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Interview mit Diensthundeführer Stabsfeldwebel Thomas Marcinkowski

Stabsfeldwebel Thomas Marcinkowski aus der Mainzer Kompanie des Feldjägerbataillons 251 ist Diensthundeführer – und das bereits seit zehn Jahren. Doch wenn er im Einsatz ist, dann nie alleine – immer mit dabei sind seine Hunde Ex und Mira.

Ein Soldat mit einem Hund

Ein schlagkräftiges Duo. (Quelle: PIZ SKB/Bier)Größere Abbildung anzeigen

Herr Stabsfeldwebel, wie wird man denn eigentlich Diensthundeführer?

Ich denke, in dem man einfach Interesse sowohl an dem Beruf als auch an Hunden hat. Vor allem das Interesse, mit Hunden zu arbeiten. Zudem muss die häusliche Umgebung stimmen, die Familie muss unbedingt mitspielen. Nachdem das bei mir alles passte habe ich mich auf einen solchen Dienstposten beworben. Der Bedarf war 2003 so groß, dass ich dafür angenommen worden bin.

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Ist der ältere Hund „Ex“ Ihr erster Diensthund? Welche Art von Diensthund führen Sie?

Ja, das ist mein erster Diensthund. Ich hatte zwar schon privat einen Hund, aber als Diensthund war er der Erste. Meine beiden Hunde sind ausgebildete Schutzhunde und haben eine Spezialisierung als Sprengstoffspürhunde.

Ein Hund

Ausgebildeter Schutzhund. (Quelle: PIZ SKB/Bier)Größere Abbildung anzeigen

Was ist denn das Spannende an der Arbeit als Diensthundeführer?

Die Abwechslung… Die Abwechslung, die man hat mit dem Hund, mit dem Tier zusammenzuarbeiten und zu sehen, wie er arbeitet. Wenn Ex dann zum Erfolg kommt, wenn er wirklich etwas findet, da geht einem schon das Herz auf. Das ist das Interessante an dem Beruf, einfach die Abwechslung. Man ist auch viel unterwegs, in Deutschland und im Einsatz. Ich sitze auch mal im Büro, aber eigentlich bin ich hauptsächlich im Außendienst tätig. Ich find das einfach spannend.

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Wo sind Ihre beiden Hunde untergebracht?

Die Beiden leben bei uns zuhause. Tagsüber sausen sie auf dem Grundstück herum. Der Alte ist dabei der Aufpasser, der darauf achtet, dass niemand in den Garten kommt. Und das macht er verdammt gut. Ich habe daheim einen Zwinger stehen, wo ich die Hunde einstellen kann, wenn ich sie mal nicht in der Wohnung haben möchte. Ansonsten leben sie im Haus in und mit der Familie.

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Sie waren auch schon im Einsatz. Wie lange, wie oft und was ist dort Ihre Aufgabe?

Insgesamt habe ich gemeinsam mit meinem Hund „Ex“ 5 Auslandseinsätze gemacht. Viermal im Kosovo und einmal in Afghanistan. Jeweils für 2 Monate. Da wird mit den Hunden in verschiedenen Szenarien nach Sprengstoff gesucht: An Orten, wo eine Absuche stattfinden muss, weil dort Veranstaltungen sein werden oder dies ganz allgemein Gefährdungsbereiche sind. Allerdings immer in Verbindung mit einem Delaborierungstrupp. Wir begleiten den Trupp und die setzen uns dann gezielt in Bereichen ein, die sie nicht einsehen können und wo die Hunde mit ihrer Nase besser arbeiten können.

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Hat Ihr Hund außerhalb von Übungen auch schon mal etwas „Richtiges“ gefunden?

Ja. Im Kosovo hat er zum Beispiel bereits 70 Kilogramm TNT auf dem Dachstuhl eines Hauses gefunden. Durch die große Hitze ist das Sprengöl aus dem TNT ausgetreten und an den Steinen der Außenwand heruntergelaufen. Zu sehen war das nicht, dem Hund hat dies aber gereicht, um „anzuzeigen“. Ein anderer Fall war eine Hausdurchsuchung, bei der er mal ein kleines Waffenlager in einem riesigen Strohhaufen gefunden hat. Da war der Hund eine Zeit lang komplett im Stroh verschwunden und zeigte anschließend an. Nachdem wir dann den Strohhaufen durchsucht haben, bestand der Fund dann aus zwei Gewehren, einer Pistole und einem Messer.

Ein Soldat trainiert mit einem Hund

Abwechslungsreiche Arbeit. (Quelle: PIZ SKB/Bier)Größere Abbildung anzeigen

Wie eng leben Sie im Einsatz mit dem Hund zusammen wie läuft ein normaler „Routine-Dienst-Tag“ in Einsatz ab?

Im Kosovo gibt es unmittelbar neben den Containern der Hundeführer eine Zwingeranlage, da haben wir zum Hund maximal 20 Meter. In Mazar-e Sharif ist die Entfernung größer, aber im Prinzip ist es wie zu Hause, wo man am Morgen zu Dienstbeginn an die Hunde „rangeht“. Grundsätzlich halten wir die Hunde erst einmal auf Ausbildungsstand. Auch in der im Einsatz ja knappen Freizeit kümmern wir uns um die Hunde. Ansonsten beginnt ein Tag dort mit einer Einsatzbesprechung. Anschließend fuhren wir mit einem Konvoi raus aus dem Lager und übernahmen die für uns vorgesehenen Aufgaben. Das geht vom Absuchen eines vorbereiteten Hubschrauberlandeplatzes oder eines geplanten Veranstaltungsortes für die militärische Führung über die Unterstützung bei einer Hausdurchsuchung bis hin zur Verstärkung eines Checkpoints, um die dort ankommenden Autos auf Waffen oder Sprengstoffe zu kontrollieren. So etwas geht zum Teil bis in und durch die Nacht.

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Haben Sie in den Einsätzen für sich oder Ihren Hund auch schon mal kritische Situationen oder Angst um ihren Hund gehabt?

Kritische Situationen gab es in dieser Form eigentlich nicht, nein. Wir hatten einmal eine Szene in Afghanistan, in der wir überlegten, ob wir einen Hund einsetzen, um uns die unbekannten Personen, die dort auf uns zukamen, „vom Leib zu halten“. Angst habe ich auch nicht um ihn, der kann sich selbst wehren, ist alt und erfahren genug. Aber natürlich kann immer was passieren.

Mehrere Hundewelpen

Nachwuchs ist in Sicht. (Quelle: PIZ SKB/Bier)Größere Abbildung anzeigen

Werden Sie Ihre restliche Dienstzeit auch als Diensthundeführer verbringen?

Ja, der jüngere meiner beiden Hunde wird quasi mit mir „auslaufen“ und dann in Pension gehen. Ex, der ältere meiner beiden Hunde, geht jetzt so langsam in den „Hunderuhestand“. Er wird seinen Lebensabend bei mir und meiner Familie verbringen. Mira hat ihre Ausbildung Ende letzten Jahres abgeschlossen und übernimmt mehr und mehr den Job. Sie sind uns in der Familie natürlich so richtig ans Herz gewachsen und ein Teil davon. Ich möchte sie nicht mehr missen.

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Stand vom: 25.11.13 | Autor: 


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