekte in Chahar Darreh durchführen. Ich und die anderen 22 Einwohner unseres Dorfes die hier arbeiten danken für die Unterstützung und hoffen auf eine bessere, friedlichere Zukunft für uns und unsere Familien.“
Bilder
Unterschlupf. (Quelle: Bundeswehr/ Pressestelle Kunduz)
Größere Abbildung anzeigenVerpflegung. (Quelle: Bundeswehr/ Pressestelle Kunduz)
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