Im Team gegen das Hochwasser 2010
„Das war erste Sahne“,
beschreibt Oberstleutnant der Reserve Gerald Knieper prägnant das Ineinandergreifen der verschiedenen Zahnräder des Hilfssystems. 2010 trat in Sachsen-Anhalt im Landkreis Elbe-Elster der Fluss Schwarze Elster mit ihren Seitenarmen über das Ufer. Deiche brachen und Helfer vollbrachten am Rande ihrer Kräfte Höchstleistungen. Mehr als 250 Soldaten und 2.000 Helfer von Feuerwehr, Technische Hilfswerk (THW), Deutsches Rotes Kreuz, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft und Polizei sowie Freiwillige arbeiteten gemeinsam an der schnellen Hilfeleistung. Noch Jahre danach erinnert sich der Leiter des örtlichen Kreisverbindungskommando Elbe-Elster, Oberstleutnant Knieper an eine äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit von Militär, Behörden, Organisationen und Bevölkerung.


Eingespieltes Team
Die Teams der Hilfsorganisationen bildeten an der Seite der Soldaten schon vor der Hochwasser-katastrophe ein eingespieltes Team. „Als wir 2007 die Arbeit als Kreisverbindungskommando im Landratsamt aufnahmen, war auf militärischer und ziviler Seite noch Unklarheit vorhanden, was man von der Professionalität der jeweiligen Gegenseite erwarten sollte“
, so Knieper. Doch bereits in der Anfangszeit lernte man sich intensiv kennen – und wertschätzen. „Meine erste Wehrübung absolvierte ich im neu gegründeten KVK des Landratsamtes“
, erzählt Knieper. „Somit war ich als Bezugsperson für die örtlichen Ansprechpartner im Krisenstab eingeführt.“

Über Grenzen hinweg
Etwa 250 Soldaten wurden damals zusätzlich in den Elbe-Elster-Kreis kommandiert. Fünf Hubschrauber Bell UH 1 D flogen allein am 4. Oktober nahezu nonstop 300 große Bundeswehr-Außenlast-Netze abwechselnd mit 600.000 frisch gefüllten Sandsäcken zu den Deichen, um diese gegen den drohenden Wasserdurchbruch zu stützen. Eine Kooperation über die Grenzen hinweg entstand beim Einsatz „Schwarze Elster“ beim Ausfall eines Pumpwerks, das pro Stunde 160.000 Liter Flusswasser zur Hochwasserverteidigung abpumpen sollte. Das THW war damals machtlos mit der eigenen Ersatz-Anlage, also ließ man eine deutlich leistungsstärkere Pumpe aus dem benachbarten Polen mit Blaulicht über die Grenze bringen.

Gefragter Ansprechpartner
Oberstleutnant Kieper betont in diesem Zusammenhang den Bedarf an engagierten Reservisten: „Besonders in den neuen Bundesländern sind Spezialisten nötig, die sich in Kreisverbindungskommandos ehrenamtlich einbringen.“
Denn Zivil-Militärische Zusammenarbeit findet nicht nur bei Hochwasser wie im Beispiel der „Schwarzen Elster“ statt. So stehen die Bezirks- und Kreisverbindungskommandos den jeweiligen Landkreisen auch bei anderen Naturkatastrophen zur Seite, wie zum Beispiel bei extremen Schneemassen oder großflächigen Waldbränden.

Für die Zukunft gewappnet
Um auch in Zukunft bei möglichen Naturkatastrophen bestens gewappnet zu sein, ist ein regelmäßiges miteinander Üben äußerst wichtig. „Mindestens fünf Termine im Jahr sind für Übungsszenarien aller Art reserviert“
, sagt Knieper. Als Leiter des Kreisverbindungskommandos wird Knieper weiterhin im Katastrophenfall den eingerichteten Katastrophenschutzstab im Rahmen der Hilfeleistungen beraten. Insbesondere dann, wenn die zivilen Organisationen nicht mehr allein eine eingetretene Katastrophe meistern können, wird die Unterstützung der Bundeswehr angefordert. „Ein Zusammenspiel das funktioniert hat und weiter funktionieren wird“
, so Knieper.




