Es gibt nichts Wichtigeres
„Mir war es besonders wichtig, mich möglichst früh bei meinen Soldaten in Afghanistan zu zeigen“
, so der Inspekteur der Streitkräftebasis, Vizeadmiral Manfred Nielson. „Denn die Streitkräftebasis stellt rund 27 Prozent der Soldaten im Einsatz und ist ein wesentlicher Träger der Einsatzverpflichtungen.“
Am 3. Juli reiste Nielson in das Einsatzgebiet, um dort mehrere Orte zu besuchen und sich über die Leistungsbereitschaft und Motivation seiner Soldaten zu überzeugen. Im Zentrum stand der Austausch mit seinen Soldaten zum Einsatz, zur Einsatzvorbereitung, zu den Herausforderungen der Neuausrichtung der Streitkräfte, zur Weiterverpflichtung und zu den Kontingentlisten.

Nach einem Gebet am Ehrenhain begann sofort die Einweisung des Inspekteurs in die Lage des Regional Commando North (RC North) vor dem Hintergrund des sich verändernden Kräfteansatzes im Zuge der Aufstellung der Partnering & Advisory Task Forces. Weitere Themen waren die Lage und Zukunftsfähigkeit der afghanischen Sicherheitskräfte, die Zeitpläne für den Rückbau der einzelnen durch deutsche Truppen geführten Anlagen, die Einschränkungen durch die Mandatsobergrenze und die zu erwartenden logistischen Herausforderungen.

Fähigkeiten im Einsatz
Nach einer ersten Fahrt durch Camp Marmal, folgte eine Darstellung der Leistungsfähigkeit der Streitkräftebasis im Einsatz: Explosive Ordnance Disposal Einweisung bei der Fernmeldekompanie, ein Besuch der Feldjägerkompanie sowie der Elektronische Kampf-Kompanie. Admiral Nielson befragte die Soldaten konkret nach Einsatzerfahrung und Einsatzdauer. „Vier Monate sind ausreichend, die Belastungen sind hoch und eine längere Einsatzdauer gefährdet das konzentrierte Arbeiten“
, so einer der Soldaten. Vizeadmiral Nielson zeigte sich von den Gesprächen beeindruckt: „Hohe Professionalität, gute Stimmung und hohes Vertrauen in Ausbildung und Ausstattung zeichnen unsere Soldaten aus.“

Zusammenarbeit im Einsatzland
Am zweiten Tag erhielt die Delegation im Camp Mike Spann einen Einblick in die Ausbildung der afghanischen Armee. Zum dort tätigen Operational Mentoring and Liaison-Team gehören auch einsatzerfahrene Soldaten der Streitkräftebasis, die die Entwicklung der Afghan National Army beurteilen konnten. Eine Gesprächsrunde mit Vertrauenspersonen in Hasrat e Sultan rundete das Bild für den Inspekteur der Streitkräftebasis ab.

Bewegende Besuche
Bei seinen Besuchen im OP North und in Kunduz standen vor allem die aktuellen Ereignisse im Vordergrund. Die Gespräche mit kurz vor dem Besuch verwundeten Soldaten und das Gedenken an die im Einsatz gefallenen Soldaten bewegten Vizeadmiral Nielson sehr: „Wir müssen uns vor Augen halten, dass der Einsatz auch mit Verwundung und Tod einhergehen kann“
, so Nielson.

Logistik im Einsatz
Am dritten Tag ging es mit einem amerikanischen Black Hawk nach Faizabad. In dem von Bergen umgebenen, zivil geführten Provincial Reconstruction Teams (PRT) wurden die Vorbereitungen für den Rückbau bis zur Übergabe an eine Nachfolgeorganisation besprochen. Die anschließende Gesprächsrunde bei der mongolischen Schutztruppe war ein multikultureller Höhepunkt. Eine Gedenkminute am Ehrenhain und ein Besuch in der Kapelle des PRT vervollständigten die Eindrücke am östlichsten Punkt der Reise. Zurück ging es über Kunduz nach Masar-i-Scharif. Dort rückten unmittelbar nach der Landung die Leistungen des Logistikunterstützungsbataillons in den Fokus. Auch dort gilt: Die Ausbildung ist ein wesentlicher Faktor bei der Vorbereitung auf den Einsatz. Neben den logistischen Fertigkeiten, die im Übungszentrum in Garlstedt verfeinert werden, werden die Soldaten allgemeinmilitärisch in den Gefechtsübungszentren als Konvoiführer ausgebildet. In den Betreuungseinrichtungen der Logistiker bot ein abendliches Barbecue die Möglichkeit für Gespräche abseits der Lagevorträge. Neben allgemeinen Fragen zur Entwicklung in Deutschland und zu Karrierechancen nach der Neuausrichtung der Streitkräfte gab es auch Hinweise auf Verbesserung der Bekleidungsausstattung.

Rückverlegung
Der Heimreisetag begann mit dem großen Thema Rückverlegung. Die Zeit ab 2014 wirft ihre Schatten voraus. „In zweieinhalb Jahren wollen wir Afghanistan verlassen haben. Danach werden wir nur noch in einem verringerten Umfang zur Ausbildungsunterstützung vor Ort sein“
, so Nielson. Die entsprechenden politischen Entscheidungen sind noch zu erwarten. „Die Rückführung ist eine riesige logistische Herausforderung – eine Kernkompetenz der Streitkräftebasis.“




