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Ein Autor aus Deutschland und ein Fotograf aus Österreich - Zwei, die besonders sind!

Oberstleutnant Hutterer ist passionierter Krimi-Autor und preisgekrönt. Zusammen mit dem österreichischen Vizeleutnant Ulrich Kallinger dient er im Multinationalen Kommando Operative Führung in Ulm. Kallinger ist ein Mann der Bilder – der Vizeleutnant ist Fotograf im Dezernat Informationsarbeit in Ulm

Soldat sitzt am Schreibtisch und hält ein Buch in beiden Händen.

Oberstleutnant Gerhard Hutterer ist leidenschaftlicher Hobby-Autor. (Quelle: LKdo BW/Dettenborn)Größere Abbildung anzeigen

„Franz Fleischmann liegt auf dem Tisch. Eben war er noch an einem anderen Ort, doch plötzlich findet er sich auf der Metallplatte eines Kühlraums wieder. Aus der Ecke des Wirtschaftskellers „Zum Bräu“ ertönt eine Stimme. „A so a Schmarrn! Di kann doch gaoaned fruisn.“ Franz springt auf und dreht sich in die Richtung, aus der die Stimme kommt. Dabei merkt er, dass sein Körper ihm nicht folgt. Er ist tot. Nach einigen Sätzen realisiert Fleischmann mit wem er spricht. Der Tod ist gekommen, um ihn zu holen, doch der Verstorbene will ihm nicht folgen. Es entwickelt sich ein absurd komisches Gespräch, in dessen Verlauf Fleischmann versucht, den Tod davon zu überzeugen, dass er umgebracht wurde und deshalb nicht mitgehen könne. Zuerst müsse der Mord aufgeklärt werden.

Fleischmann ist eine von Autor Henry Gerhard erschaffene Figur. Henry Gerhard wiederum ist ebenfalls erschaffen – ein Pseudonym. Denn eigentlich heißt er Gerhard Hutterer und ist Oberstleutnant im Multinationalen Kommando Operative Führung (MN Kdo OpFü) in Ulm. Hutterer ist Personalstabsoffizer, zuständig für die Personalbearbeitung der Offiziere im Stab des Kommandos. Fleischmann und Hutterer haben etwas gemeinsam. Sie sind Bayern. Der eine, Fleischmann, spricht in Mundart und ist nur schwer zu verstehen für Menschen, die nicht im bayerischen Wald aufgewachsen sind. Hutterer hingegen spricht zwar mit leicht rollendem „r“, ist jedoch gut verständlich – auch für seine Mitbürger aus Nordrhein-Westfalen oder Sachsen.

Seit rund acht Jahren schreibt der Oberstleutnant und Berufsoffizier Kriminalromane und Kurzgeschichten. Erst kürzlich hat er den Ralf-Bender-Krimipreis 2015 gewonnen. Die lustige Kurzgeschichte um den Toten im Wirtshauskeller und den „Boandl Kramer“ (übersetzt aus dem bayerischen: Der Tod) begeisterte die Jury.
Ich schreibe seit Mitte der 1990er-Jahre“, sagt der vor Ideen sprühende Hutterer. Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht der Soldat jedoch erst seit etwa acht Jahren. Ursprünglich wollte er nur für die Veröffentlichung einer Vereinschronik seiner Schwester recherchieren. Dabei stieß er auf ein Internetportal, das die Herausgabe von Büchern zu minimalen Kosten ermöglicht. Da war es um den Hobbyschreiber geschehen. Mehrere tausend Bücher hat er schon verkauft. Eine kleine, treue Fangemeinde gibt es auch.

Lesen und Kino haben mich schon immer gefesselt. Vor allem Krimis und Action mag ich sehr“, erklärt Hutterer. „Ich habe mir schon auch überlegt, hauptberuflich Autor zu werden“, doch die geringen Verdienstmöglichkeiten hätten ihn abgeschreckt, erzählt der freundliche 55-Jährige weiter. Außerdem, und das sei ihm besonders wichtig, sei er so nicht an Verträge mit Buchverlagen gebunden. „Wenn ich nichts liefern kann, muss ich auch nichts liefern.“ Ein Vorzug, der seinen steigenden Qualitätsansprüchen an sich selbst gelegen komme, findet Hutterer.

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Inspirationen aus dem Alltag

Ein Soldat sitzt an einem PC-Arbeitsplatz.

