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Schaufahren auf allerhöchstem Niveau

Motorengeräusche, ein leichtes Quietschen, ein konzentrierter Blick und Daniel Salwender hat den ersten Pylon umfahren und folgt dem kleinen Parcours, den sie aus Trainingszwecken im Technischen Bereich der Fürst-Wrede-Kaserne aufgebaut haben. Sein fahrbarer Untersatz ist eine BMW 1200 RT.

Eskortenformation mit Auto dahinter
Hier kommt ein Inspekteur: Eskorte in der Formation 1/3. (Quelle: Bundeswehr/ Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Dieses Motorrad führte die Bundeswehr vor wenigen Jahren als Nachfolgemodell für die BMW K75 ein. Mit ihrem 110-PS-Zweizylinderboxermotor könnte die Maschine 225 km/h erreichen, ist jedoch gar nicht von Nöten, denn „in der Funktion als Eskortenmotorrad ist eher langsames und präzises Fahren angesagt“, betont Salwender. Der Hauptfeldwebel ist einer von mehreren Eskortenfahrern im Feldjägerbataillon 451 in München.rbarer Untersatz ist eine BMW 1200 RT.

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Fahrübung mit Motorrad
Volle Konzentration: Die Leitkegel im Blick. (Quelle: Bundeswehr/ Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Für das Protokoll

Die so genannte Ehreneskorte ist Bestandteil des protokollarischen Dienstes beim Empfang hochrangiger Gäste. Doch neben der Ehrerbietung dient das Zeremoniell auch dem Schutz des Gastes. Die Hauptlast des „fahrenden Begleitschutzes“ fällt in der Regel im Berliner Feldjägerbataillon an, denn in der Hauptstadt finden auch die meisten Staatsbesuche statt. „Wenn die Delegation innerhalb Deutschlands weiter reist, dann kann es auch sein, dass die anderen Bataillone Eskorten abstellen müssen“, erklärt Hauptfeldwebel Ralf Berkner. Er führt im Münchener Verband die Eskortengruppe und leitet dementsprechend auch die Ausbildung.

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Drei Motorradfahrer neben ihren Maschinen stehend
Fordernde Aufgabe: Eskortenfahrer der Feldjäger. (Quelle: Bundeswehr/ Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Willkommene Abwechslung

Geübt wird neben Parcoursfahren die 1/3er-Formation, das heißt, ein Eskortenoffizier und drei Kradfahrer fahren in so genannter Keilform der zu begleitenden Limousine voraus, ein Kradfahrer fährt am Ende als Schließender. „Wir haben heute sogar unseren Spieß aktiviert“, lächelt Berkner und Hauptfeldwebel Alexander Schlesier schwingt sich gekonnt auf seine Mschine, scheinbar froh, dem „Papierkrieg“ eines Kompaniefeldwebels für einige Stunden entkommen zu sein. Die Formation 1/3 ist die einfachste Eskortenvariante, üblich und auch praktiziert werden die Formationen 1/5 und 1/7 – die Vorgabe macht das Protokoll. „Die kleinste Formation fahren wir beispielsweise, wenn ein Inspekteur einer Teilstreitkraft begleitet wird. Ein Verteidigungsminister wird mit 1/7 eskortiert“, erklärt Berkner.

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Grafik der verschiedenen Formationen
Protokoll entscheidend: Eskortenformationen im Überblick. (Quelle: Bundeswehr/ Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Kupplungsspiele

Seine beiden Hauptfeldwebelkameraden haben unterdessen mehrfach den Parcours absolviert. Konzentriert passieren sie Pylon für Pylon. „Langsam fahren ist richtig anstrengend“, sinniert der 38-Jährige. Von der Geschwindigkeit her scheint es, dass die Maschine fast steht. Und dabei gilt es nun scharf einzulenken. Es sei eigentlich gegen die Natur, so zu fahren, denn das Gehirn sage, man falle gleich hin, betont der gebürtige Sachse. Es ist ein ewiges Spiel mit Gas und Kupplung, doch Perfektion erreicht man nur mit Übung – und natürlich mit umfassender Ausbildung. Zehn Wochen werden die künftigen Eskortenfahrer beim Feldjägerbataillon 350 in Berlin geschult. Hier hat sich die „geballte“ Fachexpertise in Sachen Protokollarischer Dienst seit dem Regierungsumzug und der damit verbundenen Verlegung des Feldjägerbataillons an die Spree mittlerweile angesammelt. Nach der „fahrerischen Grundausbildung“ folgt ein zweiwöchiges Praktikum als Eskortenfahrer.

