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Fahrsimulator steigert Ausbildungswert

Es ist Nacht, der Weg in der Schlucht ist eng und der Panzer fährt mit Tarnlicht durchs Gelände. Keine einfache Situation, die Hauptfeldwebel Manuel Kohn, Ausbilder in Baumholder, seinem Fahrschüler im Simulator vorgibt. Diese Herausforderungen meistert er souverän, nimmt in der Engstelle die Geschwindigkeit zurück und tastet sich langsam vorwärts. Auch einer plötzlich auftauchenden Menschenmenge kann er ausweichen.

Ein Soldat zeigt auf Bedienknöpfe einer Fahrerkabine

Hauptfeldwebel Schneider erklärt die Bedienelemente im Lehrsaalfahrerstand. (Quelle: LKdo RP/Meiszies)Größere Abbildung anzeigen

Für den Oberstabsgefreiten Alexander Emmich ist es die vierte von insgesamt sechs virtuellen Lehrstunden. Er gehört zum Artillerielehrbataillon 345 in Idar-Oberstein, dort ist er als Kraftfahrer eingesetzt. Manuel Kohn, der an seinen Monitoren am Ausbildungspult dieselbe Sicht wie sein Schüler hat, beobachtet und kommentiert die Situation genau. Mit der Reaktion des Oberstabsgefreiten ist er zufrieden, er erhöht den Schwierigkeitsgrad: Die Kurve im Gebirge wird enger und enger und Alexander Emmich reagiert zu spät: die Geschwindigkeit des Fahrzeugs ist zu hoch, er kann den Fuchs nicht mehr abfangen und stürzt in den Abgrund – virtuell!

Eine Vielzahl an Möglichkeiten

Ein Soldat schaut auf Monitore und spricht in ein Mikrofon

Hauptfeldwebel Kohn beobachtet und kommentiert das Fahrverhalten. (Quelle: LKdo RP/Meiszies)Größere Abbildung anzeigen

Aufgaben und Situationen, die bei einer realen Fahrausbildung im Gelände nicht geübt werden können. Der Simulator bietet die Möglichkeit, jeden Bewegungsablauf in einer entsprechenden Umgebung zu üben. Witterung, Hindernisse, technische Fehler - alles kann hier simuliert werden. Auch Fahrschüler Emmich schätzt diese Möglichkeit des Trainings, sieht aber auch gewisse Schwierigkeiten: „Es fehlt einem das dreidimensionale Sehen und die Geschwindigkeit ist einfach schwer einzuschätzen, deshalb ging es für mich auch abwärts in die Schlucht.

Für Hauptfeldwebel Jörg Schneider vom Kraftfahrausbildungszentrum nur ein vermeintlicher Nachteil: „Im Simulator zwinge ich den Fahrschüler permanent auf den Tacho zu schauen, um die Geschwindigkeit zu kontrollieren und genau das ist auch draußen beim realen Fahren von Vorteil.“ Hauptfeldwebel Schneider hat das Projekt mit dem offiziellen Titel „Ausbildungsausstattung TPz 1 Fuchs A8“ von Anfang an als Fachberater begleitet. Im Januar 2014 ging es mit den ersten Besprechungen in München bei der Firma Krauss-Maffei Wegmann los. Genau zwei Jahre später startete in Baumholder der Betrieb.

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Detailarbeit erfordert viel Zeit

Soldat im Simulator

Alexander Emmich vom Artillerielehrbataillon 345 lernt in Baumholder. (Quelle: LKdo RP/Meiszies)Größere Abbildung anzeigen

Seit 2009 ist Jörg Schneider als Fahrausbilder für den TPz Fuchs dabei, seine umfangreichen Erfahrungen auf diesem gepanzerten Radfahrzeug haben wesentlich zur Entwicklung des Simulators beigetragen. Ziel war die Erstellung einer Eins-zu-eins-Kopie des Originals mit einem realistischen Fahrverhalten. Jedes Bedienelement und jeder Knopf sollte vorhanden sein, selbst die Fahrertür im Lehrsaalfahrerstand wurde originalgetreu nachgebaut. Die Aufgabe als Fachberater war eine Herausforderung für Hauptfeldwebel Schneider, die technische Entwicklung des Simulators nahm jede Minute in Anspruch. „Am zeitaufwendigsten war das Lenkverhalten“, so Jörg Schneider. „Das exakte Einrichten hat mehr als vierzehn Tage in Anspruch genommen.“ In Baumholder testete man immer wieder das reale Fahrverhalten im Gelände, im Simulator wurde es dann nachgestellt und verglichen. Ständig waren dynamische Anpassungen notwendig, ständig musste die Software neu programmiert und aufgespielt werden. Gleiches galt für das Bremsverhalten, die Beschleunigung und zahlreiche weitere Fahrsituationen. Als Fachberater mit seinen praktischen Erfahrungen war er unverzichtbar für die Programmierer bei Krauss-Maffei Wegmann in München. Immer wieder fuhr er zu Besprechungen vor Ort.

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Reales Fahren bleibt wichtig

Zwei Soldaten blicken auf mehrere Monitore

Beifahrer und Beobachter sind mit Fahrer und Fahrlehrer verbunden. (Quelle: LKdo RP/Meiszies)Größere Abbildung anzeigen

Ein Aufwand, der sich gelohnt hat. In einer originalgetreuen Umgebung üben die Fahrschüler Bedienungsabläufe, die ihnen in der Realität Sicherheit verleihen. 37 Fehlerarten können eingespielt werden, zivile und militärische Situationen werden geübt: Ein Bahnübergang, Hindernisse auf der Fahrbahn oder Minenfelder und Bombenexplosionen – alles ist möglich. Fahren im Staub, bei Regen und Nebel – für die Technik kein Problem. Aufzeichnungen des Sprechfunkverkehrs aus dem Einsatz – beispielsweise das Fahren eines Konvois in Afghanistan – fordern vom Fahrschüler besondere Konzentration: Hier gilt es, die Anweisungen des Ausbilders vom taktischen Funk im Hintergrund herauszufiltern.

Panzerfahrzeug

Der reale Fuchs, hier in der Version für die ABC-Abwehr. (Quelle: PIZ SKB/Bier)Größere Abbildung anzeigen

Erstmalig bei einem Fahrsimulator ist hier eine komplette Funksimulation möglich, die die Kommunikation nicht nur mit dem außerhalb der Simulatorkabine sitzenden Beifahrer ermöglicht, sondern auch eine Vernetzung zum Nachbarsimulator im Nebenraum. Insgesamt ein gelungenes Projekt, das nach wie vor lebt. Erfahrungen aus dem realen Betrieb werden festgehalten und zur Pflege und Weiterentwicklung der Software weitergegeben. Doch trotz aller Vorteile ist es wichtig, das Fahren im Gelände nicht zu vernachlässigen. Virtualität ersetzt niemals Realität und in der zweiten Ausbildungswoche heißt es dann für die Schüler echte Fahrdynamik spüren und erleben.

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Stand vom: 01.07.16 | Autor: 


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