Mit Herzblut und Leidenschaft (1)
Manja W. ist Soldatin. Die Berlinerin wird im Oktober in den Einsatz nach Afghanistan gehen – gemeinsam mit rund 300 Kameraden aus dem Logistikbataillon 172 in Beelitz. Im Gespräch mit ihrem Kommandeur, Oberstleutnant Boris Nannt, berichtet sie von Teamgeist, Zugehörigkeitsgefühl und dem momentan alles beherrschenden Thema: der Einsatzvorbereitung.

Manja: Der Einsatz wird eine große Herausforderung – für mich als Person, aber auch für das Team, dessen Fähigkeiten dort auf die Probe gestellt werden. Doch zugleich freue ich mich auf dieses Team, das durch den gemeinsamen Einsatz wahrscheinlich noch enger zusammenrücken wird.
Nannt: Der Einsatz, und das muss man ehrlich sagen, ist eine Belastung. Erst im vergangenen Jahr ging ein Kamerad aus dem Bataillon mit rund 1.500 Einsatztagen in den Ruhestand. Das entspricht fast vier Jahren – vier Jahre Abwesenheit von der Familie. Die Einsätze sind ein fester Teil unseres Berufes geworden, sie sind aber eben ein Teil der nicht einfach ist. Bei der Zusammenstellung des Teams wurden deshalb nicht nur die soldatischen Fähigkeiten sondern auch die sozialen und privaten Umstände beachtet.

Seit März 2010 ist die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin in Beelitz. Dass Manja sich hier wohl fühlt merkt man ihr sofort an.
Manja: Und dieses Team funktioniert meines Erachtens schon sehr gut. Ich erwarte, dass es zwischenzeitlich schwierig wird. Aber wenn ich einen Tiefpunkt habe, weiß ich, dass ich gut aufgehoben bin.

Manja: Der Offizierkreis hier im Bataillon funktioniert außergewöhnlich gut. Die ersten Wochen sind ja immer schwierig, doch ich habe mich hier sofort sehr wohl gefühlt. Die Kameradschaft und der Teamgeist haben sowohl die räumliche Umstellung von der Universität in München, als auch den Umgang mit neuen täglichen Aufgaben als Zugführerin unheimlich erleichtert.
Nannt: Ich habe mich hier als Kommandeur ebenfalls sofort wohlgefühlt. Und genau der von Ihnen angesprochene Teamgeist erleichtert auch mir die Einsatzplanung. Wir haben hier eine unheimlich hohe Freiwilligkeit, wenn es um die Frage geht, wer mit in den Einsatz verlegt. Viele der Soldaten sagen: „Ich bin nun schon das dritte oder vierte Mal im Einsatz. Aber mein Team geht und deswegen gehe ich mit.“ Dieses Wir-Gefühl ist ganz entscheidend.
Manja: Dieses Gefühl im Bataillon wirkt auch auf mich so. Dadurch, dass man weiß, dass man Kameraden um sich hat, die man kennt und auf die man sich verlassen kann, freut man sich auch darauf, mit diesen Menschen gemeinsam nach Afghanistan gehen zu dürfen.
Nannt: Und gerade für die Soldaten, die außerhalb des Lagers tätig sein werden, also potenziell häufiger in gefährlichen Situationen bestehen müssen, ist das wichtig. Denn nur wenn man sich kennt und vertraut, kann man sich auch aufeinander verlassen.

Für den Kommandeur ist es wichtig seine Soldaten zu kennen. Deshalb ist Nannt eng, möglichst täglich, bei der Ausbildung dabei. Er beobachtet die Soldaten, will ihnen aber auch die Möglichkeit bieten, ihn und sein Verständnis vom gemeinsamen Auftrag kennen zu lernen.
Nannt: Meine Erwartung ist, dass wir als Bataillon mit 300 Soldaten im Einsatz unseren Auftrag voll erfüllen. Auf uns kommt es an. Wir sind zuständig für die gesamte Versorgung der deutschen Truppenteile dort vor Ort. Hohe Zufriedenheit und Zuverlässigkeit sind mein Ziel. Ich wünsche mir, dass wir unserer Aufgabe so nachkommen, dass die anderen Soldaten am Ende sagen „Mensch, Logistik – da haben wir gar nichts von gespürt“.
Manja: Gerade in den zwei Wochen der einsatzvorbereitenden Ausbildung, der EAKK, ist viel aufgewachsen, was dieses Ziel näher rücken lässt. Das Zusammenspiel war anfangs noch schwierig. Doch zum Ende der Ausbildung hatte jeder seinen Platz gefunden. Man weiß, der kann das, oder so reagiert der eine in der bestimmten Situation. Man entwickelt ein Verständnis für den eigenen Auftrag, aber auch dafür, was der rechts und links von einem macht.
Zum zweiten Teil des Gespräches
| Das Logistikbataillon 172 in Beelitz ist Heimat von rund 900 Soldaten. Zwei Nachschubkompanien, eine Instandsetzungskompanie, eine Transportkompanie sowie jeweils eine Kompanie für die Verwaltung und die Grundausbildung arbeiten hier im logistischen Grundbetrieb. 80 Prozent der Stellen sind mit Soldaten aus der Region Berlin und Brandenburg besetzt, wodurch eine große Heimatverbundenheit und regionale Verwurzelung bestehen. Teile des Bataillons waren bereits im 18. sowie im 23. Einsatzkontingent (2008/09 beziehungsweise 2010) im Einsatz in Afghanistan. |
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| Manja W. ist in Beelitz Zugführerin in einer Nachschubkompanie. Sie ist verantwortlich für rund 30 Soldaten und das Materiallager des Bataillons. Im Einsatz ist sie als Marketenderoffizier für die Versorgung der Soldaten mit Alltagsgegenständen verantwortlich. In einem Einsatzblog wird sie von ihren Erfahrungen berichten. |



