Sprechen Sie Europäisch?
Deutschland übernimmt im ersten Halbjahr 2013 die Führung der logistischen Unterstützung einer EU Battlegroup, der Krisenreaktionskräfte der Europäischen Union. Zur Vorbereitung auf die besonderen Anforderungen an die Zusammenarbeit im Stab eines multinationalen Logistikverbands führte das Streitkräfteunterstützungskommando an der Logistikschule der Bundeswehr jetzt erstmals eine Übung durch, bei der deutsche, französische und polnische Logistiker die Zusammenarbeit trainieren sollten.

„Ist es Munition, ist es ein Fahrzeug oder ist es etwas zu essen?
“. Zu Beginn der Übung bleibt Hauptmann Frank Dirksen und seinen Soldaten der Einsatzzentrale Logistik des Bataillons beim Lesen französischer oder polnischer Versorgungsnummern nur das Raten. Die Vereinheitlichung der Datenbank, mit der in den verschiedenen Arbeitsbereichen des Bataillonstabes deutsche, polnische und französische Soldaten zusammenarbeiten sollten, war neben der Sprachbarriere eine der ersten Herausforderungen: „Wir mussten erst mal eine einheitliche Arbeitsweise finden: die nationalen Datenbanken abgleichen, übersetzen und klären, wen man im Ernstfall kontaktieren muss und wo man seine Informationen herkriegt. Alles auf Englisch abzuklären war schwierig, aber wir haben uns enorm verbessert. Zwischen dem ersten und dem dritten Tag liegen Welten
“, betont Dirksen zufrieden.

EU Battlegroups
Ab Januar 2013 ist das Logistikbataillon 162 aus Boostedt Teil der multinationalen „European Battle Group (EU BG)“, einer für jeweils ein halbes Jahr aufgestellten militärischen Formation der Krisenreaktionskräfte der Europäischen Union (EU).
Eine EU BG besteht im Kern aus einem Infanterieverband in Bataillonsstärke, Kampfunterstützungs- und Einsatzunterstützungskräften sowie einem Führungselement. Seit 2005 werden diese Battlegroups mit wechselnder Beteiligung der europäischen Nationen zusammengestellt. Für das erste Halbjahr 2013 übernimmt Deutschland in der Zusammenarbeit mit Polen und Frankreich die Funktion der „Logistic Lead Nation“. Der deutsche Oberstleutnant Ullrich Kraus, Kommandeur des Logistikbataillons 162, arbeitet in seinem Stab multinational mit Franzosen und Polen zusammen. Sein „Multinational Combat Service Support Bataillon“ ist im Ernstfall als Element der Einsatzunterstützung für die Versorgung unter anderem eines polnischen Infanteriebataillons verantwortlich.

Üben für multinationale Teamarbeit
Erstmalig wurde die intensive gemeinsame Vorbereitung des multinationalen Logistikbataillons mit allen beteiligten Nationen durch eine viertägige Übung an der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt durchgeführt. Streitkräfteunterstützungskommando (SKUKdo) und das Logistische Übungszentrum haben hier zusammen ein Programm entwickelt, das die Soldaten auf den gemeinsamen Einsatz vorbereiten soll. „Der Schwerpunkt ist das Teambuilding, also die Förderung der multinationalen Zusammenarbeit. Die Soldaten des Stabes sollen sich kennenlernen und lernen, die unterschiedlichen Arbeitsweisen der beteiligten Nationen auf einen Nenner zu bringen“, erklärt Oberstleutnant i.G. Christian Leber vom SKUKdo.

Ideale Voraussetzungen
Die Arbeitsmöglichkeiten im Logistischen Übungszentrum sind für diese Art Übungen ideal: in einer Art Container-Dorf sind die einzelnen Stabsabteilungen untergebracht. Jede „Arbeitszelle“ ist mit Computer, Telefon und Kartenmaterial ausgestattet und über Netzwerk mit den Anderen verbunden. Neben moderner Technik zählt hier auch das Know-how: „Als Dienstleister für die Truppe führen wir hier national bereits seit Jahren die einsatzvorbereitende logistische Ausbildung durch und haben die entsprechende Erfahrung. Extra für diese multinationale Übung haben wir seit Anfang des Jahres ein einsatzorientiertes Szenario entwickelt, dass sich in den Punkten Sprache und Befehlsstruktur von den nationalen Übungen unterscheidet
“, erklärt Oberstleutnant Jörg Kraußer vom Logistischen Übungszentrum.

Zu einander finden
Am letzten Tag der Übung ist das babylonische Sprachgewirr vom Anfang längst einer einheitlich englischen Kommandosprache gewichen. In den Arbeitscontainern werde konzentriert und kameradschaftlich zusammengearbeitet erklärt Adjudant (Oberfeldwebel) Christelle Wolffer: „Am ersten Tag haben wir die Sprachen noch gemischt und auch mal etwas aufgemalt, um uns zu verständigen. Man kennt sich untereinander und auch die Fahrzeuge der anderen Nationen noch nicht. Im Laufe der Übung wird das dann immer besser
“, erklärt die französische Soldatin.
Die Übung in Garlstedt war für die meisten Soldaten das letzte Zusammentreffen, bevor im Januar dann die Bereitschaftszeit für die EU BG beginnt. Rund 3000 Soldaten können sich dann darauf verlassen, dass die Versorgung der Einsatzkräfte durch das Multinational Combat Service Support Bataillon reibungslos funktioniert.


