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Flüchtlingslage im Fokus: Inspekteur besucht Wartezentren

Generalleutnant Martin Schelleis hat sich viel Zeit genommen: Um sich über die Asylsituation in Bayern eingehend zu informieren, besuchte der Inspekteur der Streitkräftebasis die beiden Wartezentren in Feldkirchen und Erding sowie das Landeskommando Bayern. Zahlreiche Grenzschließungen auf der Balkan-Route sorgen derzeit für weniger Flüchtlingsaufkommen. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die Ströme der Asylbewerber wieder zunehmen werden. Ab Juli soll der unterstützende Flüchtlingseinsatz der Bundeswehr enden und durch zivile Hilfsorganisationen übernommen werden.

Zwei Soldaten und zwei Zivilisten in einem Zelt

Generalleutnant Schelleis (links) im Welcome-Zelt in Erding. (Quelle: LKdo BY/Scheller)Größere Abbildung anzeigen

Der Terminkalender ist mit drei unterschiedlichen Standorten in Bayern mit einer Entfernung von zwei Regierungsbezirken (etwa 100 Kilometer von Standort zu Standort) an einem Tag schon voll genug. Trotzdem nimmt sich General Schelleis die Zeit für einen Eintrag ins Gästebuch des Landeskommandos, das für die Koordination der Bundeswehr-Unterstützung in Bayern zuständig ist. Anschließend führt der Inspekteur ein kurzes Vier-Augen-Gespräch mit dem Kommandeur des Landeskommandos Bayern, Brigadegeneral Helmut Dotzler.

Aktuelles aus dem Lagezentrum

Zwei Soldaten stehen vor einer Lagekarte.

Generale Dotzler und Schelleis vor der Lagekarte in München. (Quelle: LKdo BY/Scheller)Größere Abbildung anzeigen

Zuerst lässt sich General Schelleis durch den Leiter des Lagezentrums, Oberstleutnant Georg Sturm, in die Flüchtlingslage in Bayern einweisen. Das Lagezentrum in der Münchner Fürst-Wrede-Kaserne wird seit Oktober 2015 ausschließlich durch Reservisten betrieben. Vier Soldaten bearbeiten und koordinieren hier in einem Drei-Schicht-System Anträge auf Hilfeleistungen durch die Bundeswehr: „Mit Masse werden Personalabstellungen angefragt, aber auch Material wie beispielsweise Bettwäsche“, erklärt Sturm. Die Flüchtlingszahlen selbst seien seit Ende des vergangenen Jahres deutlich rückläufig. Dies führt er insbesondere auf diverse Grenzschließungen auf der so genannten Balkan-Route zurück. Wurden im Oktober 2015 noch knapp über 200.000 Flüchtlinge an den bayerischen Grenzen gezählt, so bewegt sich diese Zahl derzeit bei rund 60.000 Personen. „Eine Schließung der Balkan-Route könnte die Flüchtlingsströme möglicherweise nach Rumänien und Bulgarien umleiten“, sagt der Oberstleutnant.

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Feldkirchen: endlich winterfest

Mehrere Personen sitzen an einem Tisch und beraten sich

General Schelleis informiert sich über die Baufortschritte. (Quelle: LKdo BY/Scheller)Größere Abbildung anzeigen

Im Wartezentrum Feldkirchen nahe Straubing, einem abgetrennten Teil der Gäuboden-Kaserne, informiert sich General Schelleis ausführlich über die jüngsten Baumaßnahmen. Das Camp war auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise zunächst als reines Sommerlager aus dem Boden gestampft worden. Zu Baubeginn war schon absehbar, dass eine Umstellung auf Winterbetrieb erforderlich sein würde. „Nach nur fünf Tagen konnten wir hier die ersten Flüchtlinge aufnehmen“, berichtet Camp-Leiter Sigurd Ilek vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, stolz auf das gemeinsam in kürzester Zeit Erreichte. Dieser Kraftakt konnte nur gelingen, weil die Bundeswehr, THW, DRK und viele weitere Organisation alle an einem Strang zogen. Mittlerweile sind über 2.500 Betten winterfest.

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Pionierleistung der Streitkräfte

Zwei Soldaten bei einer Besprechung vor der Zeltstadt in Feldkirchen.

