SALIS – Eine Übergangslösung, die funktioniert
Leipzig, 09.04.2010.
„Mit dem Projekt SALIS haben wir die Möglichkeit schnell schwerste Güter in die entlegensten Winkel der Erde zu bringen“, sagt Hauptmann Marc Decker, der erst vor kurzem Fahrzeuge des Heeres ins Outback von Australien brachte. Das deutsche Heer erprobte dort neue Rüstungsprojekte im extremen Klima. Aber vor der Erprobung der Fahrzeuge mussten die zwei Flugzeuge des Typs Antonov noch 44 Stunden einmal um die ganze Welt fliegen.
In Zukunft wollen die Nationen der NATO und der EU Lastwagen, gepanzerte Gefechtsfahrzeuge, Hubschrauber, aber auch Frachtcontainer und Sondermaterial wie Wohncontainer mit dem Airbus A400 M transportieren. Zurzeit ist dieser aber noch nicht an die Bundeswehr ausgeliefert und die Transportkapazität des Vorgängers vom Typ Transall reicht nicht immer aus.

Deswegen beschlossen die Nationen, mit der Übergangslösung SALIS diese Fähigkeitslücke zu schließen. Anfang 2006 schloss die NAMSA im Auftrag von Kanada und 17 europäischen Staaten, darunter Großbritannien, Frankreich und Deutschland, einen Vertrag mit einem zivilen Unternehmen, der Ruslan SALIS GmbH. Mit diesem Vertrag haben die beteiligten Nationen eine Anzahl jährlicher Flugstunden erworben, die sie im Rahmen ihrer strategischen Planungen einsetzen können. Dafür stehen bis zu sechs Antonovs AN-124-100 zur Verfügung.
Zwei von ihnen stehen am Flughafen Leipzig-Halle innerhalb von 72 Stunden für nationale und multinationale Aufgaben bereit. Auf weitere vier Maschinen haben die Staaten in sechs beziehungsweise neun Tagen einen gesicherten Zugriff. Deutschland kann 1.500 Flugstunden mit diesen Flugzeugen nutzen.

Ein Gigant der Lüfte
Die fliegenden Güterzüge haben einen riesigen Laderaum, in dem sie bis zu 120.000 Kilogramm Nutzlast transportieren können. Das entspricht dem Gewicht von 30 ausgewachsenen Elefanten. Mit einer Spannweite von 73 Meter – ungefähr die Breite eines Fußballfeldes – und einer Höhe von zwanzig Metern ist die Antonov eines der größten Transportflugzeuge überhaupt. Mit zwei bordeigenen Portalkränen kann der Gigant der Lüfte ohne externe Hilfsmittel schnell be- und entladen werden. Zudem kann der vordere Teil der Nase nach oben aufgeklappt und der Laderaum abgesenkt werden. Die Antonov frisst die Güter quasi auf. Außerdem lässt sich auch das Heck der Maschine öffnen, so dass auch vom hinteren Teil eine Beladung möglich ist.

In die entlegensten Winkel der Erde
Selbst voll beladen besitzt die Antonov immer noch eine Reichweite von fast 5.000 Kilometern – ungefähr die Strecke von Leipzig nach Kabul. Aber sie kann auch noch weiter fliegen. So transportierte das Logistikzentrum der Bundeswehr mit Unterstützung des Logistikbataillons 171 gepanzerte Fahrzeuge des Typs Boxer GTK mit dem zugehörigen Equipment nach Australien. Zwei Antonov wurden am Flughafen Leipzig beladen und beförderten die Boxer in die australische Küstenstadt Adelaide.

44 Stunden reine Flugzeit und zwei Zwischenlandungen in Pakistan und Indonesien waren nötig, um die Fahrzeuge nach Australien zu bringen. In einem Passagierbereich, der oberhalb des Frachtraumes liegt und nur über eine kleine Klappleiter zu erreichen ist, flogen Frachtbegleiter der Bundeswehr in der Antonov selbst mit. Die Besatzung des Flugzeuges hat dort ihre Kabinen. Eine kleine Küche und Toiletten gibt es zusätzlich. „Allerdings fehlt das Unterhaltungsprogramm wie in einem zivilen Flugzeug“, sagt Hauptmann Marc Decker, der für die Koordinierung des Transportes mitverantwortlich war. Auch für Essen an Bord ist gesorgt. Das müssen sich die Frachtbegleiter allerdings selber warm machen.

Am 2. Februar 2010 landete die erste Antonov auf dem zivilen australischen Flughafen Adelaide. Die anderen Soldaten flogen 22 Stunden mit einer zivilen Maschine über Singapur nach Australien. „Aber auch dieser Flug ist sehr anstrengend“, so Decker, „denn auch in einer Boing 747 gibt es nicht sehr viel Platz“.

Auf der Straße ins Outback
Nach der Landung der zweiten Antonov am 6. Februar wurde das transportierte Erprobungsmaterial am Flughafen mit Hilfe einer australischen Spedition auf Tieflader verladen. „Die Zusammenarbeit zwischen unserer Umschlagleitgruppe und den Australiern hat sehr gut funktioniert“, so Decker. Auf die australischen Trucks verladen, wurde das Großgerät in das 500 Kilometer entfernte Woomera per Straßentransport befördert. Die zwei Antonovs traten währenddessen wieder ihren Heimflug nach Leipzig an. Der nächste Transportauftrag für die Maschinen wartet schon.
Bilder
Auf der Straße ins Outback. (Quelle: Logistikzentrum der Bundeswehr/ Decker)
Größere Abbildung anzeigenAus dem Flugzeug auf den Truck. (Quelle: Logistikzentrum der Bundeswehr/ Decker)
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