Nervenstärke, Geschick und Durchsetzungsvermögen
Stetten am kalten Markt, 24.05.2011.
Kampfmittelspürhunde, tEODor, Scharfschützengewehre, Manipulatorwerkzeuge oder hochmoderne Röntgenanlagen – Werkzeuge, die ein Kampfmittelbeseitiger benötigt, um nicht zur Wirkung gelangte Kampfmittel unschädlich zu machen. Am Zentrum für Kampfmittelbeseitigung in Stetten am kalten Markt lernen und trainieren die Kampfmittelbeseitiger. Führung, Ausbildung, Einsatzvorbereitung, Einsatzgestellung und Weiterentwicklung – alles aus einer Hand.

Kampfmittelbeseitiger müssen vieles können. Sie müssen Kampfmittel lokalisieren, identifizieren und unschädlich machen. Zusätzlich müssen die Soldaten den Aufbau und Zustand der Kampfmittel beurteilen können. Das Zentrum ist die zentrale Einrichtung der Streitkräftebasis für Kampfmittelbeseitigung in der Bundeswehr. Rund 600 Soldaten sind dort stationiert und werden für die weltweiten Einsätze ausgebildet und bereitgehalten.

Aufwändige Ausbildung
Die Ausbildung zum Kampfmittelbeseitiger ist lang. Erste Vorraussetzung für die anspruchsvolle Aufgabe ist ein technischer Eingangsberuf. Die erste fachliche Ausbildung (nach der Laufbahnausbildung zum Feldwebel) findet an der Technischen Schule für Landsysteme/Fachschule des Heeres für Technik statt. Erst danach geht es ans Zentrum für Kampfmittelbeseitigung. Dort erfolgt die Qualifikation zum Kampfmittelbeseitiger. „Technischer Sachverstand, schnelle Auffassungsgabe, Entscheidungswille und physische und psychische Belastbarkeit sind dabei besonders gefragt“
, so der stellvertretende Kommandeur des Zentrums, Oberstleutnant Carsten Drümmer.
Ständige Weiterbildung
Anschließend beginnt das eigentliche Training im Einsatzbereich. Permanente Weiterbildung und Training sind nötig, um im Einsatz bestehen zu können. „Wir bekommen ständig neue Informationen aus den Einsatzländern über die dort eingesetzten Kampfmittel und richten unsere Ausbildung sofort danach aus“
, sagt Drümmer. Wichtig für die Einsatzbereitschaft und Sicherheit der Soldaten im Einsatzland.

Zielführende Struktur
Die Struktur des Zentrums ist gänzlich auf den Einsatzauftrag ausgerichtet. Verteilt auf drei Einsatzbereiche werden die Soldaten in Kampfmittelbeseitigungs- und Kampfmittelspürhundezügen trainiert und sind für den weltweiten Einsatz bereit. Dabei werden immer zwei Kampfmittelbeseitiger in einem Trupp gemeinsam eingesetzt, um der Komplexität des Auftrages und der körperlichen Belastung gerecht zu werden. Zusätzlich wird seit Januar 2008 in vier Hörsälen die Ausbildung durchgeführt. Der Stab und der Unterstützungsbereich koordinieren und stellen die Führung und Versorgung der Dienststelle sicher.

Ausbildungsmittel selbstgemacht
Eine eigene Werkstatt kümmert sich um Ausbildungsmaterialen. Dort werden IED´s gebaut – originalgetreu, den in den Einsatzländern eingesetzten Sprengsätzen entsprechend. Nur dass diese keinen echten Sprengstoff enthalten und somit für die Ausbildung eingesetzt werden können. Tagesaktuelle Informationen werden sofort umgesetzt und neue Ausbildungsmittel erstellt. Die Kampfmittelbeseitiger arbeiten so mit den IED´s, die auch in den Einsatzländern unschädlich gemacht werden müssen.
Eigener Psychologe und Sprachlehrer
Die besondere Aufgabe und die extrem hohe Belastung des Kampfmittelbeseitigungspersonals im Einsatz erfordert in der Einsatzvor- und -nachbereitung eine umfassende psychologische Betreuung. Dazu verfügt das Zentrum über eine eigene Truppenpsychologin. Sie ist speziell für diese Aufgabe geschult und steht den Soldaten ständig zur Seite. So ist eine Betreuung der Soldaten und deren Familienangehörigen rund um die Uhr gewährleistet. Zusätzlich vermittelt ein Englischsprachlehrer das im internationalen Umfeld notwendige Fachenglisch. „Er schult die Soldaten in den englischen Fachbegriffen der Kampfmittelbeseitigung. Begriffe, die man im Schulenglisch eher weniger findet“
, so Drümmer.

Einsatzverpflichtung
Derzeit stellt das Zentrum für Kampfmittelbeseitigung den wesentlichen Teil der Kampfmittelbeseitigungskräfte in den Einsatzkontingenten. Ihr Hauptauftrag – Sicherheit für die eingesetzten Truppen durch Unschädlichmachen von Kampfmitteln.

