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Völkerverständigung in Oberammergau

Oberammergau, 02.01.2008.
Wir haben hier die beste Möglichkeit, internationale Sicherheitsfragen anzusprechen und zu diskutieren“, sagt Gazmend Turdiu. Der albanische Botschafter in Deutschland ist für einen Tag extra aus Berlin angereist, um zur Sicherheitslage auf dem Balkan zu sprechen. „Die NATO Schule gehört weltweit zu den führenden Akademien im Bereich internationaler Sicherheit“, sagt der Botschafter weiter, „hier treffen Sie die Personen, die vor Ort Sicherheit garantieren und schwierige Entscheidungen treffen müssen.

Der albanische Botschafter weiß wovon er spricht, denn auch sein Land schickt Offiziere und Unteroffiziere zu Lehrgängen an die Ausbildungseinrichtung am Fuße der Alpen. Ob NATO, Partnership for Peace (PfP), Mittelmeerdialog oder andere Formen der Zusammenarbeit, die NATO-Schule hat sich der weltweiten Sicherheit im Rahmen der Völkerverständigung verpflichtet. „Wir sind die einzige internationale Ausbildungseinrichtung, die operative militärische Prinzipien nicht nur theoretisch vermittelt“, sagt Colonel James J. Tabak, Kommandeur der NATO Schule. Über 10000 Kursteilnehmer erfahren die multikulturellen und multinationalen Ausbildungsinhalte jedes Jahr in Oberbayern. „Uns ist wichtig, dass die Studenten nicht aus ihren praktischen Tätigkeiten herausgerissen werden und mit noch mehr Theorie konfrontiert werden“ sagt der Oberst der US Marines, „daher sind die Kurse auch auf maximal zwei Wochen begrenzt.

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Colonel James J. Tabak, Kommandeur der NATO Schule
Colonel James J. Tabak, Kommandeur der NATO Schule (Quelle: NATO School)Größere Abbildung anzeigen

Weiterbildung auf hohem Niveau

Hochrangiger Besuch ist an der „NATO SCHOOL“ nichts Außergewöhnliches. Führungs- und Spitzenkräfte aus NATO, Vereinten Nationen, Rotem Kreuz, OSZE oder dem diplomatischen Korps geben sich in Oberammergau die Klinke in die Hand. Dabei geht es der NATO Schule nicht nur darum, Vorträge von hochkarätigen Referenten an Spitzenmilitärs zu vermitteln. „Unser Kursangebot reicht vom Feldwebel bis zum General“, sagt Oberst i.G. Wilhelm Bernhard Vitzthum, „wichtig ist uns dabei die internationale Ausrichtung der Lehrgänge.“ Vitzthum ist stellvertretender Kommandeur der bilateral-amerikanisch/deutsch - geführten Schule und damit höchster deutscher Soldat in Oberammergau. Er und alle Angehörigen des deutschen Anteils gehören zum Organisationsbereich der Streitkräftebasis. „Viele deutsche Unteroffiziere erfahren Internationalität erst im Einsatz und haben es schwer, da sie sich NATO-Verfahren und Arbeitsabläufe erst einmal durch „Learning by Doing“ erarbeiten müssen.“ Ein Besuch an der NATO Schule kann diese Schwierigkeiten vermeiden. Insgesamt 80 ein- bis zweiwöchige Kurse bietet die Ausbildungseinrichtung in den unterschiedlichsten Fachgebieten an. Schwerpunkt dabei ist die Weitervermittlung von Erfahrungen aus den Einsätzen im transatlantischen Bündnis. „Durch ständigen Kontakt und Personalaustausch mit Personal aus den Einsatzländern verfügen wir hier über hoch aktuelle Erfahrungswerte aus der Praxis vor Ort“, sagt der stellvertretende Kommandeur der Schule.

