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Zurück aus Äthiopien: Hauptfeldwebel Prangenberg

Nach fast fünf Jahren ist er zurück in Deutschland: Hauptfeldwebel Rüdiger Prangenberg war als Beraterfeldwebel für die Bundeswehr in Afrika. Seine Erfahrungen und Erlebnisse hat er in einem Blog festgehalten. Jetzt ist er bereits über ein halbes Jahr zurück und zwar nicht alleine: Er bringt seine Frau Selamawit mit, die er 2013 in Addis Abeba kennengelernt und schließlich geheiratet hat. Prangenberg berichtet über seinen Abschied aus Äthiopien und die Erfahrungen nach seiner Rückkehr.

Soldat sitzt gestikulierend auf einem Stuhl

Hauptfeldwebel Rüdiger Prangenberg berichtet von seiner Rückkehr aus Afrika. (Quelle: PIZ SKB/Beu)Größere Abbildung anzeigen

Als Beraterfeldwebel war Hauptfeldwebel Prangenberg an Projekten beteiligt, die den Aufbau oder die Einrichtung von Lehrwerkstätten, Unterrichtsräumen, Krankenstationen oder anderen Einrichtungen umfassten. „Dabei haben wir stets mit den Äthiopiern zusammen gearbeitet. Die Projekte, an denen ich beteiligt war, sind mittlerweile alle abgeschlossen, auch wenn zwischenzeitlich immer wieder Diskussionen mit den Einheimischen die Arbeiten verzögerten. Oft ging es um Zuständigkeiten und darum, Verantwortung zu übernehmen, und zwar vom Aufbau bis zum Betrieb der Einrichtungen“, erinnert sich Prangenberg stolz und ergänzt: „Wir konnten diese kleineren Ungereimtheiten zum Glück jedoch immer lösen. Richtige Baustellen haben wir da nicht hinterlassen“.

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Das neue Glück in Addis Abeba

Ein Paar blickt lächelnd in die Kamera

Prangenberg mit seiner Frau Selamawit. (Quelle: Privat/Prangenberg)Größere Abbildung anzeigen

Als Prangenberg nach Äthiopien ging, steckte er noch in einer Beziehung. Seine damalige Freundin wollte allerdings nicht mitkommen. „Eine Fernbeziehung führe ich nicht - deshalb habe ich die damalige Beziehung beendet“, sagt der Hauptfeldwebel. Dann lebte er erstmal alleine, ohne Beziehung. Dann berichtet Prangenberg, wie er seine jetzige Frau kennengelernt hat: „Ich war damals mit einem Freund in der Stadt und wir haben zusammen einen Kaffee getrunken und ein bisschen gequatscht. Als wir uns dann verabschiedeten, habe ich draußen vor dem Kaffee meine Frau kennengelernt - es war Regenzeit und ich hörte von irgendwo ein „Hi!“ - und sah meine Frau zum ersten Mal - ich sah, wie sie aus einem Fenster winkte.“ Und weiter: „Was ich da noch nicht wusste: sie meinte gar nicht mich - sie hat sich von einer Freundin verabschiedet, die auf der Straße in ein Taxi gestiegen ist. Naja - ich dachte jedenfalls, ich wäre gemeint und bin dann zu ihr rüber - so haben wir uns kennengelernt.“ Sie sei zunächst total perplex gewesen, weil er einfach rüber gekommen ist und Sie angesprochen habe. Was er damals noch nicht wusste: Seine zukünftige Frau hatte sich damals mit einigen Freundinnen zu einem Model-Treffen verabredet. „Wir haben uns dann häufiger gesehen und irgendwann beschlossen, dass sie zu mir zieht“, sagt Prangenberg.

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Die bürokratischen Hürden

Deutsche und äthiopische Soldaten stehen in einer Reihe.

Im Team: Deutsche und äthiopische Soldaten arbeiten zusammen. (Quelle: Privat/Prangenberg)Größere Abbildung anzeigen

Der Zusammenzug war für ihn wichtig, weil er sehen wollte, wie der Alltag in der Beziehung funktioniert. „Ich wollte sehen, wie das tägliche Leben in dieser Beziehung so ist.“ Und dann ging das alles recht schnell - Ende März 2013 haben die beiden sich zum ersten Mal gesehen und im August haben sie dann geheiratet. Vorher musste Prangenberg sich aber noch von deutscher Seite ein „Ehefähigkeitszeugnis“ ausstellen lassen, damit er in Äthiopien legitim heiraten konnte. „Das habe ich während meines Sommerurlaubs 2013 erledigt.“ Dann folgte noch ein sehr umfangreiches bürokratisches Procedere mit der Anerkennung der Papiere und mit weiteren Formalitäten, die vor der Hochzeit erledigt werden mussten. Schließlich wollten beide ja nach Prangenbergs Einsatz in Afrika gemeinsam in Deutschland leben können.

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Holpriger Start in Deutschland

Deutsche und äthiopische Soldaten verladen Möbel.