General Schelleis (rechts) erhält Einweisungen in Feldkirchen. (Quelle: LKdo BY/Scheller)Größere Abbildung anzeigen

Die Soldaten haben sich den Flüchtlingen fantastisch angenommen - diese Lücke zu füllen wird nicht einfach“, erklärt Günther Geiger vom DRK. Nach derzeitigen Planungen sollen die beiden Warteräume in Erding und Feldkirchen an die jeweiligen Kreisverbände des BRK übergeben werden. Die notwendigen Arbeitskräfte sollen ebenfalls aus der Region gewonnen werden. General Schelleis geht auf den Kernauftrag der Bundeswehr ein. Als nationaler territorialer Befehlshaber nehme er sich gerne der Flüchtlingshilfe als einer von vielen subsidiären Aufgaben an. Jedoch müssten auch wieder die originären Aufgaben der Bundeswehr in den Vordergrund rücken. Die Panzerbrigade 12 beispielsweise, Haupttruppensteller in Feldkirchen, müsse sich auf kommende Auslandseinsätze vorbereiten. Daher sei die Entscheidung der Ministerin, die Flüchtlingshilfe im Sommer auslaufen zu lassen, richtig. „Der Einsatz in der Heimat ist trotzdem eine große Erfahrung für die Bundeswehr und alle Betroffenen gewesen“, schlussfolgert der General.

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Erding: vom Rekord zur Ruhe

Eine Gruppe Soldaten und Zivilisten geht an Shelter vorbei

General Schelleis besucht Shelter in Erding. (Quelle: LKdo BY/Scheller)Größere Abbildung anzeigen

„100.546 Flüchtlinge.“ Diese beeindruckende Zahl nennt Camp-Leiter und Oberstleutnant a.D. Volker Grönhagen gleich zu Beginn seines Lagevortrags. So viele Flüchtlinge wurden seit Oktober 2015 durch das Wartezentrum Erding geschleust. Die Zahl entspricht in etwa der Einwohnerzahl einer Großstadt wie Koblenz oder Jena. Seit Februar sind die Registrierungszahlen jedoch rapide zurückgegangen. Derzeit steht das Camp laut Grönhagen mit einer Belegungszahl von sechs Flüchtlingen quasi leer. Im Wartezentrum Erding können eigentlich bis zu 5.000 Menschen für kurze Zeit untergebracht werden. Es ist für Flüchtlinge gedacht, die nach dem Passieren der deutschen Grenze nicht sofort auf Unterkünfte in ganz Deutschland aufgeteilt werden können. General Schelleis hört aufmerksam zu.

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Interesse am Detail

Soldat spricht mit zwei Männern in zivil

General Schelleis spricht mit Verantwortlichen in Erding. (Quelle: LKdo BY/Scheller)Größere Abbildung anzeigen

Für ihn ist es bereits der zweite Besuch in Erding: „Mein erster Besuch fand im vergangenen November zusammen mit der Ministerin statt, auch wegen der vielen Presse ging es etwas hektisch zu.“ Heute hat der Inspekteur mehr Zeit mitgebracht, er will sich vor Ort noch einmal alles ganz in Ruhe anschauen. Grönhagen erklärt ihm, dass dieses Jahr fast ausschließlich allein reisende Frauen mit Kindern oder Familien in Erding ankommen. Die Registrierungsquote liegt mittlerweile bei fast 100 Prozent. Möglicherweise ein Erfolg verbesserter Aufklärung der Flüchtlinge. So ist auf der Busfahrt nach Erding eine Audio-CD im Einsatz, die den Flüchtlingen in fünf Sprachen erklärt was im Warteraum passiert. Andererseits lässt Österreich derzeit auch nur solche Flüchtlinge nach Deutschland weiterreisen, die angeben, in Deutschland einen Asylantrag stellen zu wollen.

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Im Gespräch mit Soldaten

Soldaten sprechen miteinander

General Schelleis im Gespräch mit Soldaten. (Quelle: LKdo BY/Scheller)Größere Abbildung anzeigen

Zum Abschluss nimmt sich General Schelleis Zeit für ein Gespräch mit den im Verpflegungszelt eingesetzten Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23. Derzeit ist nur eine Rumpfmannschaft im Camp präsent. Die restlichen Soldaten wurden in Bereitschaft versetzt und befinden sich vorerst wieder an ihren Heimatstandorten. „Falls nötig, sind wir in drei Stunden wieder voll besetzt“, sagt Hauptmann Arnold Schromm, Führer der eingesetzten Kräfte. In Erding wird die Verschnaufpause für weitere Baumaßnahmen genutzt. Das Welcome-Zelt wird noch dieses Wochenende in eine Halle umziehen können. Da hilft es, wenn das Camp nicht voll ausgelastet ist. Bei seinem Abschied bedankt sich General Schelleis nochmals bei allen am Aufbau und Betrieb beteiligten Organisationen und lobt das Durchhaltevermögen: „Die Leistungen und das Engagement der vergangenen Monate sind beeindruckend, ich bin stolz auf die Soldaten.

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Stand vom: 01.07.16 | Autor: 


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