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Einsatzorientiert

"In Kombination mit ausgewählten Referenten, die teilweise direkt aus den Einsätzen zu uns kommen, können wir die Lehrgangsteilnehmer optimal auf ihren Einsatz vorbereiten.“ Dass es bei solchen Vorbereitungskursen auch zu positiven Nebeneffekten kommt, von denen sowohl die NATO Schule, als auch die Lehrgangsteilnehmer profitieren, ist durchaus gewollt. „Bei unseren PRT-Vorbereitungskursen für Afghanistan können sich Angehörige der verschiedenen nationalen Teams schon vorab kennen lernen, was ihnen im Einsatz zu Gute kommt“, sagt der Oberst weiter. Unterschiedliche Arbeitsweisen, Einsatzschwerpunkte und Kontaktdaten können auf diese Weise ausgetauscht werden. „Es erleichtert die Arbeit vor Ort natürlich ungemein, wenn man weiß, wer im Nachbarsektor der Partner ist und wie dort die Einsatzschwerpunkte sind“, sagt Vitzthum. Aber auch die Schule selbst lernt von den Lehrgangsteilnehmern. So geben Südkoreaner, Australier oder Schweden, deren Länder nicht NATO-Mitglied sind, sich aber an internationalen Missionen beteiligen, Einblick in ihre Erfahrungen. „Wir denken immer in vernetzter Sicherheit und vernetzter Ausbildung“, sagt Oberst Vitzthum weiter, „denn hier kann man Kontakte knüpfen, die bei der praktischen Arbeit von großem Nutzen sind.“ Ob man mit dem australischen Kampfmittelräumdienst Erfahrungen aus Afghanistan oder dem Irak austauscht oder schwedische Eindrücke des UN-Militärbeobachter Einsatzes entlang der indisch-pakistanischen Grenze erfährt, an der NATO-Schule wird den Kursteilnehmern einiges geboten.

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Das Gebäude der NATO Schule
Das Gebäude der NATO Schule. (Quelle: NATO Schule)Größere Abbildung anzeigen

Ausbildung nach internationalen Vorgaben

Wir können bei der Ausbildung unserer Studenten auf ausgewiesene Experten zurückgreifen“, sagt Colonel Tabak. Der Kommandeur ist sichtbar stolz auf die Liste seiner Gast- und Fachreferenten. „Für unsere PRT-Ausbildung lassen wir extra die entsprechenden Kontaktpersonen der UN-Mission in Kabul und der zivilen Wiederaufbauprojekte aus Afghanistan einfliegen oder wir entsenden eigenes Personal, zum Beispiel nach Afghanistan, um an die neuesten Informationen zu gelangen“ So erhalten die Kursteilnehmer Einblick in laufende Projekte und lernen vorher ihre entsprechenden Kontaktpersonen kennen. Die Lehrvorgaben erhält die Schule vom NATO Kommando für Transformation (ACT) aus Norfolk in Virginia/USA. „Wir hatten in der Bundeswehr ja gedacht, Transformation wäre ganz was Neues“, sagt Oberstabsfeldwebel Manfred Klimek, deutscher Presseoffizier der NATO-Schule, „aber in Norfolk wird die stetige Veränderung schon seit langem vorangetrieben.“ In den Lehrplan fließen allerdings nicht nur Ergebnisse und Erfahrungen aus den Einsätzen ein, auch politische Entwicklungen von NATO oder UN werden berücksichtigt. „Auf der nationalen Schiene wird der Ausbildungsbedarf des eigenen Personals angemeldet“, sagt Klimek weiter. „Wenn eine Nation feststellt, dass ihre Soldaten Ausbildung zu bestimmten internationalen Themen benötigen, kann sie das über das ACT auf den Lehrplan setzen lassen, je nach Einfuß an der NATO Schule versteht sich oder wir senden bei entsprechender Teilnehmerzahl ein mobiles Ausbildungsteam direkt in das Land des Antragstellers.

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Teilnehmer einer Lehrveranstaltung
Teilnehmer einer Lehrveranstaltung. (Quelle: NATO Schule)Größere Abbildung anzeigen

