Aufmunitionieren – fertig – los!
Da kommt was zusammen: Ein Gefechtsverband des Heeres besteht in der Regel aus rund 100 Fahrzeugen. Darunter vor allem Schützen- und Kampfpanzer, Haubitzen sowie weitere Rad- oder Kettenfahrzeuge. 200 Tonnen Munition – welcher Aufwand nötig ist, um einen solchen Tross mit dieser zu versorgen fragten sich die Logistiker der Streitkräftebasis und die 1. Panzerdivision des Heeres. Eine Menge, die allein 30 Gefechtsfahrzeuge einer Brigade aufnehmen können.

Eine Schnittstelle der militärischen Logistik ist die zwischen Basis- und Einsatzlogistik. Erstere ist Kompetenz der Streitkräftebasis. Was bedeutet das allerdings in der Praxis zum Beispiel für die Bereitstellung und Übernahme von Munition durch einen Verband des Heeres? Für einen Gefechtsverband dieser Teilstreitkraft ist Einsatzlogistik auch Erstversorgung, sprich das Aufmunitionieren der Fahrzeuge.

Hoher Aufwand
Bevor jedoch die rund 30 Fahrzeuge ihre Kampfbeladung aufnehmen können, haben die Logistikkräfte bereits gearbeitet. Die erforderliche Munition muss nicht nur bereitgestellt werden, Anforderungen und Buchungen im System SAP gehen dem eigentlichen Versorgungsvorgang voraus. So auch im Zusammenhang mit der Feldeinsatzübung Munition der 1. Panzerdivision aus Hannover, zu der die Panzer und Haubitzen abgestellt wurden. Wie viel Munition welches Gefechtsfahrzeug braucht, ist dabei noch die einfachste Berechnung, bevor Kräfte des Logistikbataillons 161 die Wechselpritschen ihrer MULTIs auf dem Truppenübungsplatz Sennelager bei Augustdorf abstellen.

Verfahren üben
200 Tonnen Munition – vom Artilleriegeschoss bis zur Gewehrpatrone – müssen dazu bedarfs- und zeitgerecht aus den Depots beschafft werden, um sie in der Nähe der Übergabestelle vorzubereiten. „Das volle Programm“
, nennt es Oberst Hans-Volker Rönnike, der als stellvertretender Brigadekommandeur der Panzerbrigade 21 die Übung leitet. „Früher“
, so der Stabsoffizier, „konnten solche Verfahren öfter geübt werden.“
Heute wird die Truppe oft im Zusammenwirken mit zivilen Spediteuren versorgt, nach dem in der Wirtschaft üblichen Verfahren „Just in time“.

Ausbildungseffekte
Die Übernahme der Kampfbeladung sowie der damit verbundene Zeit- und Personalansatz ist jedoch ein wichtiges Einsatzszenario. Selbst die einsatzerfahrenen Verbände der Panzerbrigade 21 beherrschen nicht alle Fertigkeiten für die Übernahme und Bewirtschaftung von Munition aus dem Effeff. Und für die Soldaten des Logistikbataillons 161 aus Delmenhorst ist die dargestellte Erstversorgung eines Gefechtsverbandes ebenfalls nicht alltäglich. „So ist ein weiterer Schwerpunkt dieser Feldeinsatzübung die Ausbildung der Logistikkräfte“
, erläutert Oberstleutnant Frank Miebach, der stellvertretende Kommandeur.

Buchungsvorgänge überprüfen
Seine Soldaten sind neben dem Transport und Umschlag der Munition auch für die Buchungsvorgänge verantwortlich. Wie im Zivilen übernimmt schließlich vor Ort der Gruppen- oder Zugführer auf dem Gefechtsfahrzeug seine Kampfbeladung anhand eines Lieferscheins. Das Fachpersonal der beteiligten Verbände überwacht die Buchungsvorgänge im IT-System und gleicht die Daten mit den Logistikern der Streitkräftebasis ab. „Wir buchen hier real in unseren Systemen. Die Munition gehört jetzt uns“
, schildert Major Karsten Kukuk, Nachschuboffizier des Panzergrenadierbataillons 212, nach der Übergabe auf dem Flugfeld des Truppenübungsplatzes. „Nur so lassen sich die Versorgungsverfahren an ihren Schnittstellen überprüfen“
, ergänzt Oberstleutnant Miebach. Im Gefechtsstand der Nachschieber laufen die Fäden buchungstechnisch zusammen. Auf der Betonfläche verschwinden Granaten, Nebelkörper oder gegurtete Munition nach und nach in den Fahrzeugen.

Erkenntnisse gewonnen
Rund zwei Stunden sind vergangen seit die Transporteure ihre „Flats“ – die Ladeflächen der MULTIs – abgesetzt haben. Die Truppe rückt ab. Gefechtsbereit in ihre Verfügungsräume. Im Einsatz stünden sie nun für weitere Aufträge bereit. Die erlangten Erkenntnisse fließen in die Erstellung und Fortschreibung der entsprechenden Versorgungsvorschriften ein. Die Logistikkräfte nehmen Erfahrungswerte mit, die im Einsatz wertvoll sind, beispielsweise wie eine Flat optimiert gepackt werden kann. „Das lernt man nur in der Praxis!“
Miebach ist zufrieden mit dem Verlauf der Feldeinsatzübung Munition. „Zusätzlich war das Ereignis ein Erlebnis für die beteiligten Soldaten. Denn so viele Fahrzeuge aus einem Gefechtsverband des Heeres hat man selten „auf dem Hof“ stehen.“