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Foto eines Motorrades
Das Motorrad: Spezialversion der BMW R 1200 RT. (Quelle: Bundeswehr/ Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Einmal erster Mann

Spitzenfahrer erhalten noch weitere Trainings und Einweisungen. Doch bevor sie überhaupt für die herausragende Aufgabe als erster Fahrer zugelassen werden, müssen die Kradfahrer einen 1000-Meter-Hindernisparcours erfolgreich absolvieren und auch drei protokollarische Einsätze tadellos gefahren haben. „Denn Eskorte ist wie Schaufahren auf höchstem Niveau“, ergänzt Berkner. Und was zunächst etwas überheblich klingt, hat eine einleuchtende Bewandtnis: Genauso wie bei den Soldaten des Wachbataillons fallen Fehler in der Eskorte sofort auf und sind meist auch für die Nachwelt im Bild festgehalten – wer möchte sich schon gern blamieren? Aufgrund der Wirksamkeit in der Öffentlichkeit braucht es für die Eskortenfahrer auch keine zusätzliche Motivation.

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Drei Motorräder voraus, Sicht aus dem Auto
Aus der Sicht des Gastes. (Quelle: PIZ SKB/ Faller)Größere Abbildung anzeigen

Training ist alles

Und nach den ganzen Ausbildungen gilt es, Feingefühl für Formation und Technik zu erlangen. Es gilt, bis zu acht Fahrer zu synchronisieren, das ist mit Ausbildung allein nicht zu erreichen. Berkner selbst muss sich als so genannter Instruktor im Zweijahresrhythmus weiterbilden. „Wir müssen auch in der Lage sein, mit wechselndem Personal kurzfristig Einsätze zu fahren, von daher ist es wichtig, dass wir uns ständig abstimmen und miteinander trainieren“, sagt er. Spricht es aus, nimmt seinen Helm und schreitet zur dritten Maschine, die unter dem Schleppdach wartet. Er sei gerne Instruktor, sagt der Hauptfeldwebel. Doch immer wieder „jucke“ es ihn auch, selbst zu fahren. Auch nach mehr als 20 Protokolleinsätzen ist von „langweiliger Routine“ bei ihm keine Spur. Bei der 1/3-Kombination wird Berkner selbst der Spitzenfahrer sein und die Eskorte anführen. Ein kurzes Handzeichen an den Fahrer der Darstellungslimousine genügt und die Kolonne fährt davon, um kurz darauf mit perfekten Abständen die Gerade zu passieren. Sie fahren so exakt, dass der Eindruck entsteht, die Motorräder seien miteinander verbunden. Und auch das ist die hohe Fahrkunst auf einem Zweirad, denn der Abstand zwischen den einzelnen Maschinen ist nicht groß, schon ein kleiner Fahrfehler hätte sofort Auswirkungen.

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Stimmungsbild
Eskorten stellt nur die Feldjägertruppe. (Quelle: PIZ SKB/ Faller)Größere Abbildung anzeigen

Die Grenzen der Eskorten

Daher finden diese Einsätze auch nur bei entsprechendem Wetter statt. „Bei weniger als 7 Grad plus fängt es an, kritisch zu werden“, sagt Berkner. Bei Schnee und Eis entfalle jeglicher Einsatz, zu risikoreich sei es, das Fahrzeug bei langsamen Geschwindigkeiten dann noch zu beherrschen. Ansonsten sind sie bei jeder Witterung auf dem „Bock“, durchlaufen die Trainingsparcours, nehmen an zusätzlichen Fahrsicherheitstrainings teil, üben die Formationen und pflegen ihr „Bike“ – allzeit bereit, einen Ehrengast durch den Freistaat zu eskortieren. Dabei hoffen sie, dass es zu keinem ungeplanten Einsatz kommt, denn das hieße unter Umständen, dass die Eskortenfahrer einem gefallenen Kameraden die letzte Ehre erweisen müssten. Und dann ist es nicht der Fahrtwind, der ihnen Tränen in die Augen treibt.

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Stand vom: 08.08.12 | Autor: 


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