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Virtuell Fahren lernen

Geschützte Fahrzeuge sind im Einsatz nicht mehr weg zu denken. Sie schützen die Insassen vor Minen, Beschuss und Angriffen mit IED. Eines dieser geschützten Fahrzeuge ist der GTK Boxer. Doch durch den zusätzlichen Schutz verändern sich Gewicht und Fahreigenschaften erheblich. Das Fahren muss gelernt werden, bevor es in den Einsatz geht. Im schwäbischen Dornstadt greifen die Ausbilder für den neuen GTK Boxer auf moderne Fahrsimulatoren zurück.

Militärisches Fahrzeug auf nasser Fahrbahn
Ausbildung mit dem GTK Boxer. (Quelle: PIZ SKB / Ströter)Größere Abbildung anzeigen

Rumms! Es hat gekracht! Der GTK Boxer hat einen entgegen kommenden PKW gerammt. In der Sprechhaube des Soldaten am Steuer rauscht es kurz: „Weiter! Wir biegen einfach nach rechts in den Feldweg ab!“ Verleitet Militärkraftfahrlehrer (MKL) Oberfeldwebel Manuel H. seinen Fahrschüler etwa zur Fahrerflucht? Nein! Der „Unfall“ blieb folgenlos, denn der Militärkraftfahrer (MKF) bewegt sich virtuell durch die Landschaft. Er sitzt in einem von zwei Fahrständen des Kraftfahrausbildungszentrums Simulator (KfAusbZentrSim) Dornstadt. „Das Ereignis auf dem Bildschirm ist nur einer von vielen wichtigen Gründen, Fahrschüler auf dem Simulator zu schulen“, sagt Oberleutnant Wolfgang Herkert, Zugführer im Zentrum.

Kommandozentrale eines Simulators, im Hintergrund der Fahrstand
Der Ausbilder überwacht die Aktionen des Fahrschülers. (Quelle: PIZ SKB / Ströter)Größere Abbildung anzeigen

Erst am Simulator, dann in der Realität

Man stelle sich einen solchen Unfall im Straßenverkehr vor. Glück, wenn es bei Sachschäden bleibt. Angesichts stringenter Haushaltsführung macht die Ausbildung auf dem Simulator aber nicht nur aus Sicherheitsaspekten Sinn. „Bis zu drei Fahrschüler können der „Fahrstunde“ beiwohnen. Einer am Lenkrad, zwei verfolgen am Monitor das Geschehen und lernen dabei mit. Im realen Boxer kann sich der Fahrlehrer um nur eine Person gleichzeitig kümmern“, erklärt Herkert. Das Fahrzeug ist mit 2,99 Metern breiter als ein LKW, der Platz des Kraftfahrers befindet sich vorne rechts. Gewöhnungsbedürftig ist auch die eingeschränkte Sicht, vor allem bei Fahrten mit geschlossener Luke. Der Verkehr kann dann nur über die Winkelspiegel beobachtet werden. Daher lernen die künftigen Fahrer die wichtigsten Handgriffe zuerst am Simulator.

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Platz des Fahrers im Boxer.
Der Fahrerplatz: Identisch mit dem Original. (Quelle: PIZ SKB / Bier)Größere Abbildung anzeigen

Auslastung optimieren

Dessen Fahrstand ist absolut identisch mit dem Fahrerplatz im GTK Boxer. „Wir schulen die Handgriffe, die Bedienung und spielen Lagen ein.“ Fahrlehrer H. hatte vor dem „Unfall“ ein hohes Verkehrsaufkommen für seinen Schützling simuliert. Er kann den Fahrschüler über Monitore beobachten, sieht die gleichen Anzeigen und Fahrtzustände auf seinem Ausbilderplatz. Ein neues Fahrzeug wie der Boxer wird in vielen Belangen von der Industrie begleitet. Instandsetzung und Treibstoff – das geschützte Fahrzeug verbraucht 100 Liter Diesel auf 100 Kilometer – sind teuer. Erst wenn die Lehrgangsteilnehmer fit sind, steuern sie erstmals das echte „Auto“, wie die Fahrlehrer den Boxer scherzhaft nennen. Das ist nach einer Woche der Fall. Dann sitzen in der Regel die routinemäßigen Handgriffe und die Abmessungen sind bekannt. Der Simulator liefert äußerst realistische Bilder. Zwei Lehrgänge laufen jeweils parallel nebeneinander. Wöchentlich stoßen neue Fahrschüler aus ganz Deutschland hinzu, um in 14 Tagen das Boxerfahren zu erlernen.

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Hydraulikzylinder unter dem Simulator
Hydraulik bewegt den Simulator. (Quelle: PIZ SKB / Ströter)Größere Abbildung anzeigen

Seit mehr als 30 Jahren

Der Simulator reagiert ohne Verzögerung auf die Befehle des Soldaten am Lenker. Mächtige Hydraulikpumpen mit 140 bar Druck steuern Zylinder an, die den Fahrstand in alle Richtungen bewegen. Das ermöglicht sogar Simulationen von Fahrten in schwerem Gelände. Herzstück der Simulatoranlage bildet das Rechenzentrum. Fünf Computer mit 3,6 Gigaherz sind nötig, um einen Fahrstand zu bewegen, die Bilder zu projizieren und die Lagen oder Landschaften zu berechnen. Das ist der Arbeitsplatz von Elektroingenieur Anton Kley. Seit 1978 betreut der KMW-Mitarbeiter bereits die Simulatoren der schwäbischen Ausbildungseinrichtung. „Seit dieser Zeit ist die Technik weit fortgeschritten“, erinnert er sich und zeigt die Modelllandschaften, die damals mit Kameras abgetastet wurden. „Dazu waren ganze Hallen nötig. Heute brauchen wir nur einen Bruchteil des Platzes.“ Mit seinen Mitarbeitern stellt er sicher, dass die Simulatoren zu mindestens 96 Prozent einsatzbereit sind und kein Wartungsintervall verpasst wird. Eine Garantieleistung des Herstellers.

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Panzer auf einer belebten Straße
Im wahren Leben: Der große Boxer im Straßenverkehr. (Quelle: PIZ SKB / Ströter)Größere Abbildung anzeigen

Wichtig für den Einsatz

Krauss-Maffei-Wegmann stellt den Boxer und die Simulatoren her. Zehn Fahrzeuge stehen für die Ausbildung in der Realität bereit. Das System des GTK Boxer besteht aus einem Fahrmodul und einem Missionsmodul. In Dornstadt ist es ein Fahrschulmodul zur Kraftfahrausbildung in einem Kraftfahrausbildungszentrum. Erkennbar an der Glaskuppel für den Fahrlehrer. Zur Ausbildung der Fahrerlaubnisklasse G gehört ein Sicherheitstraining auf der Gleitbahn. Aus verschiedenen Geschwindigkeiten lernen die Militärkraftfahrer das Bremsen auf trockenem und feuchtem Untergrund. 33 Tonnen können ausbrechen, trotz ABS. Geländefahrten und die Teilnahme am Straßenverkehr runden den Unterrichtsstoff ab. Zahlreiche Unterrichtsstunden und Technik am GTK Boxer stehen ebenso auf dem prall gefüllten Dienstplan. So gerüstet gehen die Militärkraftfahrer in den Auslandseinsatz nach Afghanistan, wo sie mit dem Boxer ihre Kameraden transportieren. Sicher und geschützt.

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Stand vom: 02.02.12 | Autor: 

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