Auf das Wesentliche konzentrieren
Hannover, 02.07.2012.
„Manchmal ist es schwieriger zu sagen: Wir können nicht mehr, als wir können das irgendwie leisten“
, so Vizeadmiral Manfred Nielson. Auf der Kompaniefeldwebeltagung an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr in Hannover ermutigte der Inspekteur der Streitkräftebasis seine Spieße sich bemerkbar zu machen, wenn die Belastungen für ihre Soldaten und sie selbst zu groß werden. Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr und absehbar weiterer Aufgaben, wie zum Beispiel der Rückverlegung aus Afghanistan, kommen auf die Soldaten der Streitkräftebasis große Herausforderungen zu.

Mit der Neuausrichtung der Streitkräfte geht ein deutlicher Abbau des Personals einher. Bereits jetzt hat eine deutliche Reduzierung von 250.000 Soldaten auf rund 191.000 Soldaten stattgefunden. „Sie alle spüren das in ihren Verbänden“
, so Vizeadmiral Nielson. „Das Personal ist uns abhandengekommen“.
Er stellte fest, dass so bestimmte Aufgaben nicht mehr wahrgenommen werden können. „Sich dies einzugestehen, ist aber kein Zeichen von Schwäche, sondern wir müssen gemeinsam unnötigen Ballast abwerfen und uns auf das Wesentliche konzentrieren“
, so Vizeadmiral Nielson.

Mit Gerüchten aufräumen
„Ich weiß, dass manche Ihrer Probleme gar nicht bei mir ankommen“
, so Nielson zu den Soldaten. Nielson führte dies auch auf den Berufsethos der Soldaten „Das Unmögliche wahrzumachen“
zurück. Gerade deshalb suchte der Inspekteur der Streitkräftebasis den Dialog mit seinen Kompaniefeldwebeln und stellte sich offen und ehrlich den Fragen der Tagungsteilnehmer. „Die Truppe lebt zur Zeit sehr von Gerüchten“
, so Nielson. „Ich muss diese gemeinsam mit Ihnen als Führungspersönlichkeiten ausräumen und klare Antworten finden.“

Im Dialog
„Es gilt, Mechanismen zu finden mit Ihnen in den Dialog zu treten“
, so Nielson. „Denn Sie sind in Führungsverantwortung und meine Seismographen an der Basis.“
Die aus allen Teilen Deutschlands angereisten Spieße machten regen Gebrauch von der Möglichkeit, ihre Sorgen direkt an den Inspekteur zu richten und wiesen vor allem auf Probleme beim Personalmanagement hin. Besonders die unsichere Lage bei der Weiterverpflichtungen ihrer Soldaten beschäftigte die Kompaniefeldwebel. Erst durch die Verabschiedung des Reformbegleitgesetzes herrscht hier Klarheit und die Weiterverpflichtungen gehen weiter voran. Auch in der quantitativen und qualitativen Dienstpostenbesetzung der zukünftigen Streitkräftebasis geht es weiter voran. Ab Mitte August finden für die Teile Führungsunterstützung und Logistik erste Informationsveranstaltungen des Teams der Steuerkopforganisation Personal Streitkräftebasis statt. „Hier werden wir den Soldaten das Rational zur Dienstpostenbesetzung erklären und ihnen somit eine gewisse Unsicherheit gegenüber dem Verfahren nehmen können“
, so der Beauftragter für die Aufstellung der Streitkräftebasis, Oberst i.G. Gerhard Dette auf der Tagung.

Zusätzliche Herausforderung
Vizeadmiral Nielson wies weiter auf die zusätzliche Herausforderung der Rückverlegung der Streitkräfte aus Afghanistan hin. „Bereits jetzt stellt die Streitkräftebasis rund ein Viertel der Soldaten in den Einsatzgebieten“
, so Nielson. „Durch die Rückverlegung werden noch einmal 500 bis 1000 Soldaten der Streitkräftebasis gebunden.“
Rund 1700 Fahrzeuge und etwa 6000 Container müssen voraussichtlich aus Afghanistan nach Deutschland transportiert werden. „Für eine Rückführung in einem solchen Umfang haben wir keine Blaupause“
, so Nielson. Doch die Hauptverantwortung dafür tragen die Soldaten und zivilen Mitarbeiter der Streitkräftebasis.

Sensor in der Truppe
Als erste Ansprechpartner in ihren Einheiten und Verbänden nehmen die Spieße eine wichtige Aufgabe wahr. So bezeichnete Nielson seine Kompaniefeldwebel als wichtige Sensoren in ihren Einheiten. „Sie sind mit ihren Kompaniechefs, die Ersten die merken, wenn es ihren eigenen Soldaten nicht gut geht“
, so Nielson. Als ein Teil des psychosozialen Netzwerkes leiten sie erste Schritte der Betreuung der Soldaten ein und zeigen weitere Optionen auf. Entscheidend für den Inspekteur ist jedoch: „Seien Sie authentisch und gestehen Sie sich und ihren Soldaten Fehler ein – ihre Soldaten werden es Ihnen danken.“

Weitere Vorträge
Neben dem Dialog mit dem Inspekteur der Streitkräftebasis standen passend dazu auch Vorträge zum psychosozialen Netzwerk und dem Personalmanagement auf der Tagesordnung. Doch vor allem nutzten die Kompaniefeldwebel die Zeit sich über ihre selbst gemachten Erfahrungen auszutauschen. Wo liegen die Probleme des Einzelnen, wo haben andere Kompaniefeldwebel bereits Lösungen gefunden, die übertragbar sind? „Ein Meinungsaustausch unter Gleichgestellten, der für uns genauso wichtig ist, wie der Dialog mit dem Inspekteur“
, so einer der Kompaniefeldwebel.