Breites Spektrum

Die fast 80 Kurse für die über 10.000 Studenten werden durch das Academic Department, dem Herzstück der NATO Schule in die Praxis umgesetzt. Hier werden in vier verschiedenen Bereichen Kurse angeboten. Das Policy Department organisiert Grundsatzkurse für höhere Führungskräfte, während das Weapons of Mass Destruction Department alles rund um ABC-Abwehr, Massenvernichtungswaffen und medizinischer Planung und Analyse anbietet. Kurse für NATO-Einsätze und Missionen sind im Joint Operations Department genauso zu finden wie im Intelligence, Surveillance, Target Acquisition Department and Reconnaissance (ISTAR) Department, wo auch der PRT ISAF Kurs angeboten wird. Daneben stehen Colonel Tabak neben seiner Command Group mit Protokoll-, Presse- und Rechtsabteilung auch die militärischen Führungselemente in einem internationalen und teilstreitübergreifenden Stab (combined & joint) von CJ1 bis CJ8 zur Verfügung. Der „Dreier Bereich“ der aktuellen Operationen ist dabei ausgegliedert und findet sich im Academic Department unter Current Operations wieder, da die Schule ausschliesslich Aus - und Weiterbildung betreibt. Moderne Hörsäle und Konferenzräume bieten den Studenten Technik und Komfort vom feinsten. Mikrofone und ein digitaler Arbeitsplatz während der Kurse und Vorträge gehören zur Selbstverständlichkeit. Einzigartig ist auch das Freizeit- und Betreuungsangebot der Schule. Hauptamtliche Mitarbeiter der Community Recreational Activities kümmern sich nicht nur um das Wohl der Lehrgangsteilnehmer sondern stellen auch die Versorgung und Integration der fast 500 Personen zählenden „Community“ des multinationalen Stammpersonals und ihrer Familien aus derzeit 26 Nationen sicher. „Die schnelle und unbürokratische Integration ist hier einer der wichtigsten Aufgaben“, erklärt Oberstabsfeldwebel Klimek, „bereits zwei Wochen nach Ankunft in Deutschland sind oft hoch qualifizierte Ehepartner von der NATO Schule engagiert und bieten Sprach-, Fitness oder Literaturkurse, oft auch ehrenamtlich, zur Weiterbildung an.“ Eine Familienintegration, von der die Bundeswehr sicherlich auch ein Stückchen lernen kann findet der Oberstabsfeldwebel. „Leider werden an der NATO Schule keine Lehrgänge in der professionellen Familienbetreuung angeboten.

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Ranghöchster deutscher Vertreter: Oberst Vitzthum
Ranghöchster deutscher Vertreter: Oberst Vitzthum. (Quelle: NATO Schule)Größere Abbildung anzeigen

Die deutsche Position vermitteln und stärken

Als ranghöchster deutscher Vertreter repräsentiert Oberst Vitzthum auch die deutsche Position. „Ich möchte natürlich Verständnis für unsere deutschen Vorstellungen und Vorgehensweisen vermitteln.“ Gleichzeitig möchte der deutsche stellvertretende Kommandeur aber auch für eine breitere Akzeptanz der NATO Schule werben. „Die Aufgaben der Bundeswehr konzentrieren sich in den internationalen Auslandseinsätzen“, sagt Oberst Vitzthum, „Kenntnis und Verständnis der NATO-Verfahren sind daher für alle Bundeswehrsoldaten unabdingbar, da sie Grundsatz in den Auslandseinsätzen sind.“ Doch die NATO Schule erfährt im nationalen Rahmen nicht die Anerkennung die sie eigentlich verdient. Beispielsweise ist für viele deutsche Soldaten flüssiges Englisch immer noch ein Problem, das durch richtige Ausbildungsinhalte und Schwerpunkte beseitigt werden könnte. Ohne Englisch ist an internationale Zusammenarbeit nicht zu denken. Das erfahren die deutschen Studenten in Oberammergau spätestens, wenn ihre Kameraden aus Litauen, Polen oder Rumänien mittlerweile in akzentfreiem Englisch Präsentationen und Gruppenvorträge halten. In Oberammergau treten die Soldaten als Repräsentant ihrer eigenen Nation auf und werden gleichzeitig als Botschafter für den internationalen Einsatz ausgebildet. „Die NATO Schule bietet daher die Möglichkeit, eigene Soldaten fit für den Einsatz zu machen und gleichzeitig deutsche Eindrücke an die internationalen Studenten zu vermitteln.“ Schließlich ist für viele ausländische Gäste das Auftreten des deutschen Personals an der Schule oft das einzige, was sie von Deutschland erfahren. Kaputte Autos oder ausgeblichene Feldanzüge kann sich Wilhelm Bernhard Vitzthum bei seinem Personal und seiner Ausrüstung daher nicht erlauben, wenn Kursteilnehmer aus Argentinien oder Referenten aus dem UN-Hauptquartier vom Münchener Flughafen abgeholt werden. Erst sehr langsam wird die Bedeutung der Schule und ihrer Einflussmöglichkeiten nicht nur von der Politik und den Medien erkannt. Wo sonst kann man auch einmal kontrovers über deutsche und andere nationale Vorgehensweisen in Afghanistan mit den direkt Betroffenen diskutieren.

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Stand vom: 03.01.2008 | Autor:

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