13.216 Tonnen auf der Schiene
13.216 Tonnen, 4.576 Meter Gesamtlänge, 251 Waggons, rund 600 Kilometer Strecke – wenn die Panzerbrigade 12 vom Kreis Straubing auf den Truppenübungsplatz Bergen verlegen will muss jede Menge Material transportiert werden. Aber wie? Auf der Straße, per Flugzeug oder doch per Bahn. Kostengünstig und zuverlässig ist der Transport auf der Schiene allemal. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und den übenden Truppenteilen planen und organisieren die Soldaten des Logistikzentrums der Bundeswehr den Transport durch ganz Deutschland.

Innerhalb von vier Tagen belädt die Panzerbrigade 12 in Nabburg, Straubing, Regen, Schalding und Bodenwöhr mehrere Züge. Mit einem Ziel: Ihr Material nach Bergen auf den Truppenübungsplatz zu transportieren. Verantwortlich für die Bahnverladung selbst ist der jeweilige Truppenteil. Die Soldaten der Panzerbrigade 12 fahren deshalb die Fahrzeuge auf die Waggons, weisen die Panzer und LKW´s ein und sorgen durch Kettenbefestigung für sicheren Halt auf den Waggons. Dabei ist genaues Augenmaß, ruhiges Fahren und Teamwork nötig. Denn viel Platz ist auf den Waggons nicht – jeder Zentimeter wird genutzt.

Fachkompetente Unterstützung
Immer mit dabei Soldaten aus dem Logistikzentrum. „Wir planen, wir organisieren, wir führen Dienstaufsicht, aber wir sind auch Berater vor Ort
“, so Stabsfeldwebel Stephan Tinter. Mit seinen Kameraden aus den beiden Umschlagleitgruppen des Dezernates Eisenbahntransport ist er zuständig für alles rund um Bahnverladungen in den Streitkräften. „Das fängt bei der Entscheidung über den genutzten Waggon an und hört bei der Kontrolle ob alle Fahrzeuge richtig befestigt sind auf
“, so Tinter. Rund 120 der eingesetzten Waggons bei diesem Transport sind eigene Flachwagen der Bundeswehr. Die Logistikplaner der Streitkräftebasis sind die wachen Augen bei der Beladung und helfen in den ganz besonderen Momenten, die bei einer solchen Bahnverladung auftreten können.

Schauplatz Bahnhof
Ein rund 40 Tonnen schwerer Schwerlasttransporter Elefant wird langsam auf den Waggon gefahren. Der Einweiser gibt eindeutige Handzeichen – Motor aus. Doch der Elefant samt Anhänger steht leicht schräg auf dem Waggon. „Jetzt brauchen wir den Bergepanzer
“, so Stabsfeldwebel Walter Röhr. „Mit ihm können wir das Fahrzeug anheben, um es dann gerade auf den Waggon zu stellen.
“ Innerhalb weniger Minuten steht der Panzer bereit, der Anhänger ist an den Kran angehängt und die Winde setzt sich in Bewegung. Ein kurzer Ruck und das 28 Meter lange Fahrzeug steht gerade.

Planungen weit vorher
Für die acht Soldaten der Umschlagleitgruppe vor Ort fängt die Arbeit jedoch weit vor der eigentlichen Verladung an. „Wir stellen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn die einzelnen Züge zusammen. Als Fachleute kennen wir jedes Fahrzeug der Bundeswehr mit seinem Gewicht und den äußeren Abmessungen
“, so Stabsfeldwebel Walter Röhr. Dies ist besonders wichtig, denn einzelne Waggons sind nur für ein bestimmtes Gewicht zugelassen. „So ist schon beim Auffahren der Fahrzeuge auf den Zug eine Reihung der Waggons vorgegeben
“, sagt Röhr.

In Nabburg
„Bei den hier aufzuladenden 16 Leopard 2 Panzern ist dies kein Problem
“, so Hauptbootsmann Jan Marten. „Alle sind gleich schwer und wir haben nur baugleiche Waggons. So können die Panzer über die Kopframpe auf den ersten Waggon auffahren und bis zum Ende des Zuges durchfahren
.“ Schon fährt der erste Leopard 2 unter lautem Motorengeräusch auf den Zug zu. Langsam rollt der Panzer über die Waggons zum ersten Waggon vor dem Triebwagen. Nacheinander reihen sich die Panzer auf den Waggons aneinander. Rund eineinhalb Stunden später steht der Zug beladen mit rund 1.000 Tonnen abfahrbereit im Bahnhof.

Auf der Strecke
Kurze Zeit später verlässt der Zug den Bahnhof Richtung Bergen. „Während der Fahrt ist die Deutsche Bahn für den Transport verantwortlich
“, so Hauptfeldwebel Sven Swoch. Die Züge fahren auf dem Schienennetz der Deutschen Bahn und benötigen für die rund 600 Kilometer nach Bergen durchschnittlich einen Tag, denn auf der Strecke haben die Hauptverbindungen der Deutschen Bahn Vorrang. Eine Beeinträchtigung des täglichen Schienenverkehrs wird so vermieden. Die Soldaten der Panzerbrigade 12 fahren dabei dieses Mal nicht mit dem Zug mit. Sie verlegen Richtung Bergen auf der Straße. „“Die Möglichkeit das Personal auf dem Zug mit einem extra Personenwagen mitzunehmen besteht allerdings
“, so Swoch.

Besondere Herausforderung
Ortswechsel ins niederbayerische Regen – 2 Uhr mitten in der Nacht. Hier werden weitere Schützenpanzer Marder auf den nächsten Zug aufgeladen. Für die Soldaten ist die Verladung der Fahrzeuge in der Dunkelheit auch Neuland. Doch die Soldaten der Umschlagleitgruppen stehen auch hier mit Rat und Tat zu Seite „Eine ganz spezielle Herausforderung für die Soldaten, denn sie dürfen kein Signallicht wie rot oder grün benutzen. Dies ist untersagt, um andere Lokführer nicht zu verwirren
“, so Stabsfeldwebel Andreas Sprinz. „Zudem sind die Lichtverhältnisse insgesamt sehr schwierig
.“ . Rund zwei Stunden nachdem der Zug am Bahnhof eingefahren ist, sind alle Panzer auf den Waggons. „Das hat diesmal alles problemlos geklappt
“, so Sprinz.

Ankunft in Bergen
Einen Tag später fährt auch dieser Zug in Bergen am Bahnhof ein. Auch hier vor Ort – die Soldaten der Umschlagleitgruppen. „Wir sind hier, wenn noch einmal Fragen während des Abladens auftreten
“, so Sprinz. „Nur für den Notfall
.“ Das Abfahren der Panzer und Fahrzeuge geht schnell voran. Eine letzte Kontrolle durch die jeweiligen Materialverantwortlichen der Panzerbrigade 12 ob Schäden an den Fahrzeugen vorhanden sind und die Fahrt zum Truppenübungsplatz Bergen wird auf der Straße fortgesetzt.


