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Mit der Bundeswehr geht’s besser

Der syrische Flüchtling zeigt die Fotos seiner Familie. Auf dem Smartphone sind seine Frau, zwei Söhne und mehrere Neffen zu sehen. Ob sie denn auch hier seien oder er beabsichtigt, sie nachzuholen, wird er gefragt. Der Mann bricht in Tränen aus und erklärt, dass alle tot seien. Umgebracht vom IS, dem so genannten Islamischen Staat. „Das sind die Momente und Begegnungen, die einem sehr nah gehen“, sagt Stabsunteroffizier Jörg S. Plötzlich erscheinen alle Probleme die im Zusammenhang mit der Flüchtlingshilfe noch zu bewältigen sind in einem anderen Licht. Ja, die meisten sind genau deswegen hier: geflohen vor Krieg, Terror und Gewalt.

Soldat zeigt Zivilperson etwas auf einem Handy

Hilfe: wo immer nötig sind die Soldaten zur Stelle. (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Angekommen sind viele von ihnen in Baden-Württemberg. Unter anderem in Stuttgart auf dem Messegelände, wo man die Flüchtlinge in einer Halle provisorisch unterbringt. Jeder Quadratmeter der eigentlichen Ausstellungsfläche wird genutzt, wo noch ein wenig Platz ist spielen Kinder.

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Einfache, aber notwendige Dinge

Soldat reinigt eine Duschkabine

Einfache Dinge: Dank der ABC-Abwehrsoldaten können die Menschen duschen. (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Aus Bruchsal sind Soldaten des ABC-Abwehrbataillons 750 vor Ort und helfen, wo sie können. Wie S., der den logistischen Aufwand der letzten Wochen für seinen Verband fast schon mit dem für einen Einsatz vergleicht. Insgesamt zwölf Soldaten der 3. und 5. Kompanie sorgen dafür, dass die Duschmöglichkeiten für die 1.000 bis 1.500 Flüchtlinge funktionieren. Sie betreiben und warten die dazu aufgestellten Auflieger ihrer Lastwagen, welche mit mobilen Duschen ausgerüstet sind. Die Fahrzeuge dienen normalerweise der Hygiene und Dekontaminierung im Zusammenhang mit dem Auftrag der ABC-Abwehrtruppe im Einsatz.

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Helfen, wo Hilfe nötig ist

Oberfeldwebel Andreas H. koordiniert die Maßnahmen. „Die Anlagen müssen gewartet werden. Das beginnt bei der Betankung und geht über Filterwechsel bis hin zu regelmäßigen Reinigungsarbeiten.“ Zusätzlich – obwohl eigentlich nicht im Einsatzbefehl vermerkt – helfen die Soldaten, wo sie können. Schließlich sind die „ABCisten“ Fachkräfte der Streitkräftebasis und somit kompetente Ansprechpartner für die zivilen Behörden und Helfer. Wie zum Beispiel für den Malteser Hilfsdienst, der im Zusammenhang mit der Gesundheitsfürsorge bei der Behandlung von Krätze oder Läusen bei den Flüchtlingen an Grenzen stößt. „Auch hier konnten wir den Helfern, aber vor allem den Flüchtlingen, helfen“, sagt H., der kurzerhand eine hygienische Reinigungskette für die Menschen organisiert hatte.

LKW mit Sanitäranlagen

„Schweres Gerät“: Duschkabinen aus Bruchsal. (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Dank einiger Soldaten mit Migrationshintergrund klappt auch die Verständigung in vielen Situationen besser. Oberstabsgefreiter Mohemen B. etwa hat syrische Wurzeln und kann den Flüchtlingen viele Ängste nehmen. Sie machen – wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben – neue, positive Erfahrungen mit Uniformierten.

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Eine Herkulesaufgabe

Menschenmenge vor Gebäude

Schwerpunkt: In Heidelberg wächst ein großer Unterkunftsbereich auf (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Ein beredtes Bild ihrer Leistungsfähigkeit und ein Beispiel fortschrittlichen Krisenmanagements gibt die Bundeswehr auch in Heidelberg. Bis zu 30.000 Flüchtlinge sollen in der badischen Kreisstadt unterkommen. Bisher ist rund ein Drittel bereits in der ehemaligen amerikanischen Liegenschaft, dem Patrick Henry Village, eingetroffen. Einst eine regelrechte Kleinstadt mit Supermarkt, Krankenhaus und Wohnungen. „Die Infrastruktur ist Gold wert“, sagt Oberstleutnant d.R. Dr. Ralf Scheffel. Der Offizier leitet seit rund drei Monaten die Unterstützungsleistungen der Bundeswehr vor Ort. „Hier ist bereits vieles so umgesetzt worden, wie es künftig in ganz Deutschland laufen sollte“, erklärt er.

Personen in einem Labor

Gesundheitscheck. (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Bis zu 600 Flüchtlinge könnten „seine“ Soldaten täglich betreuen. Von der Aufnahme über die Registrierung bis hin zum notwendigen Gesundheitscheck. Täglich neue „Baustellen“ und Lageentwicklungen bremsen die Helfer jedoch oft noch ein, so dass bisher nur rund 50 Prozent der Kapazitäten ausgeschöpft werden können. „Das wird sich noch einlaufen“, ist sich Scheffel sicher. Die militärischen Unterstützer haben für unterschiedliche Probleme meist schnell einen Plan zur Lösung erarbeitet. „Die Wege bei uns sind kurz und die Hierarchie ist klar. Das ist unser großer Vorteil“, erklärt Scheffel die offenbar erfolgreiche Arbeitsstruktur.

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Nah dran

Soldat erklärt einem Zivilisten eine Liste

Soldaten helfen bei der Registrierung. (Quelle: PIZ SKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Die Soldaten unterstützen, wo sie gebraucht werden. „Die Ankommenden müssen registriert und erkennungsdienstlich erfasst werden, weil oft Ausweispapiere und Dokumente fehlen“, schildert Oberstabsgefreiter Nico H. Hinter seinem Arbeitsplatz hängen bunte Kinderzeichnungen. „Die malen die Flüchtlingskinder für uns“, freut er sich. Sein Kamerad, Stabsgefreiter Saif E. vom Jägerbataillon 291 aus dem elsässischen Illkirch – der Verband gehört zur Deutsch-Französischen Brigade – ergänzt: „Familien sind trotz größerer Personenzahl leichter zu registrieren. Eines der Kinder kann meist Englisch aus der Schule.“ Der Mannschaftssoldat hat selbst einen Migrationshintergrund und kann einzelnen Flüchtlingen auch muttersprachlich helfen, „aber es sind einfach zu viele Ethnien hier angekommen. Daher können wir das nicht überall sicherstellen“, bedauert er. Die wichtigsten Floskeln und Fragen liegen schriftlich in zahllosen Sprachen übersetzt auf dem Tisch. Alleine das gibt einen Eindruck der Herausforderungen.

Soldat und Zollbeamtin sprechen mit einer Zivilperson

Gemeinsam: Bundeswehr und Zoll helfen bei der Flüchtlingswelle. (Quelle: PIZ SKB/Alpers )Größere Abbildung anzeigen

Bundeswehr, Zoll, Polizei und BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) arbeiten im Patrick Henry Village Hand in Hand zusammen. Nicht immer ohne Reibungsverluste, aber immer mit dem gemeinsamen Ziel, die Lage für die vielen hilfesuchenden Menschen zu erleichtern und die notwendigen Verfahren zu optimieren oder zu beschleunigen. Sie. Dienen. Deutschland. Alle!

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Stand vom: 01.07.16 | Autor: 


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