Stürmischer Herbst in Baden-Württemberg
Anhaltende Orkanböen und sintflutartige Regenfälle haben seit der Nacht vom 4.Oktober in Süddeutschland Bäume entwurzelt, Hausdächer weggerissen und Keller überflutet. Eine beträchtliche Anzahl Verletzter wartet auf Hilfe. In dieser Lage entschließt sich der Landrat des baden-württembergischen Landkreises Reutlingen am 5.Oktober um 14:00 Uhr, den Katastrophenfall zu erklären. Gleichzeitig weist er seinen Koordinierungs- und Kommunikationsstab an, bis 16:00 Uhr die Arbeitsbereitschaft herzustellen. Kräfte der Polizei und Feuerwehr sind zu diesem Zeitpunkt seit rund 18 Stunden pausenlos im Einsatz.

Auch die wehrübenden Offiziere und Unteroffiziere des Kreisverbindungskommandos (KVK) Reutlingen, gemeinsam mit den zivilen Helfern Teilnehmer an der Katastrophenschutz-Vollübung Stürmischer Herbst, sind seitdem im Landratsamt Reutlingen verfügbar. Ihr Auftrag ist, Landrat Thomas Reumann zu beraten, wenn er Kräfte der Bundeswehr zur Unterstützung im Rahmen subsidiärer Hilfeleistungen anfordert. In Katastrophenlagen ist ein solcher Hilfseinsatz immer dann denkbar, wenn die Hilfskräfte des Landkreises, benachbarter Landkreise und zivile Helfer allein, der Lage nicht Herr werden.

Zusammenspiel und Kommunikation
Letztmalig fand eine vergleichbar aufwändige Übung im Jahr 2007 statt. Von den insgesamt 4.000 ehrenamtlichen Helfern im Kreis sind an etwa 600 an der Übung beteiligt, davon rund 100 im Führungs- und Verwaltungsstab. Ziel der Vollübung ist das Zusammenspiel und die Kommunikation unter den Übungsteilnehmern zu überprüfen, Schwachstellen im Zuge der Übungsauswertung zu identifizieren, um künftig Einsatzfähigkeit und Schlagkraft der Hilfskräfte zu erhöhen.„Ich glaube, dass die Bundeswehr in solchen Lagen ein ganz, ganz wichtiger Partner, ja, unverzichtbar ist!“
, so Landrat Reumann. So erreicht die erste Anfrage das Lagezentrum des KVK nicht überraschend: Eine 150 Meter lange Sandsackbarriere soll im Hochwasser geschädigten Zwiefalten verhindern, dass noch größerer Schaden entsteht. Doch das schon im Einsatz befindliche zivile Personal reicht nach Bewertung des Verwaltungsstabes nicht aus, er bittet deshalb um Unterstützung der Bundeswehr mit 80 Soldaten. Als „Antrag auf Hilfeleistung durch die Bundeswehr“
übermittelt das KVK die Anfrage nach Prüfung an das Landeskommando Baden-Württemberg in Stuttgart, in dessen Lagezentrum der Einsatz der Kräfte im Bundesland koordiniert wird.

Hilfeleistung wo immer möglich
Eine Anfrage nach Unterkunft für 15 Betroffene der Katastrophe weist das Lagezentrum des KVK zurück, denn noch sind in der Region Unterkünfte in ausreichender Anzahl verfügbar. Anders sieht es mit dem Lufttransport leicht und mittelschwer Verletzter aus: Dem Antrag auf Hilfeleistung nach einem schweren Verkehrsunfall – ein Reisebus liegt auf der Seite, etwa 20 Passagiere sind verletzt - folgt der Einsatz eines Großen Rettungshubschraubers des Mittleren Transporthubschrauberregiments 25 „Oberschwaben“ aus dem zehn Flugminuten entfernten Laupheim. Via Ulm, wo die Hubschrauberbesatzung zuvor Ärzte und Rettungssanitäter des Bundeswehrkrankenhauses aufgenommen hat, fliegt die rund 50 Jahre alte CH-53 in das Katastrophengebiet, um in unmittelbarer Nähe der Unfallstelle auf dem Sportplatz der Gemeinde Zwiefalten zu landen.

Weitere Optimierung in den Zusammenarbeitsbeziehungen
Eine zivil-militärische Gemeinschaftsleistung ist erbracht, die ohne die Beteiligung und das Engagement der Reservisten des KVK Reutlingen nicht einmal initiiert worden wäre. Folgerichtig erklärt der Leiter: „Intern bin ich sehr zufrieden mit der Übung!“
, an den Schnittstellen bedürfe es jedoch noch der Optimierung der Zusammenarbeitsbeziehungen. Doch auch innerhalb der Bundeswehr war der erfolgreiche Übungsverlauf „teamwork“ im allerbesten Sinne: Angehörige der Streitkräftebasis, die beteiligten Offiziere und Unteroffiziere des KVK und des Landeskommandos, haben den Einsatz von Heeresfliegern und Sanitätskräften initiiert und koordiniert.

