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Hoher Besuch

Bereits Tage vorher nahm mein Kommandeur Oberstleutnant Boris Nannt mich beiseite und kündigte mir an, dass ich am 17. Dezember zu einer wichtigen Veranstaltung eingeladen wäre, bei der hoher Besuch erwartet werde, und dass ich mir an diesem Tag nichts vornehmen solle. Wer da kommen sollte, wusste ich nicht. Genaue Informationen gab es erst kurz vorher. Warum ist das so? Besuche hochrangiger Persönlichkeiten werden aus Sicherheitsgründen geheim gehalten. Somit auch für mich!

Drei Personen an einem Tisch

Eine einmalige Gelegenheit. (Quelle: Manja W.)Größere Abbildung anzeigen

Ich grübelte ein wenig, wer es denn sein könnte und viele Namen schwirrten durch meinen Kopf. Doch wirklich wissen konnte ich es nicht. Erst als ich am Tag des Geschehens in meinem Büro das Radio anmachte und es durch die Lautsprecher hörte, ging mir ein Licht auf. „Unser Bundespräsident Joachim Gauck ist zum Besuch in Afghanistan eingetroffen“, sagte die Moderatorin. Ich durfte heute Abend den Bundespräsidenten treffen. Unglaublich. Eine wahrscheinlich einmalige Gelegenheit. Ich war völlig sprachlos.

Ein Mann an einem Rednerpult

Bewegende Worte. (Quelle: Manja W.)Größere Abbildung anzeigen

Die Aufregung steigt

Also fand ich mich am Abend im „Planet Mazar“, einem der Cafés hier im Camp, ein und spürte direkt wie mein Puls leicht anstieg. Ich war aufgeregt und freute mich sehr darauf, dem höchsten Mann unseres Staates begegnen zu dürfen. Es waren weit über hundert Soldaten aller Nationen vor Ort. Meine Vermutung war, dass bei so vielen Menschen der Bundespräsident wohl wenig Zeit an den einzelnen Tischen verbringen könne. Jeder von uns hatte zuvor einen Tisch zugewiesen bekommen und als alle Platz genommen hatten, kam plötzlich einer der Presseoffiziere zu uns und wies darauf hin, dass dies der Tisch sein wird, an dem der Bundespräsident Platz nimmt. Dieser Tisch? Der Tisch, an dem ich sitze? Das änderte natürlich plötzlich so einiges, aber bevor ich darüber nachdenken konnte, hörte ich schon das Klicken der unzähligen Kameras. Das verlässliche Zeichen dafür, dass unser Staatsoberhaupt den Raum betreten hatte und wenige Sekunden später stand er auch schon kurz vor mir.

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Zwei Personen

Teil des Teams. (Quelle: Manja W.)Größere Abbildung anzeigen

Der Bundespräsident ganz nah

Nach einer kurzen aber sehr warmherzigen und persönlichen Ansprache bewegte er sich auch schon zu unserem Tisch und mein Puls begann schneller zu schlagen. Er begrüßte jeden per Handschlag und setzte sich dann zu uns. Auch wenn mir das Herz bis zum Hals schlug, begann ich das Gespräch. Schließlich hatte ich noch ein Geschenk von meinem Bataillon zu überreichen. Auch der Bundespräsident sollte Teil unseres Teams werden. Und so streckte ich meine Hand aus und gab ihm ein kleines grünes Silikonarmband mit der Inschrift „One Team – One Mission – Logistikbataillon 172 – 30. Einsktgt ISAF M-e-S“. Jeder, der dieses Band trägt, ist so mit den Soldaten hier im Einsatz verbunden. Das kam gut an, sofort streifte er das Band über sein Handgelenk und wie ich finde, stand es ihm richtig gut. Das Eis war gebrochen. Und als wir dann auch noch feststellten, dass wir dieselbe Heimatstadt haben und unser Kompaniefeldwebel ebenfalls aus Mecklenburg-Vorpommern kam, sprang der Bundespräsident auf und wollte sogleich ein Foto mit uns machen.

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Ein Mann vor mehreren Soldaten

Ein beeindruckender Abend. (Quelle: Manja W.)Größere Abbildung anzeigen

Herzlichkeit und Leichtigkeit

Ich war überrascht von so viel Leichtigkeit und Herzlichkeit. Die Runde fühlte sich weniger so an, als ob man mit dem Bundespräsidenten am Tisch sitzt, sondern vielmehr wie ein gemütliches Gespräch mit einem sehr interessierten und offenen Menschen. Nur das Blitzen der Fotokameras und die gefühlt hundert Journalisten um unseren Tisch, machten mir immer wieder bewusst, wer mir da tatsächlich gegenüber saß. Die Zeit verging wie im Fluge und nach tollen Gesprächen und einem gemeinsamen Essen war der Abend dann auch schnell zu Ende und der Bundespräsident verabschiedete sich! Für mich war dies ein wahnsinnig beeindruckender Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde und noch immer freue ich mich darüber, dabei gewesen zu sein.

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Stand vom: 25.11.13 | Autor: 


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