Feinschliff für den Einsatz
In Kunduz brennt das Reifenlager! Diese Meldung kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn die Transportkomponenten des Einsatzkontingents sind pausenlos unterwegs. Darunter Schwerlasttransporter Elefant, die im Konvoi Marder ins 240 Kilometer entfernte Mazar-e Sharif transportieren. Auf afghanischen Straßen sind Reifenpannen an der Tagesordnung.

Vor diesem Hintergrund schlägt der Brand eine Lücke in die Versorgungskette. Der dringend benötigte Reifenvorrat muss nun anders organisiert werden. Hauptmann Mathias Franke, Kompaniechef der zweiten Kompanie des Logistikbataillons 172 aus Beelitz, hat alle Hände voll zu tun – und jetzt noch das! „Unsere Transportzüge sind zu 96 Prozent ausgelastet. Die meisten Soldaten sind unterwegs und die, die im Lager sind, stellen eine Bereitschaft. Wir erreichen bald die Kapazitätsgrenze!“ Der Offizier ist für den Material- und Personaleinsatz verantwortlich und weist in der Lagebesprechung mit allen Einheitsführen un Abteilungsleitern auf die Situation hin. Mit Bataillonskommandeur Boris Nannt erarbeiten die Experten in der Runde eine Lösung.

Kennenlernen
Das „Reifen-Desaster“ war zum Glück nur eine Lageeinspielung des Leitungspersonals der Logistikschule der Bundeswehr im niedersächsischen Garlstedt. Im hier ansässigen Übungszentrum trainieren die Soldaten aus Beelitz die logistischen Verfahren für ihren Einsatz in Afghanistan. Oberstleutnant Sven Kraußer ist einer der „Coaches“ im Zentrum und erläutert: „Die Komplexität eines Einsatzszenarios könnten die Verbände am Standort kaum nachstellen und üben! Hier stehen die nötige Infrastruktur und Fachpersonal zur Unterstützung bereit.
“ So üben die künftigen Kontingentteilnehmer mit originalen Belegen un DV-Verfahren, wie sie im Einsatz verwandt werden. Zum größten Teil in englischer Sprache. Hauptmann Andreas Boinski ist der stellvertretende Leiter der Einsatzzentrale Logistik, eine Funktion die er auch ab Oktober am Hindukusch innehaben wird. Er ist kein Angehöriger des Beelitzer Verbandes, wird aber mit diesem im Einsatz sein. So lernt er nicht nur den Umgang mit den Formalitäten, sondern auch seine künftigen „Arbeitskollegen“ kennen und einzuschätzen.

Wichtiger Teil der Ausbildung
Derzeit organisiert er mit seinem Team den Transport von 322 Containern. Zivile Kräfte und die Transportkompanie von Franke sind von der geplanten Maßnahme direkt betroffen. Es gilt, die Leistungen anhand der aktuellen Lage zu orientieren und dies anzusprechen. Weiter gilt es eigene Maßnahmen im Sinne des gesamten Auftrags zu beurteilen und zu lernen, mögliche Folgen oder Auswirkungen abzusehen. Im Übungszentrum herrscht Hochbetrieb. Oberstleutnant Nannt ist zufrieden: „Unsere wesentliche Leistung ist der Nachschub und die Materialerhaltung. Die dazu notwendigen Entscheidungsprozesse lassen sich nirgendwo besser üben als hier.
“ In 63 Containern sind die Arbeitsbereiche einer Logistikbasis im Einsatz nachgestellt. Viele der eingespielten Lagen sind ebenso realistisch. Kraußer: „Das Meiste ist irgendwann tatsächlich vorgekommen
!“ Täglich erhalten die Übenden eine Auswertung vom Leitungspersonal der Schule.

Intensivkurs Logistik
Was für infanteristische Verbände und Einheiten das Gefechtsübungszentrum ist, ist für die Logistiker das Logistische Übungszentrum. Bei Bedarf kann das Personal nicht nur die Verfahren trainieren, sondern auch an den gängigen Computer-Systemen ausgebildet werden. Der künftige Umschlagstaffelführer erhielt zum Beispiel während der Ausbildungswoche einen Kurs in SASPF, direkt in der Lage „lebend“. Dies alles ist besser, als das Aufgabenspektrum erst im Einsatz kennen zu lernen. Da sind sich die Übungsteilnehmer einig. Der Service der Logistikschule geht weit und ist am „Kunden“ orientiert. „Dieser ‚Kunde‘ ist der übende Verband, der am besten weiß, was er braucht beziehungsweise üben muss“, sagt Oberstleutnant Kraußer. „Wir können alles abbilden!
“. Im September – unmittelbar vor dem Abflug – geht es für das Logistikbataillon 172 noch einmal für 14 Tage nach Garlstedt. Dann sind auch untere Führungsebenen dabei. Nannt: „Da können wir nochmal zeigen, was wir gelernt haben.
“ Sozusagen die Generalprobe für den Einsatz.