Ein Lehrsaalgebäude wird eingerichtet. (Quelle: Privat/Prangenberg)Größere Abbildung anzeigen

Relativ schnell hat Prangenbergs Ehefrau dann angefangen, die deutsche Sprache zu lernen, zunächst im Goethe-Institut in Addis Abeba und dann weitere Kurse in Deutschland. Vor der Rückkehr nach Deutschland haben die beiden also etwa zwei Jahre zusammen in Äthiopien gelebt. Seitdem sie in Deutschland sind, hat sich einiges getan, beruflich und privat. Kurz nach der Ankunft in Deutschland verstarb Prangenbergs Mutter und nach diversen Unfällen und Umzügen hoffen beide jetzt auf ein bisschen Ruhe. Prangenberg: „Außerdem hatten wir in Deutschland wieder jede Menge bürokratischen Aufwand zu erledigen, zum Beispiel mit Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis oder einfach der Teilnahme an Integrationskursen. Das haben wir jetzt zum Glück alles erledigt. Wir leben seit Juli letzten Jahres in Deutschland und langsam kehrt so etwas wie Normalität in unser Leben ein.

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Pünktlich und Schriftlich

Zivilist und Soldat reichen sich die Hände und übergeben eine Urkunde.

Die feierliche Übergabe des fertigen Gebäudes an die Äthiopier. (Quelle: Privat/Prangenberg)Größere Abbildung anzeigen

Ein großer Vorteil ist, dass meine Frau schon viele meiner Freunde aus dem Urlaub kannte und sich auch mit diesen gut in Englisch verständigen konnte. Sie hat auch keine Berührungsängste und ist ein sehr offener und zugänglicher Mensch“, berichtet Hauptfeldwebel Prangenberg. Was sie nicht mag sei das deutsche Wetter, da müsse sie sich erst noch dran gewöhnen. Außerdem habe sie das Gefühl, dass die Menschen in Deutschland nicht so offenherzig sind, wie in ihrer Heimat. Sie spüre eine Art Grundaggressivität in der Gesellschaft, die sie so nicht kenne, sagt Prangenberg. „Die Bürokratie ist hier zwar ähnlich komplex, wie in Äthiopien, nur mit dem Unterschied, dass hier in den Behörden alles pünktlich und schriftlich erfolgen muss - wenn man das so nicht kennt, dann muss man sich erst mal daran gewöhnen.

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Der neue Job in Deutschland

Neues Schulgebäude mit einigen Menschen davor.

Das fertig gestellte Gebäude wird abgenommen und eingeweiht. (Quelle: Privat/Prangenberg)Größere Abbildung anzeigen

In Deutschland ist der Job für Prangenberg zunächst sehr ungewohnt. Als Berater in Äthiopien war er ständig unterwegs, traf Menschen und führte Gespräche. Zurück in Deutschland muss er sich erstmal daran gewöhnen, wieder tageweise nur in seinem Büro zu sitzen und am Computer zu arbeiten. „Das ist zwar auch alles sehr spannend, aber doch ganz anders als mein Job in Afrika. Eigentlich bin ich ja Waffenprüfer bei der Bundeswehr und auf Dauer werde ich sicher wieder weltweit unterwegs sein, in der Rüstungskontrolle oder besser Waffenkontrolle, vielleicht ja im Rahmen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSCE). So wie es aussieht, werde ich bald hier in Geilenkirchen im Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr, kurz ZVBw einen Job übernehmen, der sich mit dem Thema Rüstungskontrolle befasst. Ich bin gespannt, wie das dann wird“, so Prangenberg.

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Nochmal nach Äthiopien - erneut ein Heimspiel

Soldaten und Zivilisten stehen am Tor einer großen Werkstatt.

Die fertig gestellte Schweißerei wird feierlich übergeben. (Quelle: Privat/Prangenberg)Größere Abbildung anzeigen

Jetzt wird er vermutlich erst mal eine Zeit lang in Deutschland leben und arbeiten. Dann könne er sich vorstellen, sich vielleicht 2021 wieder nach Addis Abeba zu bewerben. „Das wäre dann natürlich für mich und meine Frau ein Heimspiel. Ich bin mir sicher, dass es in den nächsten Jahren in Äthiopien noch viel an Aufbauhilfe zu leisten gibt. Da gibt es so viele junge Menschen, die ein enormes Potential bilden, um das Land auch langfristig wieder auf die Beine zu kriegen.“ Außerdem sei so ein Job in Äthiopien oder auch in Afghanistan schon sehr heilsam, wenn man sieht, wie manche Leute auf der Straße leben und sterben und dann mal vergleicht, worüber sich die Menschen in Deutschland so alles aufregen.

Und wenn die Prangenbergs dann eines Tages wieder in Äthiopien sind, dann wird der Hauptfeldwebel sicher auch wieder berichten, wie das Leben dort so läuft und was er dort gerade aufbaut.

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Stand vom: 01.07.16 | Autor: 


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