An seinem Arbeitsplatz ist Hutterer ganz Soldat und S1-Stabsoffizier. (Quelle: LKdo BW/Dettenborn)Größere Abbildung anzeigen

Die ersten Kriminalgeschichten des Oberstleutnants seien brutal und blutig, sagen einige Rezensenten. „Mittlerweile, bei den meist regional geprägten Krimis, gehe ich aber indirekter damit um“, beschwichtigt er. Zu Beginn sei er deutlicher gewesen, was sicherlich auch etwas mit seiner Vergangenheit als Ausbilder für spezialisierte Kräfte und Fallschirmjäger zu tun hatte. Generell lasse Hutterer sich von vielen Dingen aus seinem eigenen Alltag inspirieren. Die Ideen flögen ihm nur so zu. So kann aus einem gelesenen Zeitungsartikel schnell mal ein Buch entstehen. Auf die Frage, wie er neben seiner anspruchsvollen Arbeit Zeit für dieses Hobby finde, antwortet er: „Ich schreibe im Urlaub.“ Da nehme er sich regelmäßig eine Woche Zeit. „Da schaffe ich so gute 120 Seiten“, erklärt er. Das sei die richtige Basis, um dann an weiteren drei oder vier Wochenenden die Arbeit zu beenden. Aktuell arbeitet Hutterer an einer Geschichte, bei der es um Einsatzbelastung geht. Sein großer Traum sei es „einen Roman in einem Verlag zu veröffentlichen.“ An Ideen mangelt es sicherlich nicht. Leser von Henry Gerhard dürfen also gespannt darauf sein, wer als nächstes stirbt.

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Vom Personal-Feldwebel zum Fotograf

Ein österreichischer Soldat montiert eine Kamera an ein Teleobjektiv.

Vizeleutnant Ulrich Kallinger kam erst in Ulm zur Fotografie. (Quelle: LKdo BW/Dettenborn)Größere Abbildung anzeigen

Ulrich Kallinger ist ein Mann der Bilder, nicht der Worte. Der Vizeleutnant aus Österreich ist das beste Beispiel für den Combined- und Joint-Ansatz des Multinationalen Kommandos. Kallinger ist Personal- und Attaché-Feldwebel. Bis vor einigen Jahren tat er Dienst im Verteidigungsministerium in Wien. „Eigentlich hatte ich mich dann für Brüssel beworben“, erklärt er. Jetzt ist er Fotograf im Dezernat Informationsarbeit in Ulm. Seine Ausbildung dazu erhielt er in Fürstenfeldbruck. Über zehn Terabyte Bildmaterial hat der Soldat aus Oberösterreich schon gesammelt. „Bei uns ist immer etwas los“, sagt er. Nationale und multinationale Übungen, Veranstaltungen, Fotos für Druckerzeugnisse und Passbilder: Das alles gehört zum Aufgabenbereich des Vizeleutnants. „Eigentlich blitzt es hier jeden Tag.“ Sein Dienstgrad klingt für deutsche Ohren gewöhnungsbedürftig. „In Deutschland wäre das Äquivalent wohl Oberstabsfeldwebel“, meint Kallinger.

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Viele Bilder zur Erinnerung an Ulm

Österreichischer Soldat mit deutschem Soldat vor einer Wand mit Fotografien.

Über zehn Terabyte an Bilddaten hat Kallinger auf Festplatten gespeichert. (Quelle: LKdo BW/Dettenborn)Größere Abbildung anzeigen

Wirklich umgewöhnen musste sich der Oberösterreicher nicht. „Ich arbeite hier mit den Kameraden sehr gut zusammen.“ Vorurteile über den „Piefke“, wie die Österreicher die Deutschen gern nennen, halte er für Unsinn. Der einzige wirkliche Unterschied sei die andere Uniform, die er trage. Ansonsten unterscheide ihn nichts von seinen deutschen Kameraden. Insofern sei das Einleben kein Problem gewesen. Lediglich den sehr kurzfristigen Umzug von Österreich nach Neu-Ulm habe er als nervig empfunden. Hier musste er sich im Dienst, bei Behörden, Ämtern, Versicherungen und Einkaufsmöglichkeiten schnell zurechtfinden. Auch an die deutschen Preise hat sich der Österreicher inzwischen gerne gewöhnt. Im Schnitt sind die meisten Konsumgüter in seiner Heimat deutlich teurer als in Deutschland. Bei Lebensmitteln liegt Österreich gar an der Spitze der EU-Staaten. „Wenn ich voraussichtlich im Juli nächsten Jahres Ulm verlasse, gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, beteuert Kallinger. Kameraden, seine Wohnung, die inzwischen vertraute Umgebung, alles das müsse er hinter sich lassen. Wo es hin geht, weiß er noch nicht. Klar ist nur, dass sein nächster Dienstposten wieder im Ministerium sein wird. Sein Wunschort wäre die österreichische Botschaft in Berlin. Zur Erinnerung an seine Dienstzeit im Ulmer Kommando hat Kallinger viele Bilder von Ulm und seiner Umgebung gemacht. Die werde er mitnehmen. Ob, wann und wo der Vizeleutnant je wieder Fotos schießen wird, kann er dagegen nicht voraussagen.

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Stand vom: 01.07.16 | Autor: 


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